WER HÄLT DIE LEINE DER KRIEGSHUNDE?
Diplomatin Kate erhält einen neuen Posten als US-Botschafterin in England und kaum angekommen, brennt die Welt. Ein iranisches Boot, tote britische Soldaten und ein Premierminister, der verbal gleich mal den dritten Weltkrieg bestellt („ein Höllenfeuer wird regnen“). Kate, pragmatisch und sarkastisch zugleich, versucht den drohenden Flächenbrand mit Diplomatie zu löschen, während alle anderen schon Benzin holen.
Diplomatische Beziehungen (Staffel 1, Netflix) umfasst acht Folgen à 45–60 Minuten und ist alles andere als trocken. Keri Russell spielt fantastisch, eine Frau die lieber an der Front wäre als im Anzug zwischen Politikern mit PowerPoint-Kompetenz zu sitzen. Ihr Spiel ist messerscharf, bissig, verletzlich und glaubwürdig zugleich.
Noch-Ehemann Hal (Rufus Sewell) ist das perfekte Gegenstück, ein charmanter Manipulator, der jede Szene stiehlt und mit einem einzigen Satz mehr Spannung erzeugt als so mancher Luftschlag. Seine Vorstellung von Treue ist allerdings so dehnbar wie diplomatische Wahrheiten.
Die Serie lebt von Dialogen, die nie stillstehen, ständig in Bewegung, mal politisch, mal persönlich, mal mit Augenzwinkern immer präzise getaktet. Es ist selten, dass Politik so lebendig und sexy wirken darf.
Die Nebenfiguren sitzen und die weltpolitische Agenda ist glaubwürdig inszeniert. Selbst die Kameraarbeit wirkt dynamisch, kein statisches Konferenzzimmer Gestöhne. Das Finale endet mit einem echten Knall, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Unterm Strich bleibt ein intelligenter, dialoggetriebener Polit-Thriller mit Charme, Spannung und pointiertem Witz. Wer glaubt, Diplomatie sei langweilig, hat hier noch nie eine Ehekrise mit NATO/EU Bezug gesehen.
9/10 Punkten. Am besten ist der unterschwellige Humor, etwa wenn Kate auf ihren Mann einprügelt und die Security ratlos fragt, ob sie einschreiten sollen… schließlich sind sie ja für sie abgestellt.