Pastellfarbene Anzüge, T-Shirts unter Sakkos, Ray-Ban-Sonnenbrillen – und dazu die Klänge von Phil Collins, während man in einem Ferrari Daytona Spyder durch die neonbeleuchteten Nächte Miamis rast. „Miami Vice“ wurde in den 1980er-Jahren zum popkulturellen Phänomen und prägte nicht nur das Kino, sondern auch den Stil einer ganzen Generation.
Obwohl die Serie im Vergleich zu anderen Produktionen des Jahrzehnts deutlich härter ausfiel, bewahrte sie sich eine gewisse Leichtigkeit – eine unbeschwerte Coolness, die verhinderte, dass „Miami Vice“ allzu düster wurde. Vielleicht war Florida in den 80ern einfach zu bunt und glitzernd, um sich gänzlich der Finsternis hinzugeben.
Einen völlig anderen Weg schlug „Heat“-Regisseur Michael Mann mit seiner „Miami Vice“-Kinoversion von 2006 ein. Statt nostalgischer Leichtigkeit setzte er auf düstere, raue Intensität – eine stilistische Kehrtwende, die bei Kritik und Publikum zunächst auf gemischte Reaktionen stieß. Doch unverdient, denn insbesondere im Director’s Cut entfaltet der Film seine volle Wirkung und bietet eine außergewöhnliche Seherfahrung.
Falls ihr bislang nur die Kinofassung kennt und euch die erweiterte Version ins Regal stellen wollt, gibt es jetzt gute Nachrichten: Ab dem 15. Mai erscheint der Director’s Cut endlich in einer Neuauflage auf Blu-ray im klassischen Amaray-Case. Vorbestellen könnt ihr ihn bereits jetzt:
Darum geht’s in "Miami Vice"
Die Detectives Sonny Crockett (Colin Farrell) und Ricardo Tubbs (Jamie Foxx) gehören zu den besten Undercover-Ermittlern der Polizei von Miami. Als ein FBI-Einsatz katastrophal scheitert und drei Agenten sowie ihr Informant samt Familie brutal ermordet werden, übernimmt das Duo den gefährlichen Auftrag, die Verantwortlichen zur Strecke zu bringen. Ihr Ziel: das Kartell des kolumbianischen Drogenbarons Arcángel de Jesús Montoya (Luis Tosar) zu infiltrieren und die undichte Stelle in den Reihen der Bundesbehörde aufzudecken.
Um Montoyas Vertrauen zu gewinnen, geben sich Crockett und Tubbs als erfahrene Kuriere aus und übernehmen einen ersten Test-Transport, der reibungslos verläuft. Doch während ihr Plan scheinbar aufgeht, wächst das Misstrauen von Montoyas Sicherheitschef Yero (John Ortiz), der die beiden Amerikaner von Anfang an im Visier hat. Die Situation eskaliert weiter, als sich Crockett auf eine gefährliche Affäre mit Montoyas Frau Isabella (Gong Li) einlässt – eine riskante Verbindung, die nicht nur den Einsatz, sondern auch ihr Leben in Gefahr bringt.
Eine rauschhafte Neuinterpretation
Es wirkt fast so, als hätte Michael Mann mit „Miami Vice“ 2006 bewusst das Gegenteil der Kultserie erschaffen. Die betonte Coolness ist verschwunden – Sonny Crockett und Ricardo Tubbs sind keine Mode-Ikonen mehr, die sich in perfekt inszenierten Werbevideo-Ästhetiken räkeln. Stattdessen zeigt Mann sie als todernste, distanzierte Profis, die kaum noch als greifbare Menschen erscheinen. Im Director’s Cut gibt es allerdings etwas mehr zwischenmenschliche Nuancen zu entdecken.
Auch Miami selbst ist kein schillernder Sehnsuchtsort mehr, sondern eine beinahe gesichtslos-gespenstische Stadt, eingetaucht in Dunkelheit, über der unablässig Blitze zucken, aber kein Tropfen Regen fällt. Und genau hier liegt die große Stärke des Films: Michael Mann liefert beeindruckend ästhetisiertes Kino, das durch die Mischung aus digitalen und analogen Aufnahmen mal eine flirrende Schwerelosigkeit, mal eine strenge Eleganz entwickelt.
Wer eine werkgetreue Spielfilmadaption der Serie oder einen temporeichen Action-Thriller erwartet, wird hier nicht fündig. „Miami Vice“ setzt voll und ganz auf Atmosphäre – Emotionen bleiben unterschwellige Strömungen, die unberührt vorbeiziehen können. Doch als düsterer Stimmungsfilm entfaltet der Film einen hypnotischen Sog, wie ihn nur Michael Mann erschaffen kann. Es lohnt sich, sich darauf einzulassen.
Warum Colin Farrell nicht glücklich auf die Dreharbeiten zu „Miami Vice“ zurückblickt, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
"Ich übernehme die Verantwortung": Mit diesem Kult-Actionthriller kann Colin Farrell nichts anfangen*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.