Vor 35 Jahren erlebte Hape Kerkeling den schlimmsten TV-Skandal seiner Karriere: So denkt er heute darüber
Maximilian Günther
Maximilian Günther
Als Kind der 2000er zum passionierten TV-Junkie erzogen. Trash-TV-Connaisseur mit Herz für Underdogs. Guilty Pleasures: GNTM & Temptation Island.

Hape Kerkeling ist einfach Kult. Woran sich aber heute kaum mehr erinnert: Der Entertainer wurde unfreiwillig im TV geoutet. So kam es zu einem der heftigsten TV-Skandale der 90er-Jahre.

ARD

Hape Kerkeling ist seit Jahrzehnten dick im Geschäft und zählt als Autor, Schauspieler und Comedian zu einem der talentiertesten Stars unseres Landes. Heute gilt der schwule Entertainer als eine Ikone der LGBTQIA+-Community, der offen zu seiner Sexualität steht. Doch zu Beginn seiner Karriere musste Kerkeling dies noch geheimhalten. Doch dann kam es zu einem Eklat, der alles verändern würde: Hape Kerkeling wurde live im TV geoutet – gegen seinen Willen.

Unfreiwilliges Zwangs-Outing vor laufender Kamera: Plötzlich wussten alle über Hape Kerkeling bescheid

In den 90ern war Homosexualität längst noch nicht akzeptiert, weshalb viele Promis ihre wahre Identität versteckt halten mussten, um beruflich Fuß fassen zu können. Hape Kerkeling ist seit Mitte der 80er Jahre als Comedian und TV-Ulknudel bekannt, doch zu Beginn seiner Karriere lebte er seine Sexualiät nicht offen aus. Kerkeling gestand gegenüber BILD, dass ihm hinter den Kulissen sogar geraten wurde, eine Fake-Liebelei mit einer Frau zu inszenieren: „Der WDR wollte mich in eine Scheinbeziehung mit einer Frau drängen.“

1991 kam es dann aber zu einem TV-Skandal, der Hape Kerkelings Karriere für immer verändern sollte. Der Filmemacher und Schwulen-Aktivist Rosa von Praunheim (†2025) wagt in der Sendung „Der heiße Stuhl“ das schier Unfassbare: Er outete Hape Kerkeling und TV-Moderator Alfred Biolek (†2021) als homosexuell – live und vor laufender Kamera. Ganz Deutschland ist fassungslos über die Enthüllung und die BILD titelte sogar: „Schwulen-Verrat im TV“.

So ging Hape Kerkeling mit seinem öffentlichen Outing um

Hape Kerkeling packte im SPIEGEL darüber aus, dass Rosa von Praunheim ihn am Vorabend der Livesendung gebeten habe, sich öffentlich zu outen. Kerkeling wollte dies jedoch nicht: Ich habe ihm gesagt, das veröffentliche ich, wenn ich es für richtig halte.

Nach dem Anruf habe Kerkeling ein mulmiges Gefühl gehabt, doch er konnte nicht ahnen, was dann passiert: „Am Abend darauf rief eine entsetze Freundin bei mir an: ‚Schalt sofort den Fernseher ein, es geht dir an den Kragen.'“ Zum Glück hatte der Entertainer genug Kraft, die Horror-Situation zu überstehen: „Sensiblere Naturen als ich hätten sich in einer Kurzschlusshandlung womöglich mit dem Fön in die Badewanne gelegt.“

Rosa von Praunheim wurde für die Aktion schwer kritisiert, da ein Outing ein privates Unterfangen ist, das nie gegen den eigenen Willen stattfinden sollte. Zum Glück konnte Kerkeling seine Karriere unbehelligt fortführen, doch selbstverständlich sei dies nicht gewesen. Von Praunheim rechtfertigte den Skandal damals als Verzweiflungsschrei“, doch in einem Interview mit BZ gestand der verstorbene Aktivist, dass er die Aktion heute nicht mehr wiederholen würde. Kerkeling findet gegenüber WELT inzwischen versöhnliche Worte für den Schockmoment: Damals war es nicht richtig, es zu tun. Aber aus heutiger Sicht war es nicht falsch.

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