Rose
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2,0
Veröffentlicht am 23. Februar 2026
Rose ist wieder so ein Film, bei dem ich an mir selbst zweifle. Ich sitze bei der Berlinale, ich schaue nach links, ich schaue nach rechts...nur begeisterte Gesichter, Applaus während des Abspanns von allen Seiten...und ich denke mir "Wirklich? Ist das euer ernst?"

Nicht näher benanntes, europäisches Gebiet Anno 17hundertvölligegal. Ein Soldat mit zerschossenen Gesicht steht mit gültigen Papieren in der Hand vor der Dorfgemeinschaft und behauptet der Erbe eines seit Jahren leerstehenden Gutshofs plus zugehörigem Land zu sein. Die Papiere und eine Geschichte aus der guten alten Zeit genügen, um alle davon zu überzeugen, dass der Soldat, der er behauptet zu sein, genau das auch ist. Die Bruchbude wird wieder auf Vordermann gebracht und die Stellung in der Dorfgemeinschaft dank eines erschossenen Bärens unerschütterlich gestärkt. Doch mit der Zeit wird besagter Soldat gierig und schielt auf das Nachbarsgrundstück inklusive Bachzugang. Doch dieses gibt es nur, wenn er die Tochter des anderen Gutsherrn ehelicht. Das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Eigentlich keine schlechte Geschichte, zumal sie lose auf wahren Begebenheiten beruht, wenn, ja wenn besagter Soldat trotz Maske nicht so unfassbar offensichtlich eine Frau wäre. Das hatte ja fast schon was von der Szene aus The Room, als Tommy Wiseau mit Sonnenbrille in den Blumenladen rennt, Tommy diese abnimmt und die Blumenhändlerin zu ihm sagt "Mensch Johnny, mit der Brille hab ich dich gar nicht erkannt". Genau so dumm agieren die anderen Charaktere in "Rose". Aber jetzt besetzt man das ganze mit Sandra Hüller, und schon is das wieder ein Meisterwerk? Beim besten Willen...nicht für mich.

Darüber hinaus ist der Film unglaublich langsam und still erzählt, die Hälfte der Zeit sogar nur per Voice over von einer Erzählstimme. Auch viele einzelne Szenen, die nur gefühlte 3 Worte Text beinhalten, haben meine Augen mit der Zeit sehr schwer werden lassen.

Nein, Rose ist echt nur was für extrem Sandra Hüller Fans und (H)Arthouse-Fetischisten. Bilder für die große Leinwand habe ich auch nicht gesehen, also sollte man sich fragen, wofür man sich hier ein Kinoticket ziehen sollte. Aber wahrscheinlich gewinnt er oder zumindest Sandra Hüller (Stand Achtzehnter Februar 2026) die Berlinale und alle rennen rein. Er oder Gelbe Briefe, wobei zweiterer den Sieg dann tatsächlich verdient hätte.

Edit: Gelbe Briefe hat gewonnen, ebenso wie Sandra Hüller. Hier habt ihrs zuerst gelesen!
Gringo93
Gringo93

357 Follower 444 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 9. April 2026
Fazit: Großartig bebildertes, fantastisch gespieltes Historien-Drama über Geschlechteridentität und Selbstbestimmung in einem protestantischen Dorf des 17. Jahrhunderts.
Lemmiblog
Lemmiblog

2 Follower 147 Kritiken User folgen

3,5
Veröffentlicht am 1. Mai 2026
IST DAS DIESE GUTE ALTE ZEIT?

Als Soldat kämpfst du für das Land, aber das heißt nicht, dass du dem Land gewachsen bist. Genau daran zerreibt sich Rose nach dem Dreißigjährigen Krieg. Sie kehrt zurück, will ihr geerbtes Land bestellen und sich ein Leben aufbauen, steht aber in einer Welt, die nicht fragt, was du kannst, sondern was du bist.

Rose geht ca. 90 Minuten und ist ab 12 Jahren freigegeben. In der Hauptrolle dieses Dramas, Sandra Hüller. Die Prämisse ist knallhart, im 17. Jahrhundert hast du es in der Hose leichter als im Kleid. Rose wurde bereits im Krieg zum Mann und überlebe, auch wenn sie abscheuliches tun musste. Nun darf sie Land bewirtschaften, Geschäfte machen, Leute bezahlen und genau da setzt der Film stark an. Im Krieg ging es ums nackte Überleben. Jetzt geht es um Aufbau, Besitz, Einfluss und Roses Unternehmergeist kommt durch. Dass sie dafür eine Ehe eingehen muss, ist dabei kein kleines Detail, sondern ein zentraler Konflikt. Die Ehe bringt Pflichten, Nähe und Erwartungen mit sich, die sie nur mit Improvisation und Erfindungsgeist irgendwie überbrücken kann.
Der Film lebt dabei komplett von Sandra Hüllers Präsenz. Sie geht nicht nur optisch durch, sondern trägt die Rolle mit Haltung, Blick und Kontrolle. Dazu kommen starke Dialoge und eine Erzählerstimme, die dem Ganzen eine düstere, märchenhafte Atmosphäre gibt. Die großen Plotpunkte sitzen, wie die Schwangerschaft, die das Kartenhaus ins Wanken bringt und natürlich das unausweichliche Finale, wenn das Geheimnis auffliegt.
Der Film dreht da nochmal richtig auf. Es ist egal, dass Rose fürs Land gekämpft hat und sich ne Kugel einfing, das Gut aufgebaut hat, Leute bezahlt und sogar Leute vor einem Bären gerettet hat. Am Ende zählt eine Sache, haste nix in der Hose, biste nix. Das ist brutal, stumpf und genau deshalb so effektiv. Der Mittelteil hat leider seine Längen und die minutenlangen Gebete und Gesänge der presbyterianischen Gemeinschaft nerven.
Unterm Strich ein starkes Werk mit klarer Aussage, guter Figurenarbeit und einem Finale mit 180 Puls.

7,5/10 Punkten. Wer hat dir erlaubt eine Hose an zuziehen? Solche Fragen waren früher, wo ja alles besser war, ganz normal.
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