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    Sex and the City: Der Film
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Sex and the City: Der Film
    Von Daniela Leistikow
    „Later that day I got to thinking about relationships. There are those that open you up to something new and exotic, those that are old and familiar, those that bring up lots of questions, those that bring you somewhere unexpected, those that bring you far from where you started, and those that bring you back. But the most exciting, challenging and significant relationship of all is the one you have with yourself. And if you find someone to love the you you love, well, that's just fabulous…“

    … sprach Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker, Die Familie Stone, Zum Ausziehen verführt) und stöckelte noch ein paar Sekunden mit einer Manolo-Blahnik-Tüte in der Hand die 5th Avenue hinunter, bevor sie in der Menschenmenge verschwand. Und das war´s. Blende. Credits. Die letzte Folge „Sex And The City“ nach sechs Jahren Erfolgsgeschichte - ein würdiger Abschluss für das Ende einer Ära. Immerhin herrschte eitel Sonnenschein im Manhattan-Märchenland: Carrie hatte ihren Mr. Big (Chris Noth), Charlotte (Kristin Davis, Shaggy Dog, Blendende Weihnachten) endlich ein (wenn auch adoptiertes) Kind, Miranda (Cynthia Nixon) und Samantha (Kim Cattrall, Die Eisprinzessin) waren glücklich mit ihren Männern. Vier Jahre nach dem Happy-End schlägt „Sex And The City“-Drehbuchautor und Regisseur Michael Patrick King das Märchenbuch trotzdem wieder auf und bringt eine Story auf die große Leinwand, die der Serie nicht in jeder ihrer stolzen 135 Minuten Spielzeit ganz gerecht wird, aber Fans und Fashion-Fanatiker dennoch bestens unterhält.

    Mr. Big und Carrie sind immer noch glücklich liiert. Nach langer Suche hat das Paar endlich gefunden, was in Manhattan einem Lotteriegewinn am nächsten kommt: Das perfekte Appartement! Keine leichte Aufgabe bei Carries Ansprüchen an die Geräumigkeit von Kleiderschränken. Doch was folgt, wird schwieriger sein, als der Bau eines begehbaren Schrankes für unzählige Paar Schuhe. Die Manolo-Besessene und ihr notorisch bindungsscheuer Traummann wollen nach zehn Jahren Dating endlich die Ringe tauschen! Samantha, die mittlerweile mit Smith (Jason Lewis) in L.A. lebt, aber bei jeder Gelegenheit in Manhattan auftaucht, ist geschockt. Miranda und Charlotte sind entzückt, werden jedoch beide auf die ein oder andere Weise von den Ereignissen und Enthüllungen in ihrem eigenen Leben erschüttert. Unterdessen wächst sich die schlicht geplante Trauung von Carrie und John James Preston – so heißt Big in Wirklichkeit - zu einem Medienevent aus. Doch plötzlich gibt es schwerwiegendere Probleme. Werden Carrie und Big sich tatsächlich das Ja-Wort geben oder wird das Schicksal schneller dazwischenfunken, als man sagen kann: „And they lived happily everafter...“?

    Verfilmungen von erfolgreichen TV-Serien sind so eine Sache. In Verliebt in eine Hexe wurde uns gezeigt, wie man es nicht macht. Positive Beispiele wie die Filme zu Akte X oder den Simpsons beweisen, dass eine gute Show auch auf der Kinoleinwand funktionieren kann, selbst wenn fraglich bleibt, wie viel davon wirklich Kino im besten Sinne ist. Dass sich das für die Studios finanziell lohnt, steht außer Frage. Aber: Lohnt es sich auch für den Zuschauer? Im Fall von „Sex And The City“ lautet die Antwort „Jein“. Glaubt man Gerüchten um einen zweiten Film mit Carrie und Co. sollten sich Produzenten und Schauspieler ernsthaft fragen: „Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?!“ Und zwar aus folgenden Gründen:

    Eigentlich war das Ende von „Sex And The City“ schon nach der letzen Serien-Folge perfekt. Zwar waren nicht alle Fragen wie „Werden Carrie und Big jemals heiraten?“ oder „Wird Charlotte doch noch schwanger werden?“ geklärt, aber gerade dass nicht alles zu einem ultimativen Abschluss geführt wurde, passte sehr gut zur Serie. Im Film werden diese Fragen beantwortet, so viel sei gesagt. Allerdings hat der Trailer leider schon den Großteil der Handlung verraten, so dass es nur wenige wirkliche Überraschungen gibt. Ohne diesen Fauxpas wäre der erste Leinwandausflug der vier modebewussten New Yorkerinnen sicherlich um einiges spannender ausgefallen. Trotzdem überwiegen die guten Momente, in denen man gleichzeitig lachen und weinen könnte. Es ist so schön, all diese über Jahre lieb gewonnenen Charaktere wiederzusehen. Trotzdem: „I couldn’t help but wonder“, ob man die Geschichte nicht geheimer hätte halten können. Ein paar mehr Story-Twists wären auch wünschenswert gewesen.

    Die Figuren und Geschichten im Film sind insgesamt etwas braver, als die in der Serie. Ja, die Charaktere sind älter und vielleicht auch weiser geworden. Aber muss das zwingend heißen, dass „Sex“ oder „City“ in den Vierzigern einer Frau keinen kontroversen Stoff mehr hergeben? Nachdem die Show in der Vergangenheit so viel Tabus gebrochen hat, hätte hier die klaffende Lücke zwischen Frauen Ende 30 und den Golden Years geschlossen werden können. Stattdessen gibt man sich mit weniger Sex, aber mehr City zufrieden – denn New York ist laut Parker eigentlich die fünfte Frau in der Story. Und die ist eindeutig im Vorteil: Während bei den vier Protagonistinnen gut ausgeleuchtet, züchtiger bekleidet und - sobald es offenherziger wird - geschnitten werden musste, um erste Zeichen des Alters zu verstecken, haben sich in New Yorks Gesicht keine Falten gegraben. Das erscheint unfair, ist aber unvermeidlich. Ein vermeidbarer Kritikpunkt hingegen: Weil Carrie ihre Kolumne nicht mehr schreibt, kommen die witzig-weisen Voiceovers aus der Serie, die zum Thema hinführten und zum Nachdenken anregten, viel zu kurz. Zwar wird uns klar gemacht, dass unsere Heldin mittlerweile drei Bücher geschrieben hat, aber viel Inhaltliches erfahren wir nicht. Schade.

    Wie eine komplette Staffel im Zeitraffer kommt „Sex And The City“ daher – das Problem: Zwar gibt es viel Handlung, aber ohne die zeitlichen Dimensionen einer Serie gelingt es nicht ganz, die Geschehnisse so von allen Seiten zu beleuchten, wie es im TV der Fall war, wodurch sie etwas an Bedeutung und Tiefe verlieren. Gerade die Konversationen zwischen den Frauen sind nicht ganz so witzig und wortgewandt. Vielleicht war der Druck auf Writer/Director Michael Patrick King, der hier sein Spielfilmdebüt gibt, doch etwas zu groß, um alles bis ins kleinste Detail perfekt zu machen. „Es machte viel Spaß auszutüfteln, wie man eine Geschichte im großen Rahmen erzählt“, sagte King vor kurzem. Diesen Testlauf-Charakter merkt man dem Film leider hin und wieder an.

    Vom Testlauf zum Schaulauf: „Ich schätze die vier Hauptfiguren ziehen sich im Film insgesamt weit über 300 Mal um“, spekuliert Kostümdesignerin Patricia Field, die schon zu Serien-Zeiten für die fabelhaften Fummel der Darstellerinnen zuständig war. Die Leinwand-Outfits stehen denen in der TV-Vorlage in nichts nach: Die Kostüme, Kombinationen und Accessoires sind allesamt fantastisch! Kein Wunder, dass Miss Field ihre Oscarnominierung ausgerechnet für Der Teufel trägt Prada bekam. Achtung: Trendsetting-Gefahr! Zwar hat der Film in modischer Hinsicht einen zeitlosen Look, aber das ein oder andere Teil wie die Gürtel oder die robusteren Schuhe könnten schnell zum Trend avancieren.

    Vielleicht etwas zu sehr in Richtung der Trends: Während der ersten 30 Minuten bekommt man das Gefühl, die Welt von „Sex And The City“ soll durch den Film für ein jugendlicheres Publikum attraktiv gemacht werden. Die Songs, die von Fergie, Ciara und Craig David gesungen werden, wirken teils fehl am Platz und fügen sich nicht nahtlos in die Welt von Carrie und Konsorten ein. Eine neue Figur, die die Perspektive der Single-Frau verdeutlicht, wie es die Original-Charaktere nicht mehr können, war wohl unvermeidlich: Jennifer Hudson (Oscar für Dreamgirls) liefert als „Louise aus St. Louis“ – ein im Film zu oft vorkommendes Wortspiel - zwar eine gute Vorstellung ab, aber ihre Geschichte ist doch deutlich platter und braver, als die von Miranda, Samantha oder Charlotte es zu Single-Zeiten waren. Vermutlich weil irgendwie Platz für die Neue geschaffen werden musste, kommt Stanford (Willie Garson, Freaky Friday) nur am Rande vor, was uns das Vergnügen nimmt, seine Papagei-bunten Outfits zu bestaunen. Charlotte hingegen hat ihr Versprechen gegenüber Hochzeitsplaner Anthony („You’ll always be in my life, Colin Farrell“) gehalten und so darf sich der Zuschauer bei dessen hysterisch-dramatischen Auftritten amüsieren.

    Im Schuhschrank nichts Neues: Auch im „Sex And The City“-Movie macht es Spaß „to spend time in Carrie Bradshaws world, where women rule and the men are disposable“ – wie Carries erstes Buch von einer fiktiven New-York-Times-Kritikerin in der Serie besprochen wurde. Viele kleine, aber kein ganz großer Kritikpunkt machen den Film zu guter Unterhaltung für Fans der Serie und solche, die es noch werden wollen. Man erinnert sich, was die Show alles verändert hat und sieht, dass die Tabus von damals heute längst alte Hüte – oder ausgelatschte Schuhe - sind. „Sex And The City“ ist ungefähr so, wie Carrie einst den Telefonsex mit Mr. Big beschrieb: „I’m thinkin’ of it more as ‚A trip down memory lane’“
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