Heute Abend streamen: Ein düsterer Mix aus Mystery und Thriller - basierend auf einer schockierenden wahren Geschichte!
Monta Alaine
Monta Alaine
Bereits jung von ihrem Vater an Klassiker wie "Taxi Driver" und "Clockwerk Orange" herangeführt stand fest: Film sollte es sein. Nach diversen Stops in der Branche gilt ihre Liebe auch heute noch Hollywood-Kino à la Nolan und raffinierten Arthouse-Filmen.

Ihr habt mal wieder Lust auf ein echtes Serien-Highlight? FILMSTARTS-Autorin Monta Alaine stellt euch in ihrem Streaming-Tipp ein Format vor, das einen Blick in die düstersten Kapitel der jüngeren Kirchengeschichte wirft.

Blickt man zurück auf die Geschichte der Kirche, so blickt man unweigerlich auch auf Korruption, Machtmissbrauch und Blutvergießen. Wo eigentlich christliche Nächstenliebe an erster Stelle stehen sollte, wurden Andersgläubige verfolgt und gefoltert. Es wurden Kriege geführt im Namen Gottes, Völker kolonialisiert und missioniert, ob sie wollten oder nicht - und Tausende Kinder durch Priester sexuell misshandelt.

Anstelle von Moral und geistiger Führung tun sich oftmals Abgründe und toxische Machtstrukturen auf - nur allzu weltlich und abtrünnig sind oftmals die Verhaltensweisen der vermeintlich Geistigen in ihren Positionen. Viele düstere Kapitel birgt die über zweitausend Jahre alte Kirchengeschichte - und ein solches wurde gerade erst im 20. Jahrhundert in Irland aufgedeckt. Dort wurden nämlich die sogenannten Magdalen Laundries, bzw. Magdalenenheime, betrieben.

Vordergründig handelte es sich hierbei um Heime für Frauen: Zufluchtsorte für ungewollt Schwangere oder anderweitig gesellschaftlich Verstoßene. Erst in den 1990er Jahren wurde aufgedeckt, was in den Einrichtungen tatsächlich geschah: Denn diese entpuppten sich als Zwangsarbeitslager, in denen die Frauen ihre Arbeit als Wäscherinnen in unmenschlichen Verhältnissen verrichten mussten.

Diese skandalösen historischen Hintergründe werden nun von der BBC-Miniserie „The Woman in the Wall” aufgegriffen, die ihr auf Paramount+ bzw. im Paramount-Channel von Amazon Prime* streamen könnt. Das lohnt sich vor allem, aber nicht nur, wegen einer großartigen Ruth Wilson („Luther”), die mit einer Mischung aus Zerstreutheit und Wahnsinn aufwartet. Dabei bedient „The Woman in the Wall” sich sowohl an Psycho-Thriller-, als auch Mystery- und Horror-Elemten, die gekonnt verquirlt werden mit dem ohnehin schon recht düsteren historischen Kontext - voilà, euer Abend ist gerettet.

Wie kommt die Frau in die Wand?

Die etwas eigene Lorna Brady (Ruth Wilson) lebt zurückgezogen in einem kleinen irischen Dorf. Sie leidet an geradezu pathologischem Schlafwandeln: Nicht selten kommt sie mit einer Axt oder Schere oder irgendwo auf der Straße wieder zu sich und zwingt sich daher, wach zu bleiben.

Die Dinge beginnen, sich für sie zuzuspitzen, als sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Als Jugendliche ungewollt schwanger, wurde sie in das nahegelegene Magdalenenheim gebracht, wo sie ihr Baby zur Welt brachte - und wo es ihr nach wenigen Monaten auch wieder entrissen wurde. Alte Traumata kommen nun wieder hoch, als sie einen Brief vorfindet, in dem steht „Ich weiß, was mit deinem Baby passiert ist.”

Nach einer durchzechten - oder schlafwandlerischen? - Nacht kommt Lorna zu sich und findet in ihrem Haus eine tote Frau vor. Wurde sie zur mondsüchtigen Mörderin? Und was hat die Tote mit einem ermordeten Priester zu tun? Detective Akande (Daryl McCormak) aus Dublin ist ihr bereits auf der Spur. Doch die Vergangenheit ist noch viel düsterer, als es zunächst den Anschein macht …

Die Welt, wie sie niemandem gefällt

Ruth Wilson, die bereits 2015 für ihre Darstellung in „The Affair” mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde, macht ihre Sache auch hier außerordentlich gut. Mal schrullig, mal psychotisch-weggetreten, mal mit sich selbst redend weiß sie als schwer traumatisierte Lorna absolut zu überzeugen. So auch das Setting: Kilkinure, ein kleines irisches Nest, in dem alles irgendwie fade und farblos erscheint. Lornas Haus, ein bisschen messy, „Stay Awake” manisch in die Wände geritzt.

„The Woman in the Wall” lebt meiner Meinung nach von seiner klugen Dramaturgie: Wo zu Beginn noch unheimliche, psychologisch motivierte Versatzstücke dominieren, man beinahe schon mit Jump-Scares rechnet, changiert die Serie bald in ein spannungsgeladenes Katz-und-Maus-Spiel. Von Übernatürlichem zum detektivischen Wälzen von Archiven, von albtraumhaft verzerrten Nonnen zum Aufdecken von Abgründen, die den psychischen Horror auf Erden nur allzu spürbar machen.

Hier könnt ihr euch den Trailer in der englischsprachigen Originalversion anschauen:

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