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    Netflix verwirrt seine Zuschauer: Das steckt hinter dem Ende von "Tyler Rake: Extraction"!
    Von Christoph Petersen — 28.04.2020 um 21:20

    Manche haben die Wendung gar nicht mehr mitbekommen – andere sind sich nicht sicher, was sie von ihr halten sollen. Nun erklärt „Tyler Rake: Extraction“-Regisseur Sam Hargrave persönlich, was es mit den finalen Einstellungen des Films auf sich hat.

    Netflix

    Achtung: Dieser Artikel enthält Spoiler zum Ende von „Tyler Rake: Extraction“

    Der Netflix-Action-Blockbuster „Tyler Rake: Extraction“, in dem Chris Hemsworth als Söldner einen gekidnappten Jungen aus der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka herausballern muss, ist im Großen und Ganzen eine ausgesprochen geradlinig Angelegenheit – zumindest bis zur finalen Einstellung, die plötzlich eine Ambivalenz in den Film hineinträgt, die man dort zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr erwartet hätte. Offenbar auch deshalb zeigen sich einige Zuschauer verwirrt – wenn sie denn die (eigentlich ziemlich offensichtliche) Andeutung überhaupt noch mitbekommen und nicht schon nach dem Action-Finale geistig abgeschaltet haben.

    Was ist also passiert: Der titelgebende Söldner opfert sich im finalen Shootout auf einer Autobrücke, um seinem Schützling Ovi (Rudhraksh Jaiswal) die Flucht zurück zu seiner Familie in Indien zu ermöglichen. Nach einem Zeitsprung sehen wir erst, wie Tyler Rakes Auftraggeberin Nik Khan (Golshifteh Farahani) den Drogenbaron Amir Asif (Priyanshu Painyuli) aus Rache in einer noblen Herrentoilette exekutiert. Anschließend gibt es eine Szene mit Ovi, der in einem Schwimmbad abtaucht, woraufhin am Beckenrand plötzlich eine schwarze menschliche Kontur auftaucht, die stark an Tyler Rake erinnert…

    Natürlich (!) ein offenes Ende

    Hat der Söldner also doch überlebt? Oder bildet sich Ovi die Rückkehr von Tyler Rake nur ein? Für uns ehrlich gesagt eine ziemlich klare Angelegenheit: „Tyler Rake: Extraction“ hat ein offenes Ende – und ob man den Titelhelden nun für tot hält oder nicht, darf am Ende jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Genau das hat Regisseur Sam Hargrave jetzt aber im Interview mit Collider auch noch einmal hochoffiziell so bestätigt:

    „Ich hoffe, dass die Zuschauer es nach dem Film diskutieren werden – und sie können dann selbst entscheiden, welches Ende sich für sie selbst richtig anfühlt.“

    In eine ähnliche Kerbe schlägt Autor und Produzent Joe Russo - ebenfalls bei Collider. Der „Avengers: Infinity War“- und „Avengers: Endgame“-Macher beschreibt die Szene als „poetische Einstellung“, die dafür gedacht ist, „offen für Interpretation zu sein“. Der Moment soll zudem die Hoffnung des Jungen illustrieren, dass er nun einen Schutzengel und damit eine Chance auf ein normales Leben hat. Es sei aber bewusst der Interpretation des Zuschauers überlassen, ob Tyler noch am Leben sei oder einfach nur eine Einbildung des Jungen ist.

    Viel spannender: Warum ein offenes Ende?

    Soweit, so offensichtlich. Spannender ist aber ohnehin die Frage, wie die Entscheidung für dieses spezielle Ende zustande gekommen ist. Schließlich würde man sich schon vorstellen, dass Netflix bei einem starbesetzten Actioner dieser Preisklasse schon im Hinterkopf hat, dass da vielleicht noch das eine oder andere Sequel kommen könnte – und da wäre so eine tote Hauptfigur natürlich eher hinderlich.

    Aber auch dazu hat sich Sam Hargrave in dem Interview – sogar erstaunlich ausführlich – geäußert: „Wir haben viel getestet – und es war nicht überraschend, dass manche Zuschauer wollten, dass er stirbt und andere wollten, dass er überlebt. Die Leute waren zwiegespalten, es war fast Fünfzig-Fünfzig. Wir wollten so viele davon zufriedenstellen, ohne damit der Integrität der Story zu schaden. Und ich glaube, wir haben da mit dem ambivalenten Ende einen ziemlich guten Kompromiss gefunden.“

    So sollte das Ende eigentlich aussehen

    Aber was war denn nun das originale Ende – und welches hätte Sam Hargrave ohne die Hilfe von Testvorführungen für „Tyler Rake: Extraction“ ausgewählt. Selbst das beantwortet er:

    „Im originalen Skript überlebt Tyler nicht – und das wäre auch meine Wahl gewesen. Seine Story war damit komplett. Er hat etwas gefunden, dass ihn am Leben hält – und als er durch seine Opfer die erhoffte Erlösung erfahren hat, ist seine Reise damit auch beendet. Er hat die Entscheidung getroffen – und damit ist sein Tod dann auch okay für ihn. Er hat seinen Frieden gemacht“.

    „Tyler Rake: Extraction“ ist seit dem 24. April bei Netflix verfügbar.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Tyler Rake: Extraction"

     

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