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All Inclusive
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
All Inclusive
Von Daniela Leistikow
Kristen Bell scheint sich in jüngster Zeit bevorzugt für Filmrollen zu entscheiden, bei denen sie neben den Dreharbeiten auch noch ein bisschen Urlaub machen kann: Zuerst stand sie in Hawaii für Nie wieder Sex mit der Ex vor der Kamera, nur um dann bald darauf für die Dreharbeiten an Peter Billingsleys Beziehungskomödie „All Inclusive“ nach Bora-Bora weiter zu jetten. So mancher Zuschauer dürfte angesichts der paradiesischen Insel, auf der Schauspieler und Crew während des Drehs ihre (Arbeits-)Zeit verbringen durften, vor Neid bleich werden. Doch leider verblasst vor dem hinreißenden Panorama auch die dünne Story aus der Feder von Vince Vaughn, Dana Fox und John Favreau. Trotz teils schnittiger Dialoge und sympathischer Charaktere wünscht man sich immer öfter, dass die Filmfiguren aus dem Bildausschnitt verschwinden und damit den Blick auf die himmlischen Inselpanoramen freigeben.

Dave (Vince Vaughn, Die Hochzeits-Crasher) und Ronnie (Malin Akerman, Watchmen) führen zwar eine nahezu perfekte Ehe, doch beim befreundeten Pärchen Jason (Jason Bateman, Hancock) und Cynthia (Kristen Bell, Pulse) kriselt es dafür umso heftiger. Die Lösung: eine Paartherapie auf einer tropischen Insel! Leider ist die ziemlich kostspielig. Nur wenn insgesamt vier Ehepaare die Reise nach „Eden“ antreten, können sich Jason und Cynthia den therapeutischen Urlaub dank eines günstigen Gruppenrabatts leisten. Neben Dave und Ronnie stimmen noch zwei weitere Pärchen mit der Aussicht auf einen Traumurlaub zu, Jason und Cynthia zu begleiten: Joey (John Favreau, Trauzeuge gesucht!) und Lucy (Kristin Davis, Sex And The City) stehen kurz vor der Scheidung und hätten die Therapie eigentlich bitter nötig. Aber genau wie Dave und Ronnie sowie Shane (Faizon Love, Zum Glück geküsst) und Trudy (Kali Hawk, Beauty Shop) reisen sie nur nach Eden, um zu relaxen und Spaß zu haben. Der Beziehungs-Guru Marcel (Jean Reno, Der rosarote Panther 2) macht den Erholung lechzenden Urlaubern jedoch einen gehörigen Strich durch die Rechnung: Die Paar-Therapie ist auf Eden nämlich obligatorisch. Wenn eines der vier Paare nicht an ihr teilnimmt, müssen auch alle anderen das tropische Paradies umgehend wieder verlassen...

Das Thema Trennung scheint Vince Vaughn sehr zu interessieren - dabei war er selbst nie verheiratet und seine Eltern trennten sich erst, als er längst erwachsen war: Nach Trennung mit Hindernissen setzt sich Vaughn - in Zusammenarbeit mit Dana Fox (Love Vegas) und John Favreau (Regie: Iron Man) - im Drehbuch zu „All Inclusive“ erneut mit dem möglichen Ende gleich mehrerer Beziehungen auseinander. Für Favreau ist es nach Filmen wie „Swingers“ oder „Made“ bereits die fünfte Verfilmung eines seiner Scripts, in der er und Vaughn genau wie bei „All Inclusive“ selbst die Hauptrollen spielen. Auf den ersten Blick hat das Trio auch einen ganz ordentlichen Job gemacht: Die Ausgangslage von „All Inclusive“ ist für eine romantische Komödie nicht gänzlich uninteressant, die Figuren sind relativ rund und die Dialoge halten einige zündende Oneliner bereit. Andererseits ist „All Inclusive“ aber auch extrem vorhersehbar und viele der Episoden verlassen sich zu sehr auf Altbewährtes. Auch ein Regisseur mit mehr Erfahrung als der ehemalige Kinderstar Peter Billingsley („Fröhliche Weihnachten“), der mit „All Inclusive“ seinen ersten Kinofilm abliefert, hätte zwar die Story-Schwächen nicht beseitigen können, aber eine schwungvollere und etwas kreativere Inszenierung hätte vielleicht schon ausgereicht, um das Potential des Stoffes besser auszuschöpfen und ein wenig über den eintönigen Plot hinwegzutrösten.

Die illustre Gruppe bekannter Schauspieler, die hier gemeinsam auf die Insel fährt, hat die unterdurchschnittliche Komödie aber zumindest an den US-Kinokassen vor dem Untergang in den Fluten gerettet. Die Zeiten, in denen namhafte Hauptdarsteller allein den kommerziellen Erfolg eines Films garantierten, sind zwar vorüber – aber am US-Box-Office spielte „All Inclusive“ in erster Linie aufgrund der beteiligten Namen am ersten Wochenende stolze 35,3 Millionen Dollar ein. Das Ensemble überanstrengt sich vor der Kamera allerdings nicht gerade und liefert akzeptable, aber keinesfalls begeisternde Leistungen ab: Kristen Bell, Kristin Davis und Malin Akerman verkörpern die ihnen zugedachten weiblichen Stereotypen ohne Schwierigkeiten – aber eine schauspielerische Herausforderung sieht eben auch ganz anders aus. Jason Bateman und John Favreau bleiben ebenfalls unter ihren Möglichkeiten. Dafür kann man sich auf Vince Vaughn voll und ganz verlassen, wenn es darum geht, eine Pointe mit dem richtigen Grad an Enthusiasmus rauszuhauen. Jean Reno ist als Chef-Therapeut hingegen völlig fehl am Platze. Jedesmal, wenn er mit Kaftan und kleinen Flecht-Zöpfchen am Hinterkopf auf der Bildfläche erscheint, löst das eine tsunamiartige Welle aus Fremdscham aus.

Fazit: „All Inclusive“ ist ein 08/15-Date-Movie mit einer betörenden Aussicht. Doch je länger man sich den paradiesischen Handlungsort und die durchschnittlichen Schauspielleistungen betrachtet, desto mehr drängt sich die Vermutung auf, dass Kristen Bell und Co. beim Dreh auf Bora-Bora sehr viel mehr Spaß hatten als der Zuschauer beim Kinobesuch von „All Inclusive“.
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