Platz 37
David Lynch, USA 1986
Wer verstehen möchte, wie es David Lynch geschafft hat, Franz Kafka dergestalt nachzueifern, dass der Begriff „lynchesk“, ebenso wie zuvor der Ausdruck „kafkaesk“ ein fester Teil unseres Wortschatzes geworden ist, der sollte sich den Mystery-Thriller „Blue Velvet“ ansehen. In dem idyllischen Holzfällerstädtchen Lumberton findet der College-Student Jeffrey Beaumont (Kyle „Agent Cooper“ MacLachlan) ein menschliches Ohr im Gras. Dieses führt Jeffrey zu gewagten Erkundungen, bei denen er auf eine abgründige Welt voller Kriminalität, Gewalt und perversen sexuellen Praktiken stößt, die ihn gleichermaßen abstößt wie fasziniert. Im Zentrum einer Serie absurd-schockierender Ereignisse stehen die geheimnisvolle Nachtclubsängerin Dorothy Vallens (Isabella Rossellini) und der abartige Verbrecher Frank Booth (Dennis Hopper). Die Rolle dieses Frank brachte für Hopper das Comeback, nachdem er aufgrund seiner eigenen Alkohol- und Drogenabhängigkeit jahrelang auf Hollywood schwarzer Liste stand. Seine Performance ist von einer erschreckenden krankhaften Intensität, an der sich bis heute jeder Film-Psychopath messen lassen muss. „Blue Velvet“ ist ein faszinierendes Meisterwerk und einer der besten Filme der 80er Jahre.