Star Wars: Andor
User-Kritiken
Pressekritiken
Durchschnitts-Wertung
3,4
10 Wertungen

1 User-Kritik

5
1 Kritik
4
0 Kritik
3
0 Kritik
2
0 Kritik
1
0 Kritik
0
0 Kritik
Sortieren nach:
Die hilfreichsten Kritiken Neueste Kritiken User mit den meisten Kritiken User mit den meisten Followern
Cursha
Cursha

7.500 Follower 1.067 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 24. September 2025
Als am die erste Staffel „Andor“ auf Disney+ erschien wurde mein ausgebranntes Herz, das für „Star Wars“ schlägt ruckartig neu entzündet. Nach den immer währenden Enttäuschungen, die in Form der Sequels, „Kenobi“ oder den Werken von Filoni und Favreau über die Bühne gingen und ich auch nach „Andor Staffel 1“ fast nichts mehr aus einer Galaxis weit, weit entfernt geschaut habe, war diese Serie wieder genau das was ich brauchte.
Tony Gilroy zeigte nämlich erneut wieso das Universum seit Jahren auf einem fallenden Zweig sitzt und tilgte auch hier wieder die Schwächen seiner Kollegen aus, indem er mit den Erwartungen an das Franchise bricht, dabei aber nicht die Fehler begeht, wie Hedlund oder Johnson. Gilroy verpackt seine Geschichte mit ambivalenten Figuren in Grauschichten, baut Spannung auf, zeigt Alltage, bricht Gewohnheiten, opfert seine Figuren und verzichtet auf Fanservice. Im Fokus steht immer die Handlung!
In Staffel Eins legte Tony Gilroy den Grundstein seiner Handlung, die er hier noch in einer einjährigen Zeitspanne erzählte. Mit Staffel Zwei zieht er das Tempo an und schickt uns in jeweils einem Block von drei Folgen, über vier Blöcke verteilt, auf eine vierjährige Reise hin zu „Rogue One“.
Technisch hat die Serie dabei in keinster Weise einbüßen müssen. Die Sets sehen nach wie vor umwerfend aus und sind im Bereich Serien ohne Konkurrenz. Von den Bauten auf Coruscant, den Tempelanlagen von Yavin IV, über chandrillanische Hochzeiten, bis hin zu den Straßen von Ghorman. Die ganze Produktion, die wieder ungemein viel Zeit verschlang erreicht ein Ausmaß, was inzwischen untypisch ist für die Marke „Star Wars“. Die Dimensionen der Serie sind gewaltig. Aber auch in den kleineren Departements gibt man vollen Einsatz. Michael Wilkinsons Kostüme sind ein traumhafter Anblick, während der Schnitt und die Kamera immer genau zum richtigen Zeitpunkt einsetzt. Sie erzeugen Spannung, Ruhe, Unruhe, gehen in die Totale oder ganz nah an die Gesichter ihrer fantastischen Darsteller heran. Auch Brandon Roberts, der als Komponist hier Nicholas Britell ablöst, macht einen erstklassigen Job und wird, mit fortschreitender Handlung immer besser in seinem Score.
Vor allem aber muss man die Drehbuchautoren loben. Tony Gilroy, Beau Willimon, Dan Gilroy und Tom Bissell. Diese vier Herren lassen die Marke endlich erwachsen sein, liefern erstklassige Dialoge und verabschieden sich von den teils sehr plumpen und dummen Schreibstilen anderer Autoren.
ACHTUNG!!! Ab hier folgen wieder Spoiler zur ganzen Serie!
„Andor“ schafft es auch in Staffel Zwei wieder eine ganze Reihe unterzubringen und in mehreren Handlungssträngen eine ganze Menge zu erzählen. Hauptplot bleibt aber die Beschaffung eines Rohstoffes, den das Imperium auf Ghorman abbauen will und zur Konstruktion des streng geheimen Todessterns benötigt. Über Folgen hinweg erwarten uns dabei eine Vielzahl Highlights. Ein emotionaler Zusammenbruch von Mon Mothma, der in Alkohol und Tanz auf einer Hochzeit mündet, erreicht eben so sehr wie die Parallel geschnittene Grausamkeit, die Bix ertragen muss. Eine Ansprache vor dem gesamten Senat, in welcher der Imperator als das benannt wird was er ist, „Das Monster, das uns alle verschlingen wird“, ist ebenso spannend wie die simple Entfernung eines einfachen Mikrofons. Der Protest einer Bevölkerung, erzeugt ebenso viel Gänsehaut wie der Abschied von Bix. Der Tod von Syril bricht einem selbst so sehr das Herz wie seiner bis dato immer gehassten Mutter. Und wenn Dedra einen emotionalen Ausbruch hat, dann nimmt es mich, trotz ihrer Gräueltaten mit. Und ein „ich werde dich finden“, hat mich ebenso hart getroffen, wie die letzte Einstellung der Serie.
Dauerhaft erzeugt „Andor“ Gefühle. Wir wechseln Sympathien, leiden mit Helden und Schurken und wünschen uns ein anderes Finale herbei, welches wir nie erreichen werden. Mehrfach saß ich aufgelöst vor dem Bildschirm. Fassungslos von dem was mir gezeigt und geboten wurde. Ich habe geliebt, getrauert, gehasst. War verstört und schockiert. Konnte lachen und weinen.
Als das wäre nicht möglich ohne die grandiosen Darsteller, die bis in die letzte Ecke hervorragend besetzt, gespielt und geschrieben sind. Diego Luna gibt hier wirklich wieder alles und seine Entwicklung hin zu „Rogue One“ ist greifbar. Cassian ist ein ambivalenter Held und wenn man am Ende von Folge Drei, einfach nur sein Gesicht filmt oder nach dem Massaker auf Ghorman, dann berührt es durch das nuancierte, aber starke Spiel, ebenso sehr wie wenn er durch den Dschungel rennt um Bix zu finden oder sich auf seinen letzten Flug begibt, der im Ring von Kafrene endet.
Gleichzeitig sind es aber auch wieder die anderen Haupt- und Nebenfiguren, die hier bestechen. Genevieve O´Reilly ist als Mon Mothma mein absolutes Highlight. Die Art wie sie ihre Senatorin spielt ist überragend. Mon gehören unzählige großartige Momente der Serie und hat sich nach der Show zu meiner absoluten Favoriten gemausert. Ihre Szenen auf der Hochzeit, ein Konflikt mit Krennic oder ihre Ansprache und Flucht aus dem Senat waren hervorragend. Im gleichen Atemzug muss man auch die etwas kleineren Rollen ihrer Tochter Leida loben, die hervorragend dargestellt wird und von ihrem Mann Perrin, der mit seiner Ansprache „Sagrona Teema“ das Highlight der zweiten Folge war und Ambivalenz in seine Figur brachte.
Auch Stellan Skasgard bleibt einfach eine Wucht und zeigt, dass er als Luthen einer der besten Darsteller der Reihe ist. Luthen bleibt sich selbst als Figur treu und ist bis zum Ende ein Rebell, der nur einen Tag davon entfernt ist, endgültig wie ein Imperialer zu werden. Er opfert alles und ist bereit jeden zu opfern. Man versteht was er tut, rechtfertigt es für die „gute Sache“, verabscheut aber auch seine Taten. Damit gehört Luthen für mich zu den großen Highlights der beiden Staffeln. Und auch sein Abschied war ergreifend, ebenso seine Verbindung zu Kleya.
Zu dem hervorragenden Cast gesellen sich dann noch Faye Marsay, die als Vel etwas zurückgenommen ist, aber wieder fantastisch spielt in ihrer Interaktion mit andern Figuren und besonders nach dem Tod von Cinta einen starken Monolog bekommt. Auch Forrest Whitaker als Saw Gerrera ist zwar wieder nur kurz in der Serie, aber gibt dem Charakter ungemein viel Tiefe, die in einem großartigen Monolog mit Wilmon gipfelt. Auch Neuzugänge wie Ben Mendelsohn, der wieder als Orson Krennic in Erscheinung tritt ist ebenso gut, wie Benjamin Bratt, der Jimmy Smits als Bail Organa ablöst, der aus terminlichen Gründen nicht konnte. Dennoch hab ich mich sehr schnell an Bratt gewöhnt. Auch Erwähnenswert ist Richard Sammel als Carro Rylanz. Der Deutsche Darsteller nutzt seine Screnetime perfekt aus und bekommt einen großartigen letzten Shot geboten.
Auch Alan Tudyk, der als K2-SO zurückkehrt ist großartig. Die Szene in welcher die KX Droiden gezeigt werden, erinnern schon fast an einen Horrorfilm und strotzen vor Gewalt, während K2 später zum Freund voller Sarkasmus und Humor wird, eher er in einer weiteren Szene voll austeilt und Heert sogar als lebenden Schild nutzt.
Gleichzeitig schafft die Serie es aber bekannte Figuren zu absoluten Scenesteelern zu machen und nochmal auf ein neues Level zu heben. Allen voran Adrja Arjona als Bix. Sie musste viel einstecken über die beiden Staffeln, war gebrochen, wurde gefoltert und Dinge, die ich nicht schreiben will. Ihre Rache fühlt sich dann absolut verdient an, ehe sie in einem Video Cassian verlässt, damit dieser sich der Rebellion widmen kann. Ihr letzter Satz „ich werde dich finden“, trieb mir dabei die Tränen in die Augen, da wir alle Cassians Ende kennen. Wenn ihr die letzte Szene der Serie gehört, mit Cassians Kind im Arm auf Mina-Rau muss man die Serie mit einer Träne verlassen. Ebenfalls dazugewinnt Wilmon, verkörpert von Muhannad Ben Amor. In Staffel eins ein kleiner Nebencharakter, wird er hier zu einer Hauptfigur ausgebaut, der nicht nur toll spielt, sondern auch am ehesten Aufzeigt, was es heißt seine Kindheit zu verlieren, Liebe zurück zu lassen, zum Rebell zu werden, sich aufzuopfern und einer höheren Sache zu verschreiben. Wilmon wird zum perfekten Bild eines „normalen“ Soldaten der Rebellen, dessen Wertegang wir von „Geburt“ an verfolgen. Ebenfalls gewinnt Elizabeth Dulau als Kleya ungemein hinzu. Agierte sie in Staffel Eins noch im Hintergrund wird sie hier zur Hauptfigur und hat sogar eine vollkommen eigene Folge. Sie zieht Fäden, behält einen klaren Kopf, ist das stille Genie und bekommt eine traurige Vergangenheit. Wenn sie es ist, die am Ende ihren Ziehvater Luthen töten muss, um die Rebellion zu schützen, dann berührt dies. Ebenso ihr Finale auf Yavin IV.
Zudem sind es hier vor allem Dedra und Syril die immens von der Staffel profitieren. Beide werden durch ihre Beziehung zueinander zu menschlichen Figuren, die wir beide verstehen, wieso sie sich gefunden haben und wieso sie auf welcher Seite stehen. Dedras Hintergrund ist ebenso tragisch, wie das System in welches sie indoktriniert wurde. Sie glaubt daran, muss liebe lernen, nur um diese zu verlieren, von ihrem System verraten zu werden und am Ende ebenso endet, wie ihre eigenen Eltern, die sie für Verbrecher hält. Dedra ist als Schurkin fantastisch und nachvollziehbar und auch wenn man sie hasst und sie einen Genozid angeordnet hat, so hat sie mich gebrochen, wenn sie um Syil trauert. Dieser bekommt zudem in der Serie einen der besten Arcs in ganz „Star Wars“. Er glaubt an das Recht und die Ordnung. Mit Dedras Hilfe befreit er sich von seiner Mutter nur um dann im dunklen gelassen zu werden. Erst als er erkennt was das Imperium wirklich auf Ghorman treibt, er ihre Boshaftigkeit erkennt und das Leid der Ghormaner mit ansehen muss, was er nie wollte, erkennt er dass er stets manipuliert wurde und auf der falschen Seite stand. Wenn er, im wohl realistischsten und brutalsten Kampf in ganz „Star Wars“ gegen Cassian antritt, den Kampf gewinnt, dann aber nur ein „Wer bist du?“ bekommt, schmerzt das ungemein. Seine Nemesis erinnert sich nicht mal an ihm. Seine letzten Worte, bevor die tragischste Figur Final stirbt. Und wenn am Ende seine Mutter weinend auf dem Sofa sitzt, dann berührt mich das zu tiefst. Auch wenn ich Eedy stets nie mochte, war sie eine liebende Mutter, die einen guten Sohn, mit guten Absichten hatte, der aber am falschen System hängen geblieben ist. An dieser Stelle großes Lob an Denise Gough und Kyle Soller.
Ja, am Ende ist „Andor“ für mich das BESTE Star Wars aller Zeiten! Gewagte Aussage, aber ich komme hier voll auf meine Kosten. Dieses Werk ist Einzigartig und wertet das Universum auf. Ich bekomme die besten Momente der ganzen Reihe, die besten Dialoge, Emotionalsten Momente und spannendsten Figuren. Die Qualität wird so nicht mehr erreicht werden. Dennoch bin ich glücklich endlich mal wieder einen Funken der Hoffnung gespürt zu haben. Ein Funke der erloschen war. Danke Tony Gilroy. Danke Diego Luna. Diese Serie ist ein Meisterwerk. Nicht nur für „Star Wars“. Für die Serienwelt.