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    Neu im Heimkino: Dieser Punk-Thriller ist viel zu unbekannt – holt ihn am besten jetzt nach!
    Sidney Schering
    Sidney Schering
    -Freier Autor und Kritiker
    Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

    In Großbritannien scheitert das Jugendbanden-Thrillerdrama „Suburbia“ seit Jahrzehnten am Jugendschutz. In Deutschland dagegen feierte es ungekürzt mit FSK 18 seine Premiere. Nun erscheint es erstmals bei uns auf Blu-ray – mit neuer Freigabe.

    Camera Obscura Filmdistribution

    In den meisten Fällen ist der deutsche Jugendschutz in Sachen Gewaltdarstellung zimperlicher als die entsprechenden Institutionen in den USA oder in Großbritannien. Dennoch gibt es einige Ausnahmen, die die Regel bestätigen – wie etwa „Suburbia“ von „Wayne's World“-Macherin Penelope Spheeris:

    Im britischen Heimkino ist das Thrillerdrama bislang bloß in gekürzter Form erschienen, selbst wenn die Kürzungen auf Blu-ray deutlich knapper ausfallen als einst noch auf VHS. In Deutschland dagegen feierte der Film einst uncut seine Premiere mit FSK 18. Diese Woche erschien „Suburbia“ erstmals im deutschen Heimkino auf Blu-ray – und zwar im limitierten Mediabook.

    Das Mediabook ist auf 1.000 Exemplare begrenzt und enthält den Film uncut mit FSK-Freigabe ab 16 Jahren auf Blu-ray sowie auf DVD. Beide Discs umfassen diverse Extras, darunter zwei Audiokommentare und eine kommentierte Tour durch die Drehorte.

    "Suburbia": Authentische Exploitation?

    Die USA zu Beginn der 1980er-Jahre: Der Traum vom Leben in der Vorstadt wurde für viele Menschen aufgrund wirtschaftlicher Umstände und erzkonservativer politischer Entscheidungen zum Albtraum. Im Ex-Vorstadtparadies rund um Los Angeles hat sich daher die jugendliche Hausbesetzergruppe „The Rejected“ formiert, die gegen Ausweglosigkeit und ihre emotional abgeschaltete Elterngeneration protestiert.

    Die Brüder Evan (Bill Coyne) und Ethan (Andrew Pece) ziehen, genauso wie der Rest ihrer Truppe, jegliche zum Durchhalten animierende Energie aus dem Besuch von Konzerten solcher Punk-Bands wie D.I., T.S.O.L. und The Vandals. Sowie aus destruktiven Aktionen, die sich gegen das Spießbürgertum richten...

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    Die Bands spielen sich in Live-Konzertaufnahmen selbst, außerdem übernehmen Flea (Bassist der Red Hot Chili Peppers) und der ebenso als Schauspieler wie als Punk-Musiker bekannte Chris Pedersen handlungsrelevante Rollen. Nicht nur diese Casting-Entscheidungen sorgen für große Authentizität in der Schilderung der Jugend-Counterculture der frühen 1980er-Jahre.

    Denn Regisseurin/Autorin Penelope Spheeris inszenierte 1981 bereits den gefeierten Dokumentarfilm „The Decline of Western Civilization“, der sich intensiv der Punk-Szene widmet. Bevor sie 1988 und 1998 zwei ebenfalls hoch angesehene Fortsetzungen verantwortete, die sich anderen Jugend-Subkulturen annehmen, nutzte sie ihre Erfahrung, um in „Suburbia“ mit detailgenauem Blick eine aus dem Leben gegriffene Atmosphäre zu erzeugen. Auch einige Dialoge und einzelne Storyelemente sind von realen Ereignissen inspiriert – jedoch setzt „Suburbia“ zugleich auf eine unbequem-unterhaltsame Überspitzung:

    Als Produktion der Exploitation-Legende Roger Corman versteht sich „Suburbia“ nicht ausschließlich als beobachtende Gesellschaftskizze, sondern rüttelt das Publikum wiederholt mit rauen Gewaltspitzen und schockierenden Momentaufnahmen wach. Etwa direkt zu Beginn mit dem brutalen Tod eines Kleinkindes...

    Darüber, wie sehr es Spheeris gelang, den Anspruch an Authentizität mit den Exploitation-Elementen zu vereinen, lässt sich fürstlich streiten. Zweifelsohne reißen die derberen Passagen den Film aus seinem empathischen, semi-dokumentarischen Duktus. Jedoch machen sie ihn in gewisser Form nur noch authentischer: Evan, Ethan und Konsorten würden sich definitiv eher einen harschen Film wie „Suburbia“ anschauen als ein vorabendtaugliches Jugenddrama über ihresgleichen.

    Heimkino-Tipp: Im Kino ging dieser blutige Horror-Spaß leider völlig unter – jetzt könnt ihr ihn zu Hause nachholen!

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