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Anonymer User
2,5
Veröffentlicht am 24. Mai 2018
Spielberg verfilmt die historischen Geschehnisse mit akribischer Präzision und geht dabei ohne moralisches Urteil auf die Charaktere ein. Mit beeindruckender Kameraarbeit technisch versiert, entwickelt sich ''Schindlers Liste'' zu einem wichtigen Dokument der Zeitgeschichte. Von dem humanen Wert der Film abgesehen, muss man aber dennoch sagen, dass der Film kleinere Längen aufweist und auf dramaturgischer Ebene arg nach Blockbuster-Kino aussieht. Sogar die brutalsten Figuren wirken stets fiktiv, da Spielberg Figuren wie Amon Göth lieber ins Karikaturhafte zieht, als nuanciert dessen Handlungsmotivationen nachzuspüren.
Bis auf das meiner Meinung nach übertriebene Ende sowie die etwas seltsame und irgendwie sinnlose Duschszene ein genialer Film über das Thema, schonungslos, stilistisch hervorragend und bewegend. Schön, dass Spielberg gerade die Geschichte eines "guten Deutschen" nutzt, um über den Holocaust zu berichten, anstatt nur - wie in "Saving Private Ryan" geschehen - gesichtslose "böse" Deutsche zu zeigen. Den Vorwurf, der Film würde nur auf die Tränendrüse drücken wollen, kann ich nicht gerade nachvollziehen, erstens ist das Thema an sich nicht gerade unbewegend, zweitens ist Spielberg selbst Jude. Ein ganz wichtiges Plädoyer für Zivilcourage am wohl brutalsten Beispiel der Weltgeschichte, zudem ein klares Zeichen dafür, dass es immer Menschen gibt, die sich gegen bestehende unmenschliche Verhältnisse richten, auch in der NS-Zeit.
Zum Film wurde ja schon so gut wie alles gesagt. Jedoch ist mir nochmal wichtig auf Dimitrijs Kritik an die "Duschszene" einzugehen.
Seltsam finde ich diese nicht, sondern sehr packend! In dieser Szene fühlt man sich dem Tod so nahe wie in keiner anderen.
Man muss wissen, dass Nazis die Gaskammern in den KZs als "Bäder" tarnten. Im Film wird diese nachgewiesene Grausamkeit auch angesprochen (als die jüdischen Arbeiterinnen sich in ihren Betten unterhalten, erzählt eine Frau, dass sie davon gehört habe)
Deswegen erwarten die Jüdinnen ihren Tod. Doch als sie merken, dass nur Wasser aus Decke kommt, sind sie erleichtert, wie auch der Zuschauer, der in dieser Szene jede einzelne Emotion nachempfinden kann.