Silent Friend
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Kinobengel
Kinobengel

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5,0
Veröffentlicht am 22. Januar 2026
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Grete (Luna Wedler) wird 1908 Studentin an einer Universität in Deutschland. Am selben Ort studieren 1972 Gundula (Marlene Burow) und Hannes (Enzo Brumm). 2020 kann dort Wissenschaftler Tony (Tony Leung Chiu-wai) aufgrund der Corona-Pandemie seinen Lehrauftrag nicht ausführen. Er erforscht einen großen Ginkgobaum, der im botanischen Garten des menschenleeren Campus steht.

Die erfahrene Regisseurin Ildikó Enyedi hat durch „Körper und Seele“ (2017) Aufsehen erregt. Ihr gewisser poetischer Anspruch ist ebenso bei „Silent Friend“ zu spüren.

Das Publikum sieht eine Ode an die Verständigung zwischen Menschen sowie zwischen Menschen und Pflanzen. Blicke, Worte, Elektrizität. Das ist per se nicht alles einleuchtend, wie die Kommunikation selbst. Enyedi vermag es, diese Situationen auf den Punkt zu bringen. Sie baut ein Geflecht aus mehr oder weniger starken Barrieren auf, die es zu ergründen oder zu bewältigen gilt. Liebe wie Humor lässt Enyedi dabei nicht außer Acht.

Der Ginkgobaum schaut zu. Blicke durchs Geäst auf die Protagonisten verraten, dass er stiller Zeuge reichlicher Ereignisse der gesamten Erzählzeit gewesen ist. Zudem spielt Gundulas Geranie eine wichtige Rolle. Beziehungen verschiedener Art ergeben sich, werden vertieft, verlaufen sich. Die ungarische Filmemacherin zeigt keine ausgeprägten dramaturgischen Bögen, sie fasziniert durch die gezeigten Verhältnisse der nie künstlich wirkenden Charaktere, die zudem ausdrucksstark verkörpert sind. So gelingt mithilfe vieler präziser Dialoge der Vergleich der verschiedenen Epochen, die auch durch die typischen, leicht wiedererkennbaren Farben ihrer Zeit unterscheidbar sind.

Das Begeisternde an „Silent Friend“ ist das perfekte Ineinandergreifen der vorgenannten Komponenten. Dadurch werden die Abschnitte über das Thema Kommunikation miteinander verbunden und 147 Minuten in einem gleichmäßigen Fluss gehalten. Die kleinen sich entwickelnden Geschichten brauchen kein Ende, was dem Meisterwerk nicht schadet. Ganz im Gegenteil, ich hätte stundenlang weiterschauen können.
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