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    Zoolander No. 2
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Zoolander No. 2
    Von Andreas Staben
    In der Kritik zu „Brüno“ bezeichnete der FILMSTARTS-Rezensent Sacha Baron Cohens Ausflug in die Mode- und Entertainmentwelt als „Borat Reloaded“. Gemeint war, dass der britische Brachialkomiker bei seinem Kinoauftritt als schwuler österreichischer Fashion-Guru Brüno die gleichen Methoden angewendet hat wie bei seiner oscarnominierten USA-Tour in der Rolle des kasachischen Journalisten Borat. Und beim zweiten Mal sei das Ganze halt nicht mehr ganz so frisch, originell und lustig wie beim ersten. Das ist natürlich kein seltener Befund, wenn es um die Bewertung echter oder verkappter Sequels geht, und er trifft nun auch auf Ben Stillers „Zoolander No. 2“ zu, mit dem die tumben männlichen Supermodels Derek Zoolander und Hansel nach 15 Jahren ins Kino zurückkehren. Für die Zuspitzung der eher fröhlichen Nonsens-Persiflage „Zoolander“ ins schmerzhaft-satirische Extrem hat „Brüno“ in der Zwischenzeit gleichsam schon gesorgt und auch im Vergleich dazu fällt das Comeback des verspätet zur Kultfigur gewordenen Erfinders des ausdruckslosen „Blue Steel“-Looks enttäuschend aus. In der erneuten Endlos-Kaskade von Kalauern und Anspielungen gibt es immer noch eine Menge brauchbarer Einfälle, aber wo „Zoolander“ den Charme des Unbekümmert-Albernen hatte, wirkt „No. 2“ allzu kalkuliert und abgestanden.

    Einst haben die beiden Supermodels Derek Zoolander (Ben Stiller) und Hansel (Owen Wilson) einen Mordanschlag auf den Premierminister von Malaysia vereitelt und befanden sich auf dem Gipfel ihrer Karrieren, doch nach diversen Schicksalsschlägen haben sich die beiden Freunde entzweit. Nachdem Derek das Sorgerecht für seinen Sohn Derek Jr. (Cyrus Arnold) verloren hat, ist er verschwunden und wurde seit Jahren nicht gesehen. Als Justin Bieber in Rom Opfer eines brutalen Serientäters wird, der Popstars attackiert, und mit seinem letzten Atemzug einen von Zoolanders berühmtesten Looks zitiert, braucht Fashion-Agentin Valentina Valencia (Penélope Cruz) die Hilfe des untergetauchten Models - denn nur sein Schöpfer selbst kann die Feinheiten des von Ausdrucks deuten. Netflix-Lieferant Billy Zane (Billy Zane) gelingt es schließlich, Zoolander in seinem Unterschlupf im extremen Norden von New Jersey ausfindig zu machen. Der Aussteiger lässt sich zur Mitarbeit überreden, weil er seinen Sohn zurückgewinnen will. Bald entdeckt der mit dem ebenfalls wieder aufgetauchten Hansel versöhnte Zoolander Anzeichen für eine bizarre Verschwörung, bei der sein inhaftierter Erzfeind Mugatu (Will Ferrell) seine Finger im Spiel zu haben scheint. Doch welche Rolle spielt Pop-Legende Sting?


    Schon „Zoolander“ war kaum mehr als eine Folge von sehr unterschiedlichen Gags, Popkultur-Anspielungen und Prominenten-Gastauftritten, die durch einen lächerlichen Plot mehr schlecht als recht zusammengehalten wurden. Allerdings war dort nicht nur die Trefferquote deutlich höher als hier, die beiden unwahrscheinlichen Hauptfiguren Zoolander und Hansel hatten auch entwaffnenden Charme. Ihre Beschränktheit bekam durch die Chemie zwischen Ben Stiller („Tropic Thunder“) und Owen Wilson („Midnight in Paris“) sogar etwas Warmherziges. In „Zoolander No. 2“ bleibt davon kaum etwas übrig: Als Derek Zeuge wird, wie der vermeintlich entstellte Hansel erstmals nach Jahren seine Maske abnimmt und ein winziger Kratzer zum Vorschein kommt, reagiert er, als hätte er Frankensteins Monster gesehen. Der billige Gag (so oberflächlich und aufs Äußerliche bedacht sind die Modemenschen) geht auf Kosten der Titelfigur, die in dieser gnadenlos in die Länge gezogenen Sequenz nicht mehr liebenswert-doof ist, sondern schlicht dumm. Wenn Derek in einer anderen Szene mutmaßt, dass sein Sohn ein schlechter Mensch sein müsse, weil er fett ist, hat das immerhin etwas satirischen Biss. Nur selten sind die Witze wirklich provokant wie die „Al-Qaida-Sprengstoffgürtel-Kollektion“, öfter sind sie opportunistisch (etwa wenn der im Prolog überzeugende Justin Bieber später doch noch einen mitbekommt) oder allzu aufgesetzt wie der Kurzauftritt des kaum wiederzuerkennenden Benedict Cumberbatch („The Imitation Game“) als übergeschlechtliches Wesen All.


    Im Umgang mit Zeitgeistigem ist der Film genauso oberflächlich wie die Branche, die er ins Visier nimmt, sodass Tommy Hilfiger, Marc Jacobs, Vera Wang und Co. ohne Bedenken beim Verschwörungsschabernack im Finale mitmachen können. Das einzige bemerkenswerte Fashionstatement sind die überkandidelten Kostüme von Kristen Wiig („Brautalarm“) als Mode-Mogulin Alexanya Atoz. Eines der klobigen Ungetüme sorgt auch mit für einen der komischen Höhepunkte des Films, wenn es die Kussversuche von Wiig und Will Ferrell behindert. Der zieht als Mugatu wieder ungerührt seine virtuos absurde Bösewicht-Nummer durch und sorgt für etwas Energie in dem zwischendurch etwas trägen Geplänkel, aber er hatte mit „Anchorman 2“ mehr Fortsetzungsglück. Dabei lassen die Macher kaum etwas unversucht: In komplizierten Verrenkungen wird sogar die Schöpfungsgeschichte umgeschrieben (zu Adam und Eva gesellt sich das originale Supermodel Steve) und auch die Schwangerschaft für Männer ist hier nichts völlig Unmögliches wie ein Promi-Gastauftritt zeigt. Vor allem wird jeder noch so fadenscheinige erzählerische Vorwand genutzt, um kurz eine Berühmtheit in die Kamera blinzeln zu lassen. Ganz witzig ist es dabei, wenn die Stars sicherheitshalber namentlich begrüßt werden oder sich vorstellen, falls man sie nicht erkennt („Hallo Katy Perry“, „Ich bin Neil de Grasse Tyson“). Das bringt die Celebrity-Kultur irgendwie auf den Punkt und ist zugleich einer der eleganteren erzählerischen, wenn auch nicht neuen Schlenker in einem Film, der ansonsten oft ähnlich tumb daherkommt wie sein Titelheld.

    Fazit: Der Zahn der Zeit hat an Zoolander und Co. genagt: Die Komödienfortsetzung bleibt in allen Belangen hinter dem 15 Jahre alten Original zurück.
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