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Blood Fighter - Hölle Hinter Gitter
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
0,5
katastrophal
Blood Fighter - Hölle Hinter Gitter
Von Christian Horn
Karate- und Kickbox-Filme sind eine Sache für sich. Vor allem, wenn sie nicht aus Asien stammen. Während viele Kampfkunstfilme aus Fernost, man erinnere sich nur an Ong-Bak, zumindest noch mit ihren dynamischen und akrobatischen Kampfszenen punkten, zeichnen sich westliche Genrebeiträge häufig durch eine hölzerne Plumpheit aus. Ausnahmen gibt es nur wenige: Kickboxer oder Bloodsport mit Jean-Claude van Damme entwickeln beispielsweise wenigstens noch einen gewissen Charme. Der deutsche Verleih der Direct-to-DVD-Veröffentlichung „Bloodsport – The Red Canvas“ war daher ganz findig, als er den Versuch unternahm, dem grottigen Machwerk mittels eines irreführenden Titels zumindest einen oberflächlichen Attraktionswert einzuhauchen. Spätestens nach den ersten fünf Minuten ist dann aber klar, dass „The Red Canvas“ einen absoluten Tiefpunkt des Kickbox-Genres markiert und gegen das Van-Damme-Original ordentlich abstinkt. Die Regie-Debütanten Kenneth Chamitoff und Adam Boster versagen auf der ganzen Linie – selbst beim besten Willen ist ihrem kruden B-Movie aber auch wirklich gar nichts Positives abzugewinnen.

Der Gefängnisdirektor Harbin Rask (John Savage) lässt seine Insassen in knallharten Mann-gegen-Mann-Kämpfen gegeneinander antreten. Der ehemalige Straßenkämpfer Johnny Sanchez (Ernie Reyes Jr.) kämpft sich mit beinhartem Können an die Spitze der Knast-Liga. Rask erkennt seine Chance und lässt Johnny frei. Der Ex-Knacki soll für ihn beim Red-Canvas-Fight-Wettbewerb antreten und die Meisterschaft gewinnen. Rask hat nämlich noch eine Rechnung mit dem Besitzer der Liga offen, dem biestigen Vietcong-General Krang (George Takei). Und dieser hat natürlich auch noch ein Kämpfer-Ass im Ärmel: nämlich einen mit Drogen aufgeputschten Berserker, der Johnny zermalmen soll…

Die Story von „The Red Canvas“ ist zwar eigentlich Nebensache, wird aber dennoch breit und umständlich ausgeführt. Neben Johnnys Schwester, seinem Schwager und dem obligatorischen Mentor treten zahlreiche weitere überflüssige Nebenfiguren auf. Kenneth Chamitoff, der für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, verlagert die Vorgeschichte des Films - ohne Rückblenden - bis in die Wirren des Vietnam-Kriegs und etabliert dabei allerlei Intrigen und Beziehungen. Es liegt freilich nicht an der Komplexität der Geschichte, dass es überaus schwer fällt, dabei nicht den Überblick zu verlieren. Vielmehr wird die Story schlicht und ergreifend miserabel aufbereitet. Die Informationen werden dem Betrachter dermaßen dilettantisch und unkoordiniert vorgesetzt, dass er einen Gutteil des Puzzles selbst zusammen setzen muss. Mal ganz abgesehen davon, dass Langeweile und einsetzendes Desinteresse ein Verfolgen der wirren Handlung zusätzlich erschweren.

Die Kampfszenen, das eigentliche Herzstück des Films, reißen dann leider auch nicht viel. Schnelle Schnitte, hektische Zooms und das übliche Spiel mit Zeitlupen dominieren die mit einer Handkamera eingefangenen Choreographien. Nach beinahe jedem Kick oder Schlag wird sofort geschnitten – dynamisch wirken die Actionszenen so nie. Der Versuch, in der Postproduktion ein wenig Schwung in die Sache zu bringen, ist gehörig schief gelaufen. Warum „The Red Canvas“ eine FSK-18-Freigabe erhalten hat, bleibt ein Rätsel: Die Kickbox-Einlagen warten zwar mit wuchtigen Schlägen und Tritten auf, kommen aber ohne Blut und Knochenbrüche aus. Wahrscheinlich liegt es an der hirnlosen Gewaltverherrlichung.

Die Story ist mies, die Actionszenen sind lau. Den Todesstoß versetzen die Regisseure Kenneth Chamitoff und Adam Boster ihrem Werk dann aber durch die völlige Abwesenheit jeglicher handwerklicher Kompetenz. Die Bilder sehen aus wie aus einer Telenovela, der Cast ist mehr als übel und die Musik nicht der Rede wert. Fast jede Einstellung bricht zu früh ab und die Aufnahmen sind so holprig aneinander geschnitten, dass es selbst dem Laien auffallen muss: Da waren Stümper am Werk.

Von Chamitoff und Boster wird man in absehbarer Zeit wohl nichts mehr hören. In ihrem Debüt „The Red Canvas“ haben sie alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann – nicht mal als Trash-Nummer taugt der Film, der alles in allem eine einige Frechheit ist. So werden auch nur die masochistischsten unter den Videotheken-Kunden es fertig bringen, bis zum Endkampf durchzustehen. Ob Johnny den dann gewinnt? Egal, wen interessiert’s.
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