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    The Children
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    The Children
    Von Ulf Lepelmeier

    Während die Zahl der Erdenbewohner beständig zunimmt, verzeichnen die Industrieländer zunehmend sinkende Geburtenraten. Dabei sind Kinder doch die allerliebsten Geschöpfe, die mit ihren noch reinen Seelen die Herzen der Erwachsenen im Sturm erobern. Aber es gibt auch eine dunkle Seite, die in ihnen schlummert und die das Horrorkino schon lange für sich entdeckt hat. Da klettern kleine Mädchen aus dunklen Brunnen heraus, um Videokonsumenten heimzusuchen (The Ring), stoßen ehemals wohlerzogene Töchter unflätige Hasstiraden gegen ihre Mütter aus (Der Exorzist) und haben Satansbraten nichts Besseres im Sinn, als die Menschen in ihrer Umgebung zu dezimieren (Das Omen). Regisseur Tom Shankland nimmt sich dieser Tradition des dämonischen Nachwuchses in seinem stilsicheren Horrorfilm „The Children“ an und gibt dem Zuschauer mit seinen nach Mord gierenden Kinderchen einen Anlass, über einen eventuellen eigenen Kinderwunsch noch einmal in aller Ruhe nachzudenken.

    Elaine (Eva Birthistle) fährt mit ihrer fünfköpfigen Familie zu ihrer Schwester Chloe (Rachel Shelley) aufs Land, um im vertrauten Kreis der Familie Silvester zu feiern. Fröhlich fallen sich alle zur Begrüßung und in Vorfreude auf den Jahreswechsel in die Arme. Nur der kleine Paulie (William Howes) gibt sich etwas verstört und kränklich, während seine große Schwester Casey (Hannah Tointon) ohnehin alles andere als angetan von der familiären Neujahrsplanung ist, will sie doch viel lieber mit ihren Freunden auf eine Party gehen, als mit den Eltern in dem großen Landhaus abzuhängen. Während Paulies Verhalten zunehmend absonderlicher wird, fangen plötzlich auch die übrigen Kinder an, erste Krankheitssymptome zu zeigen. Schleichend wandeln sich die wohlerzogenen Zöglinge zu durchtriebenen und vor nichts zurückschreckenden Satansbraten, die ihre Eltern lieber tot als lebendig sehen würden…

    Nachdem der britische Regisseur Tom Shankland bereits im Jahre 2007 mit seinem Horror-Thriller WAZ auf dem Fantasy Filmfest vertreten war, schickt er diesmal den von „Ein Kind zu töten...“ inspirierten „The Children“ in den Festivalring. Was zuerst wie ein weiterer belangloser Streifen mit bösen Kindern anmutet, entpuppt sich dank der sich langsam breitmachenden bedrohlichen Atmosphäre recht bald als positive Überraschung. Auch wenn zu Beginn nur wenig passiert, erst einmal in Ruhe die Familiensippe vorgestellt wird, legt sich doch schon hier ein feiner Spannungsteppich über das verschneite Setting. Zum Ende des ersten Drittels verdichtet sich der Kinderterror schlagartig und kulminiert in schaurig-schönen Blutlachen. Das Grauen wird in aller Heimlichkeit vorbereitet, bevor die kleinen Kinderhände dann umso zielgerichteter ihre erschreckend blutigen Taten vollführen. Obwohl sich das Geschehen beinahe ausschließlich bei hellstem Tageslicht abspielt, schafft der Film mit geschickt gewählten Kameraeinstellungen, mit jedem Schnitt verstörender zu werden, wobei ein auch auf den zweiten Blick harmlos anmutendes, extra für den Nachwuchs im Garten errichtetes Zelt zur tödlichen Falle mutiert.

    Nur Teenager Casey scheint gegen die Mordgelüste hervorrufenden Krankheitserreger immun zu sein. Nur sie durchschaut die brenzlige Situation, weil es den Erwachsenen schwer fällt, ihre kleinen Engel mit den schrecklichen Taten in Verbindung zu bringen. Diese nutzen die elterlichen Gefühle ohne Skrupel aus und schaffen es so, dass sich die etwas naiven Erwachsenen schließlich lieber gegenseitig beschuldigen, als sich vor den blutrünstig agierenden Kleinen in Acht zu nehmen. Langsame Kamerafahrten und ausschweifende Einstellungen stehen dabei im Kontrast zu den hektischen Schnitten, die bei den blutigen Zwischenspielen zum Einsatz kommen.

    Die Darsteller bieten grundsolide Arbeit, wobei Eva Birthistle (Breakfast On Pluto) bei den Eltern und Debütantin Raffiella Brooks bei den Kindern am besten gefallen. Dass die Herkunft der absonderlichen Kinderkrankheit, die mit schwarzem Auswurf daherkommt und in einem fortgeschrittenen Stadium zumindest für die Erwachsenen Drumherum tödliche Folgen haben kann, im Dunklen belassen wird, befriedigt zwar nicht den Wissensdurst des Publikums, ist aber allemal besser als mögliche hanebüchene bis lächerliche Erklärungsversuche. Den Virus, der die Mordlust in den Kleinen auslöst, muss man einfach schlucken. Denn ist dies geschehen, entwickelt sich „The Children“ mit seinen bitterbösen Kinderchen, dem vielen Blut, bizarren Einfällen, einem Quäntchen schwarzem Humor und jeder Menge Atmosphäre zu einer fiesen kleinen Genreüberraschung.

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