Die Geschichte der Intimwäsche: Dieser ungewöhnliche Shop hielt sich nur für kurze Zeit im Disneyland
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Sidneys Lieblingsfigur ist Donald Duck, sein erster Kinofilm war Disneys „Aladdin“ und bereits in der Grundschule las er eine Walt-Disney-Biografie. Wenn er könnte, würde er ins Disneyland auswandern, aber da das nicht geht, muss ihn seine Disney-Sammlung bei Laune halten.

Ein Teil Zeitreise durch die Modehistorie der Unterwäsche, ein Teil Dessous-Boutique: In den ersten paar Monaten der Disneyland-Geschichte konnte man sich über BHs informieren und auch direkt vor Ort neue Modelle erwerben.

Disney

Das Original-Disneyland in Kalifornien kann nicht ohne sie, sie rundet aber auch einige weitere Disney-Themenparks ab: Die Main Street, USA! Der direkt hinter dem Eingang wartende Themenbereich ist eine idealisierte Nachbildung einer typischen US-Kleinstadt-Hauptstraße in Walt Disneys Kindsjahren. Dieser heimelige Bereich soll unter anderem dafür sorgen, dass Parkbesuche entschleunigt beginnen und enden, außerdem ist er Heimat zahlreicher Boutiquen.

Während heutzutage die Main Street voller Läden ist, die sich auf Disney-Souvenirs spezialisiert haben, war die dortige Shopping-Erfahrung einst gänzlich anders. In der Anfangszeit des Ur-Disneylands waren in der Main Street noch zahlreiche Spezialgeschäfte ganz ohne Disney-Bezug verortet. So konnte man 1955, im Disneyland-Gründungsjahr, unter anderem einen Schuhmacher besuchen, durch ein Kerzenfachgeschäft bummeln oder auch in einer Boutique höherwertige Tabakwaren kaufen.

Ein weiteres Fachgeschäft trug den unmissverständlichen Namen „Intimate Apparel“. Es wurde von der damals gefragten Hollywood-Maxwell Brassiere Company betrieben, die ihr Hauptaugenmerk auf Korsetts, BHs und sonstige Unterwäsche legte.

Ein Ort für den Einkaufsbummel, eine Verschnaufpause und Intimwäsche-Nachhilfe

Wer sich nun einen alltäglichen Unterwäscheladen vorstellt, irrt: Hollywood-Maxwell und die Disneyland-Verantwortlichen wollten die Main Street zu einem erlebenswerten Bereich aufbauen. Der etwa 42 Quadratmeter große Laden war daher in einem edlen, viktorianischen Stil gehalten und bot neben altmodischen, gemütlichen Sitzgelegenheiten einen Kamin. Außerdem war nur rund die Hälfte der Ladenfläche für aktuelle Intimwäsche reserviert.

Der Rest des Ladens hatte quasi Museumscharakter: Unter anderem wurde eine authentische Nähmaschine aus den 1860er-Jahren ausgestellt. Zudem rasselte eine mannshohe Nachbildung des Hollywood-Maxwell-Maskottchens „The Wizard Of Bras“ ohne Unterlass Informationen über die modische Entwicklung der Unterwäsche herunter.

Illustriert wurde das Wissen des BH-Magiers durch Schaukästen, die es mittels optischer Tricks gestatteten, kleine Mannequins zu betrachten, die verschiedene Mode-Epochen repräsentieren – sowohl ausgehfertig ausstaffiert als auch in Schlafzimmermode. Wie Yesterland festhält, wurden die 1950er etwa durch eine Schaufensterpuppe repräsentiert, die vom Abendkleid in eine BH-Petticoat-Kombi wechselt.

Wer schnell rot im Gesicht wird, darf draußen bleiben

Dem für das Familienambiente des Disneylands atypischen Sujet der Boutique wurde architektonisch Rechnung getragen: „Intimate Apparel“ war bei Disneyland-Eröffnung der einzige Shop im Themenpark, der sich in einem Gebäude mit Veranda befand.

Die unausgesprochene Absicht dahinter war, dass schüchterne Familienmitglieder auf der Veranda warten sollen, solange ihr Anhang mit weniger Intimwäsche-Berührungsangst den Laden besucht.

Dieser Vorkehrung zum Trotz war der Kombination aus interaktivem Unterwäschemuseum und Shop kein langer Verbleib im Disneyland beschert: Laut Yesterland schloss „Intimate Apparel“ bereits im Januar 1956 seine Pforten, rund ein halbes Jahr nach der Eröffnung von Disneyland. Die Außenfassade inklusive Veranda blieb bestehen.

Innen ging die Fläche des Geschäfts jedoch in einen benachbarten Glas- und Porzellanladen auf, dem aufgrund seiner Popularität eine Expansion vergönnt wurde. So weit jedenfalls die offizielle Geschichte. Disney-Mitarbeiter Rolly Crump, der an der Planung des Parks beteiligt war, behauptet in seinen Memoiren „It’s Kind Of A Cute Story“ hingegen, dass Hollywood-Maxwell von Walt Disney gebeten wurde, sich wieder aus Disneyland zurückzuziehen.

Western-Legende Clint Eastwood fand übrigens Jahrzehnte später Einzug in die Ikonografie von Disneyland Paris. Dort blieb er deutlich länger verhaftet als der BH-Magier im kalifornischen Disneyland. Doch auch Eastwood musste eines Tages weichen. Mehr dazu verraten wir euch im folgenden Artikel:

Clint Eastwood hatte eine riesige Rolle im Disneyland Paris – und wurde durch ein sprechendes Auto ersetzt!
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