Paul Newman war nicht nur eine absolute Schauspiel-Ikone – er hatte auch den Ruf, einer der umgänglichsten Hollywood-Stars zu sein. Es sind nur wenige Fälle überliefert, in denen irgendjemand ein schlechtes Wort über Newman verloren hätte – oder der Oscar-Preisträger („Die Farbe des Geldes“) sich negativ über seine Co-Stars oder Regisseure geäußert hätte. Doch für jede Regel gibt es Ausnahmen. So ist etwa bekannt, dass sich Newman und sein „Flammendes Inferno“-Leinwandpartner Steve McQueen auf den Tod nicht ausstehen konnten. Auch mit Schauspieler und Regie-Legende Orson Welles verstand sich Newman nicht besonders gut, als sie gemeinsam für das Drama „Der lange heiße Sommer“ vor der Kamera standen.
Und dann ist da noch Meisterregisseur Otto Preminger („Laura“, „Anatomie eines Mordes“), der mit Newman in der Hauptrolle den Monumentalfilm „Exodus“ (1960) drehte. In 207 (!) Minuten erzählt das Historien-Epos von den etwa 300.000 jüdischen Geflüchteten, die im Jahr 1947 – wenige Monate vor der Staatsgründung Israels – von Zypern in das britische Mandatsgebiet Palästina übersiedeln wollen. Doch die Briten verweigern ihnen zunächst die Ausreise. Newman spielte den jüdischen Untergrundkämpfer Ari Ben Canaan, der in einem der Internierungslager auf die Krankenschwester Kitty (Eva Marie Saint) trifft und sich schließlich in sie verliebt.
Die Zusammenarbeit zwischen Newman und Preminger stand von Anfang an unter keinem guten Stern: Schon vor Beginn der Dreharbeiten wollte der „Butch Cassidy und Sundance Kid“-Darsteller den Film eigentlich schon wieder verlassen. „Ich wollte ‚Exodus‘ nicht machen“, verriet Newman im Interview mit dem Rolling Stone. „Ich fand ihn zu kalt und zu erklärend, und ehrlich gesagt habe ich versucht, aus dem Vertrag rauszukommen.“
Das ist ihm nicht gelungen – und zu allem Überfluss regierte Preminger am Set mit eiserner Hand. „Er hat den Ruf, ein faschistischer Tyrann zu sein – und das ist er auch“, so Newman. „Er pickt die verletzlichste Person heraus und macht sie dann fertig. Er konnte eine Reihe von 200 Leuten in schnellem Tempo entlanggehen und sich jemanden aussuchen, um ihn zum Gespött zu machen.“
Eine andere Hollywood-Legende verglich Otto Preminger mit einem Nazi
Dieser Einschätzung schloss sich mit Kirk Douglas später eine weitere Hollywood-Größe an (via Far Out Magazine): „Otto Preminger war privat und auf gesellschaftlicher Ebene ein charmanter Mann“, so Douglas, der mit dem Regisseur den Kriegsfilm „Erster Sieg“ drehte. „Aber bei der Arbeit war er ein Despot. Ich fand immer, dass er aussah und sich benahm wie der sadistische Nazi-Kommandant, den er in ‚Stalag 17‘ spielte. Mich hat er am Set nie schlecht behandelt und auch John Wayne nicht, aber er war grausam zu Tom Tryon. Einfach endlos grausam. Er ging einfach auf Tom zu und schrie ihn an, bis ihm der Speichel aus dem Mund flog.“
Preminger hat John Wayne vielleicht auch deshalb verschont, weil der Western-Star ein ganz ähnliches Temperament an den Tag gelegt hat wie er selbst. Wie sadistisch Wayne am Filmset sein konnte, lest ihr im nachfolgenden Artikel:
"Ich war schockiert": Mit dieser verstörenden Tradition hat Western-Ikone John Wayne die Stimmung am Filmset vermiest*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.