Privatdetektiv
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4 - Sehr gut
Wer interessiert sich in Deutschland schon für Baseball? Richtig, Niemand. Umso schwerer dürfte es für „Moneyball“ werden, an den deutschen Kinokassen finanzielle Erfolge zu feiern – denn wenn man keine Ahnung von einer Sportart hat, warum sollte man dann Geld für einen Film ausgeben, der sich anscheinend komplett um sie dreht. „Moneyball“ (oder auch „Die Kunst zu gewinnen“) ist allerdings alles andere als ein reiner Sportfilm. Regisseur Bennett Miller gelang ein komplexes und hochspannendes Drama, das auch höchstwahrscheinlich bei Baseball-Muffeln großen Anklang finden wird.
Da Brad Pitt für seine Darstellung des Baseball-Managers Billy Beane ja bereits einige Vorschuss-Lorbeeren einsackte und zurzeit als Oscar-Favorit gehandelt wird, durften die Erwartungen an ihn recht hoch sein. Diese erfüllt Pitt mit Leichtigkeit. Durch die Mischung aus ruppig-coolem Manager und liebevollen Vater verleiht er Beane eine klassische Sympathienote à la „Harte Schale – Weicher Kern“. Zwar wird auch Pitt sich bei der diesjährigen Oscar-Verleihung wahrscheinlich nicht gegen Jean Dujardin in „The Artist“ behaupten können (auch wenn Sieger der Herzen immer noch der unverschämter Weise nicht nominierte Leonardo DiCaprio bleibt), beweist aber nur ein weiteres Mal, zu was für großartigen Leistungen er fähig ist.
Noch überraschender fällt hingegen der Auftritt von „Superbad“- Darsteller Jonah Hill aus. Als schüchterner, hochintelligenter Yale-Absolvent Peter Brand spielt er sich in die Herzen der Zuschauer und erweist sich als regelrechter Szenendieb. Seine Oscar-Nominierung als „Bester Nebendarsteller“ tröstet ein wenig über den von der Acadamy übergangenen Albert Brooks in „Drive“ hinweg, der nicht nur eine Nominierung, sondern die Trophäe selbst mehr als verdient hätte. Hill agiert zwar nicht oscarverdächtig, hat sich aber endlich einen Namen abseits des vulgären Komödienkinos gemacht. Und für diesen beeindruckenden Schritt gönne ich ihm die Nominierung von ganzem Herzen.
Etwas enttäuschend ist der Auftritt von Philipp Seymour Hoffman. Ihm wurde leider viel zu wenig Spielzeit eingeräumt, so dass sein Charakter ein wenig unausgearbeitet wirkt. Sicher, Hoffman verkörpert nur eine Nebenfigur, aber das tut Jonah Hill auch und der hat den Zuschauer bereits nach zwei Minuten Screen-Time für sich gewonnen. Dass Hoffman ein exzellenter Schauspieler ist, wissen wir alle, aber seine Darstellung in „Moneyball“ ist definitiv als Enttäuschung einzustufen.
Regisseur Bennett Miller verzichtet auf große visuelle Spielereien und inszeniert „Moneyball“ stilistisch völlig neutral. Keine langen Kamerafahrten, keine Slow-Motion, selbst Musik kommt nur ganz selten zur Verwendung. Für eine stimmige Atmosphäre ist hier kein Schnickschnack nötig – allein das grandiose Zusammenspiel der Figuren sorgt für knisternde Spannungsmomente. Die pointierten, teilweise auch amüsanten Dialoge („Was ist ein DiCaprio?“) stammen übrigens von den Star-Autoren Steven Zaillan („Schindlers Liste“, zuletzt auch David Finchers „Verblendung“) und Aaron Sorkin, der für sein Drehbuch zu „The Social Network“ sogar einen Oscar erhielt.
Nun ist „Moneyball“ nicht wirklich der „Sportfilm“, als der er angepriesen wird. Obwohl viele Gespräche über Baseball stattfinden und auch einige Spielausschnitte zu sehen sind, wirken sie nicht wie wichtige Bestandteile des Films. Zwar wird der eine oder andere den schnellen und sportbetonten Dialogen nicht immer folgen können und sich während eines Spiels immer wieder fragen müssen, was zur Hölle eigentlich ein Quarterback ist (…hust, hust :D), aber wen interessiert es? In „Moneyball“ geht es nicht um Sport – es geht um Kampfgeist, Teamwork und Motivation. Es geht darum, Teil eines Teams zu sein. „Moneyball“ schafft es soweit, dass man am Ende selbst zu einem Teil der Oakland Athletics wird.
Fazit: "Die Kunst zu gewinnen - Moneyball" ist ein spannendes, komplexes und hochemotionales Sport-Drama, das zwar nicht frei von Schwächen ist, aber besonders dadurch punktet, dass selbst wenn man ohne irgendwelche Baseball-Erfahrungen in die Vorstellung geht, im großen Finale nicht umhin kommt, Billy Beane und seinem Team ganz fest die Daumen zu drücken.
Hinzugefügt am 10.02.2012 um 20:29 Uhr
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