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Kinobengel
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4,0
Veröffentlicht am 19. Juli 2025
DON’T STOP THE MUSIC
Das Folk-Duo Mortimer-McGwyer existiert längst nicht mehr, doch der verschrobene Lottogewinner Charles (Tim Key) möchte die geliebte Vergangenheit aufleben lassen und „zwingt“ beide unabhängig voneinander mit Geld auf die wenig bewohnte Wallis Island zu einem Konzert. Als Herb McGwyer (Tom Basden) auf Nell Mortimer (Carey Mulligan) trifft, flammen alte Konflikte auf. Charles versucht auf seine spezielle Art zu schlichten.
Musikerdramen folgen oft dem Masterplot in 5 Akten: Aufstreben eines Talents, Hochmut, tiefer Fall, Einsicht, tosendes Finale. In der Komödie von James Griffiths soll ein völlig anderer Ansatz die Handlung bestimmen. Ein Kurzfilm entstand bereits 2007. Für beide Versionen verfassten Key und Basden das Drehbuch, die Songs hat Letzterer selbst geschrieben. Weitreichendes Teamwork steht hinter dem Projekt.
Eine wichtige Balance hält den Film auf der Leinwand: Charles ist als alleinlebende Quasselstrippe voll im Soll, das Publikum gibt sich amüsiert, McGwyer genervt. So schräg die Hauptfigur, so einfallsreich die Szenen: „Ich bin keine Gäste gewohnt“ hat zahlreiche Auswüchse wie die fehlende Akzeptanz für Privatsphäre. Key, der größtenteils in TV-Serien spielt, verfügt über eine faszinierende Mimik, mit der er sämtliche Gefühlslagen des Charles kauzig bekehrend wiedergibt, sodass die tollpatschige Menschlichkeit des Neureichen die Ungefälligkeit von McGwyer glaubwürdig aufweichen kann. Doch damit ist der geplante Gig längst nicht in trockenen Tüchern.
Während die seltsame Opposition der Männer weitere Nuancen erhält, steigt die Komplexität von Griffiths‘ Film. Um eine anfängliche Überfrachtung schlau zu vermeiden, wird die scheinbar gelassene wie konsequente Mortimer erst später eingeführt. In das Geschehen um die drei schwierigen, zunächst nur durch Musik verbundenen oder eben nicht mehr verbundenen Charaktere ist der wachsende Einfluss der besonders herzigen Ladenbetreiberin Amanda (Sian Clifford) ebenso geschickt eingefügt.
„The Ballad of Wallis Island“ ist eine vom Mainstream abweichende, mit Charme inszenierte Komödie auf anspruchsvollem Niveau.
Hier muß man viel aushalten: die Figur Charles, ein dauerplappernder und unsicherer Typ, fordert vom Zuschauer viel Geduld und Kraft und ich kann jeden verstehen, der wegen dieser Figur den Film dran gibt. Wer durchhält, bekommt eine kauzige, britische Komödie über einen Superfan, der sich seine Lieblingsband für ein Privatkonzert anlacht und bei den Musikern alte Wunden aufreisst. All das in klein und ruhig, im Setting einer abgelegenen britischen Insel.
Fazit: Klein, nett und harmlos, aufgrund einer Hauptfigur aber sehr anstrengend
Wenn ein trauender Witwe als treue Fan eines ehemaligen Musik-Duo mit seinem großen Lottogewinn ein privat Konzert auf seinem isolierten Insel weit von der Küste von NordEngland entfernt beauftragt, seine Einsamkeit entfaltet sich als nervige Labbern ohne Bösheit. Das überrumpelte Duo angelockt vom großer Gage bären ihre alte Freude, aber auch die alte Reibungen. Die ganze Szene ist impregniert mit Humor, schmerzhafter Wahrheit und pure Spaß. Super inszeniert und schlicht und magisch dargestellt. Humor - sehr scharfe englische Wortspiele vom feinsten, die sich oft nicht so schlicht auf Deutsch sich übersetzen lassen.