VOR DEM GESETZ MUSS SICH JEDER VERANTWORTEN
Douglas Kelley wird nach Luxemburg gerufen, um das Nazi-Oberkommando rund um Hermann Göring psychologisch zu analysieren. Die Welt steht vor einem historischen Schritt, ein Prozess gegen die Verantwortlichen der größten Verbrechen der Menschheit und die Angst ist real, wenn Göring in Nürnberg davonkommt, wäre das ein Skandal für die Welt.
Nürnberg geht ca. 150 Minuten und ist ab 12 Jahren freigegeben. In den sind Hauptrollen Russell Crowe und Rami Malek dieses historieren Dramas. Russell Crowe ist schlicht eine Wucht. Sein Göring ist überlebensgroß, charismatisch, gefährlich und faszinierend zugleich. Jede Szene mit ihm zieht, weil er diese Mischung aus Arroganz und Intelligenz perfekt trifft. Wenn er Sätze raushaut wie „Ich bin das Buch! Sie sind lediglich eine Fußnote“, sitzt das. Die Wortduelle zwischen ihm und Malek gehören zu den stärksten Momenten. Das ist spannend, intensiv und teils sogar erschreckend unterhaltsam. Die Grundidee, die Nazis nicht einfach zu erschießen, sondern vor Gericht zu stellen, ist stark inszeniert. Dieser Gedanke von Recht, Moral und Gerechtigkeit zieht sich gut durch den Film.
Er ist aber definitiv zu lang. Nicht, weil die Dialoge langweilig wären, sondern weil sich das Drehbuch dramaturgische Hollywood Freiheiten gönnt, die unnötig sind.
Rami Maleks Figur wird massiv aufgeblasen. Er ist quasi der Schlüssel, das zentrale Element, der Göring zu Fall bringt. In der Realität ist er deutlich weniger relevant. Daher wirkt das Ganze konstruiert und nimmt die Glaubwürdigkeit.
Noch schlimmer ist, wichtige Figuren wie Colin Hanks’ Charakter werden an den Rand gedrückt, obwohl sie historisch eine größere Rolle gespielt haben.
Die Inszenierung der Gräueltaten ist stark und eindringlich, ohne es auszuschlachten.
Unterm Strich bleiben starke Darsteller, vor allem Crowe in absoluter Topform, brillante Dialoge und ein hochinteressantes Thema, aber auch unnötige Verfälschungen und ein Pacing, das sich immer wieder selbst ausbremst.
7,5/10 Punkten. „Der einzige Hinweis darauf, was ein Mensch tun kann, ist, was ein Mensch getan hat.“