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American Pie präsentiert: Nackte Tatsachen
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1,0
schlecht
American Pie präsentiert: Nackte Tatsachen
Von Carsten Baumgardt
Man muss nicht gleich den Untergang des Abendlandes heraufbeschwören, aber ein kräftiges Ärgernis ist Joe Nussbaums „American Pie präsentiert: Nackte Tatsachen“ dennoch. Der mittlerweile zweite Direct-To-DVD-Nachzieher zur unglaublich erfolgreichen Teen-Komödien-Trilogie missbraucht den Markennamen American Pie, um mit diesem billig produzierten Schund noch Geld aus der Kuh zu pressen.

Sein Familienname ist für den jungen Erik (John White) mehr Fluch als Segen. Die Stifler-Männer sind omnipotente, schmerzfreie Superstecher, die die Sau fliegen lassen, wenn sich auch nur eine klitzekleine Gelegenheit dazu bietet. Doch Erik ist im letzten Jahr der Highschool angelangt und immer noch Jungfrau. Bereits seit zwei Jahren geht er mit der süßen Tracy (Jessy Schram), doch die weigert sich standhaft, mit ihrem Freund zu schlafen, weil sie sich noch nicht bereit dazu fühlt. Das bringt ihr viel Kritik ein – sowohl bei Eriks Kumpel, die ihn unter Druck setzen, als auch bei Tracys Freundinnen, die voraussagen, dass er sie deswegen verlassen werde. Nach einem kolossal missglückten Versuch, sich gegenseitig zu entjungfern, stellt Tracy in ihrer Verzweiflung Erik für ein Wochenende einen „Schuld-Freipass“ aus. Egal, was passiert, es soll für ihre Beziehung keine Rolle spielen. Erik jubiliert. Gemeinsam mit seinen besten Freunden Ryan (Ross Thomas) und Mike (Jake Siegel) macht er sich auf nach Michigan, wo jährlich die „Nackte Meile“ gelaufen wird. Bei diesem Partygroßereignis treffen sich Studenten zu einem Spaßlauf, der komplett nackt über den Campus bestritten wird. Und dieses Paradies wird von Partykönig Dwight Stiftler (Steve Talley) regiert, Eriks Cousin…

Was tun, wenn das Konzept schon so ausgelutscht ist, dass nichts mehr geht? Die Produzenten von „American Pie präsentiert: Nackte Tatsachen“ geben die Antwort und servieren noch ekligere Schandtaten, noch blödere Witzchen und noch mehr wippende Studentinnen-Brüste. Das Problem ist ja nicht der schlüpfrige Humor an sich, denn der wurde auch in den amüsanten Teilen 1 bis 3 schon mit Wonne zelebriert. Doch schon nach der ersten Szene degeneriert der Film zum sprichwörtlichen toten Pferd, auf das vergeblich versucht wird, einzuprügeln. Erik Stifler glaubt seine Eltern (Christopher McDonald, Maria Ricossa) und Großmutter (Jessica Booker) außer Haus und nutzt dies dazu, gepflegt vor dem Fernseher zu onanieren. Natürlich führt das zum Fauxpas. Mit dem Ergebnis, dass Erik im rechten Moment eine saftige Ladung auf seine Erziehungsberechtigten abfeuert und seine Oma ob des Schocks einem Herzanfall erliegt. Selbst wenn sich das in der Theorie schon dämlich anhört, die Praxis sieht noch schlimmer aus, weil Regisseur Joe Nussbaum (Plötzlich verliebt, Sydney White) durchgängig das Timing eines Holzhackers an den Tag legt und die wüsten, aber lahmen Zoten einfach nur uninspiriert herunter kloppt: Etwa wenn Erik von seinem Schwiegervater in spe (Stuart Clow) in flagranti erwischt wird, wie er herum furzt und schließlich zum Höhepunkt nackt in den Wäschetrockner kackt? Was gibt es dazu noch zu sagen?

„American Pie präsentiert: Nackte Tatsachen“ fährt die gesamte Palette des Fäkalhumors auf, lässt nichts liegen. Das Problem: Selbst die plattesten Gags sind meilenweit davon entfernt zu zünden. Streng genommen hat die Gross-Out-Komödie in 102 Minuten einen halbwegs funktionierenden Witz (Viagra statt Ecstasy für den Lauf auf der Nacken Meile) und eine interessante Idee (der Kampf gegen die Zwergen-Truppe) auf Lager. Doch ein passabler Scherz ist schnell im großen Nichts des Films verpufft und das rüde Gagpotenzial der Auseinandersetzung mit dem garstigen Zwergteam wird nicht ausgenutzt.

Um den Titelnamen „American Pie“ noch irgendwie zu rechtfertigen, müssen die Charaktere hier und da sehr bemüht und verkrampft die inhaltliche Verbindung nach dem Motto „Weißt du noch, damals, als der gute alte Jim Levenstein mit dieser Austauschstudentin…“ herstellen. Und auch der Verwandtschaftsgrad weicht immer mehr ab. War es in American Pie präsentiert: Die nächste Generation noch Steve Stiflers kleiner Bruder Matt, müssen nun schon die Cousins Erik und Dwight herhalten. Nachdem sich Stammmitglied Eugene Levy schon im Vorgänger schmerzfrei gezeigt hat, fungiert er auch in „American Pie präsentiert: Nackte Tatsachen“ in der Rolle des Noah Levenstein wieder als Bindeglied zu den ersten drei Teilen. „Warum sind Sie hier“, fragt Erik ihn an einer Stelle des Films. Eine Antwort darauf zu finden, fällt schwer. Es ist schon traurig, Levy so erniedrigt sehen zu müssen.

Was dem Film schließlich komplett den Garaus macht, sind die Charaktere, die derart uninteressant und ungehobelt ausfallen, dass man nicht so recht weiß, welche der Flachzangen die größte ist. Keiner des männlichen Hauptdarstellerquartetts John White, Ross Thomas, Jake Siegel und Steve Talley kann auch nur einen Funken Charisma aufweisen. Die Mädchen sind sicherlich hübsch anzusehen, mehr aber auch nicht. Ansonsten finden sich auf weiter Flur nur dümmliche Klischees. Dabei ist es nicht einmal ein unumstößliches Naturgesetz, dass Teenie-Klamotten immer platt sein müssen. Das zeigte zum Beispiel zuletzt Superbad im Kino. Doch davon ist „American Pie präsentiert: Nackte Tatsachen“ Dimensionen entfernt. Joe Nussbaum nimmt seine Figuren nie ernst, eine Zeichnung findet nicht statt, stattdessen hangelt er sich von Zote zu Zote, ohne Rücksicht darauf, ob das für die Geschichte irgendeinen Sinn ergibt.

Fazit: „American Pie präsentiert: Nackte Tatsachen“ ist der vorläufige, peinliche Tiefpunkt eines Franchise, das ohne Rücksicht auf Verluste weiter totgeritten wird.
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