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Terkel In Trouble
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Terkel In Trouble
Von Björn Helbig
„South Park“ meets „The Simpsons“: Der 3-D-Animationsfilm „Terkel In Trouble“, basierend auf der Radioserie des Comedians Anders Matthesen, war zumindest in Dänemark ein großer Erfolg. Zunächst 2004 dort der erfolgreichste Kinostart, dann 2005 ausgezeichnet mit dem „Robert“ in den Kategorien bester Familienfilm, bester Sound, beste Musik und bester Song. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass er auch in Deutschland ein paar neue Fans hinzugewinnen wird, wenn er im Dezember in den Kinos hierzulande anläuft. Denn „Terkel In Trouble“ verfügt trotz aller Unzulänglichkeiten zumindest über die Zutaten, die einen sehenswerten Comic ausmachen können: eine eigenwillige Animation, charismatische Figuren (im Original gesprochen von Matthesen selbst, in der deutschen Fassung von Bela B. Felsenheimer) eine gute Portion grobschlächtigen, ins politisch-unkorrekte langenden Humors und einer gar nicht mal so schlechten Geschichte.

Terkel ist ein ganz normaler Junge mit Zahnspange, der in einem ganz normalen roten Ziegelhaus in einem dänischen Dorf eine relativ normale Schule besucht. Für einen ganz normalen Jungen ist es natürlich auch ganz normal, Probleme zu haben. So hat Terkel unter anderem arge Kommunikationsschwierigkeiten mit seiner ketterauchenden Mutter Beate und seinem monoton Nein-sagenden Vater Leon. Auf die Nerven geht ihm auch seine Schwester Rita, die immerzu mit ihm spielen will und zu der Terkel deswegen nicht eben nett ist. Als Terkels Onkel Stewart die zwei Schulrabauken Sten und Saki vermöbelt, gerät die Welt des jungen Zahnspangenträgers allerdings heftig aus den Fugen. Denn von nun an sieht sich Terkel in der Schusslinie von Stens und Sakis Gemeinheiten und tatsächlich – schon bald kracht der erste Stein samt Drohbrief durch sein Kinderzimmerfenster. Hilfe erwartet sich Terkel vor allem von seinem besten Freund Jason (einem ständig fluchenden Ghetto-Kid, das stets eine Metallstange mit sich herum trägt) und seinem Lehrer Gunnar (einem Natur- und Tierliebhaber, der als Aushilfslehrer die kürzlich verunglückte Klassenlehrerin vertritt). Die geheimen Drohungen und Terkels Verfolgungswahn häufen sich, und als die ganze Klasse einen Campingausflug in den Wald macht, muss er sogar um sein Leben fürchten.

Eine Stärke von „Terkel In Trouble“ ist das gezielte Aufs-Korn-Nehmen diverser Thriller und Horrorfilme. Dabei spart der Film nicht mit einer beträchtlichen Anzahl von – mal mehr mal weniger gelungenen – Zitaten und Verweisen. Der Film beginnt wie Sieben und wenn gegen Ende auf dem einsamen Campingplatz Terkels Handy klingelt und auf dem Display „Jason“ steht (den Terkel mittlerweile für seinen rachsüchtigen Verfolger hält), fühlt man sich unweigerlich in ein Freitag-der-13.-Szenario versetzt. Das kann man durchaus lustig finden. „Kann man durchaus lustig finden“ deutet aber schon ein Problem des Films an, denn vielen Stellen ist da nicht mehr als ein „kann man“, bei dem schon das „muss man aber nicht“ mitklingt. Denn leider schien Regisseur Stefan Fjeldmark („Hilfe ! Ich bin ein Fisch“, 2000) – vielleicht mit Blick auf eine bestimmte Zielgruppe? – zu sehr besessen davon zu sein, etwas gegen den guten Geschmack zu produzieren, lieber zu provozieren, schrill und auffällig zu sein als sich auf die liebevoll-unsympathischen Figuren und die Stärken ihrer Geschichte mit ihren satirischen, aber auch ernsten Qualitäten zu konzentrieren.

Nein, „Terkel in Trouble“ will cool sein und lässt Schwester Rita diverse Unfälle zustoßen, die sie erst das eine, dann das andere Auge kosten. Die Geschichte bringt das indes nicht weiter und ist auch nicht übermäßig komisch. Auch dass es dicke Mädchen nicht leicht haben, muss Jasons Schwester Dorit, die heimlich in Terkel verliebt ist, erfahren. Die Witzeleien des Film gegen sie, obwohl teilweise recht derbe inszeniert, machen bis zu einem gewissen Punkt insofern Sinn, als dass sie unsere Realitäten persiflieren. Auch wenn dies in ihrem Selbstmord aus Liebeskummer gipfelt. Wenn Jason Terkel am Ende gesteht, dass er es gar nicht schlimm findet, dass „die fette Kuh“ endlich tot ist, hebeln sich die Protagonisten sowie damit die Ironie des Film selber aus, und somit geht jede ernstzunehmende Gesellschaftskritik flöten.

„Terkel In Trouble“ hätte das Potenzial zu mehr gehabt. Denn auch wenn der Film, verglichen mit seinen möglichen Inspiratoren, nie die anarchisch-hintersinnige Radikalität von „South Park“ oder den sympathischen Ideenreichtum der „Simpsons“-Serie erreicht, hätte die Geschichte das Zeug besessen, nicht nur eine gute Teenie-Horrorfilm-Parodie zu sein, sondern gleichzeitig noch eine derbe, gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit den Mentalitäten Jugendlicher und ihrer Lebenswelt. Nichtsdestotrotz – wirklich misslungen ist Terkel nicht. Er hat einige parodistische Höhenflüge vor allem im Bereich der Filmreferenzen und einen soliden Handlungsrahmen. Auch Bela B. Felsenheimer, der allen Figuren einen eigenen Charakter verleiht und auch die Songs des Films singt, ist unbedingt positiv für seine Leistung hervorzuheben. Man kann richtig hören, wie viel Spaß ihm diese Ein-Mann-Show gemacht hat. Da der Film sich aber leider zu sehr auf seine politisch-unkorrekten Gesten verlässt und dadurch die Stärken seiner Geschichte aus den Augen verliert, dürfte „Terkel In Trouble“ letztendlich den Geschmack von Otto-Normal-Zuschauer verfehlen.
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