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Disaster Movie
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
0,5
katastrophal
Disaster Movie
Von Jens Hamp
Endlich sind sie aufgewacht! Die amerikanischen Teenager lassen sich nicht mehr von der Traumfabrik für blöd verkaufen. Noch vor einiger Zeit scheffelten Jason Friedberg und Aaron Seltzer mit ihren abgrundtief schlechten „Filmparodien“ Date Movie, Fantastic Movie und Meine Frau, die Spartaner und ich Geld in exorbitanten Mengen. Mit ihrem „Disaster Movie“ sind sie jedoch im vergangenen Spätsommer gnadenlos auf die Schnauze gefallen. Nicht einmal die minimalen Produktionskosten von 20 Millionen Dollar hat der Film an den amerikanischen Kinokassen wieder eingespielt. Doch dieses desaströses Desinteresse war nur eine logische Konsequenz: Diesen Schmarrn kann man sich eben nur noch unter der Androhung von Waffengewalt angucken.

Nach einem abstrusen Albtraum, in dem ihm eine steinzeitliche Amy Winehouse (Nicole Parker, „MADtv“) vor dem Ende der Welt warnt, beginnt für Will (Matt Lantner, WarGames 2) der schlimmste Tag seines Lebens. Seine Geburtstagsparty wird von seltsamen Menschen bevölkert und zu allem Übel prasselt auch noch ein Asteroidenregen auf New York nieder. Bevor er und seine Freunde allerdings aus der sich im Ausnahmezustand befindlichen Stadt fliehen können, müssen sie noch Wills Ex-Freundin Amy (Vanessa Minnillo) aus einem verfluchten Museum befreien. Auf dem Weg dorthin stolpern die Freunde von Filmzitat zu Filmzitat…

„Uns erreichen nun Meldungen, dass Asteroiden auf die Erde stürzen.“
Unbekümmerte Stille.
„Und… Und schon wieder ein Starbucks weniger!“
Panik bricht aus.

Was wurde nur aus der grandios lustigen Tradition, Filme hemmungslos zu veralbern? Waren die Mannen von ZAZ (Top Secret!, Die nackte Kanone) wirklich derartige Genies, dass ihre Filme auch nach dem zehnten Ansehen Spaß bereiten und ein abgedreht-stimmiges Gesamtbild ergeben? Bereits die Wayans-Brüder (Scary Movie 2, „Hip Hop Hood“) konnten nicht in die übergroßen ZAZ-Fußstapfen treten und setzten viel zu oft auf unterirdischen Fäkalhumor. Doch zumindest manchmal gelang ihnen auch eine Pointe. Die nächste Generation der Parodisten wird nun von Friedberg und Seltzer angeführt – und diese sind von amüsanten Geistesblitzen soweit entfernt wie die Münchener von einem Meeresstrand. Was soll man aber auch von komödiantischen Ergüssen erwarten, die Filme parodieren, welche zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch nicht einmal im Kino liefen?

Wild und ohne jedes Konzept werden bekannte Schlüsselelemente von Filmen wie Alvin und die Chipmunks, Kung Fu Panda und High School Musical zu einer ungenießbaren Suppe vermengt. Eine greifbare, an Cloverfield erinnernde Story, in die die Parodien eingebunden werden, ist nur mit zwei zugedrückten Augen zu erkennen. Offenkundig ist das einzige Ziel, so viele Titel wie möglich in siebzig Minuten zu quetschen. Um diese Drehbuchvorgabe zu erreichen, werden in kürzester Abfolge die zentralen Charaktere aus No Country For Old Men, Superbad, Sex And The City und Wanted eingeflochten. Wieso aber jemand, der mit einem druckluftbetriebenen Bolzenschussgerät auf einer Party herumläuft und Betrunkene erschießt, automatisch witzig sein soll, erschließt sich wohl nicht einmal den Drehbuchautoren. Ähnlich „amüsant“ ist es, wenn während des Steinzeittraumes „10.001 B.C.“ einblendet oder der kleinwüchsige Tony Cox (Bad Santa) in ein „Indiana Jones“-Kostüm gezwängt wird.

Diese im Nichts verpuffenden Gags allein wären noch verkraftbar und würden dem Film lediglich das Prädikat „langweilig und uninspiriert“ einbringen. Mühelos verdient sich „Disaster Movie“ jedoch wirklich vernichtende Kritiken, indem er in mehreren Fällen das Wort „niveaulos“ neu definiert. Sicherlich darf eine Komödie auch die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten, aber wenn ein (schlechter) Amy-Winehouse-Klon dem Steinzeit-Will länger als 30 (!) Sekunden ins Gesicht rülpst, dem schwangeren Juno-Abbild bei einem Kampf in den Bauch geboxt wird und ihre Fruchtblase volle Lotte in das Gesicht ihrer Freunde platzt, werden „humoristische“ Extreme erreicht, die auch in einer Parodie nicht ohne weiteres hinzunehmen sind.

Nicht alle Witze sind ohne jedes Potential. Der in Filmveralberungen zum Standardrepertoire gehörende Tanzwettbewerb (dieses Mal wurde Step Up To The Streets als Vorbild auserkoren) hat ein bis zwei nette Einfälle – die werden dann allerdings solange „ausgekostet“, bis man dem Rumgezappel nur noch gelangweilt folgt. Schließlich ist auch das Aufgreifen des aus der Jimmy-Kimmel-Show bekannten Kult-Songs „I’m fucking Matt Damon“ nicht komplett verkehrt. Dieser hätte die vom Love Guru verhunzte Hochzeitszeremonie etwas würzen und dem Film so wenigstens ein halbwegs amüsantes Finale bescheren können. Aber auch dieser Gag wird – natürlich - auf ein dreiminütiges Lied ausgedehnt, dessen Strophen vollkommen witzlos sind und besser im - zwölfminütigen (!) - Abspann aufgehoben wären.

Erst hatten sie kein Glück. Dann kam auch noch Pech dazu!

Es steht zu hoffen, dass „Disaster Movie“ in Deutschland mit der gleichen Missachtung wie in den USA begegnet wird. Verdient hätte es der von Jason Friedberg und Aaron Seltzer verzapfte Schwachfug allemal. In siebzig Minuten schaffen es die beiden „Kreativköpfe“, jeden möglichen Witz ins Unerträgliche oder Widerwärtige abdriften zu lassen. Und selbst wenn „Disaster Movie“ über weite Strecken nur pure Einfallslosigkeit zu attestieren ist, disqualifiziert sich die Möchtegernparodie durch seine zahllosen Geschmacksentgleisungen endgültig. Aber – und dieser platte Abschlussgag sei erlaubt – wenigstens wird der Zuschauer fairerweise bereits durch den Titel gewarnt, auf was für ein filmisches Desaster er sich hier einlässt…
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