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Contact
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
5,0
Meisterwerk
Contact
Von Carsten Baumgardt
Wie würde die menschliche Zivilisation auf die reale Existenz von Außerirdischen reagieren? Und wie verändert sich dadurch die Gesellschaft? Mit diesen Kernfragen beschäftigt sich Robert Zemeckis fulminantes, philosophisch angehauchtes Science-Fiction-Drama „Contact". Die Verfilmung des Bestsellers von Carl Sagan ist hervorragend gespielt, optisch brillant und von Anfang bis Ende geistreich durchdacht.

Die Astronomin Dr. Ellie Arroway (Jodie Foster) ist nicht nur eine exzellente Wissenschaftlerin, sie ist auch sehr eigensinnig. Geplagt von Bindungs- und Verlustängsten, verursacht durch den frühen Tod ihrer Eltern, konzentriert sich Ellie nur auf ihre Arbeit. Als Leiterin des SETI-Projekts (Search for Extra Terrestrial Intelligence) forscht sie mit ihrem Team nach Signalen außerirdischen Lebens aus dem All. Kurz vor der Einstellung des SETI-Programms gelingt Ellie der große Durchbruch. Sie empfängt eine verschlüsselte Botschaft aus dem Planetensystem Vega. Nach einiger Zeit können die Experten ein Signal einer alten TV-Übertragung isolieren. Die Bilder von Hitlers Eröffnungsrede der Olympischen Spiele 1936 in Berlin irritieren Politiker wie Militärs, die bereits die Kontrolle über das Projekt übernommen haben. Unter den Frames der TV-Bilder versteckt sich jedoch noch viel mehr. Tausende von verschlüsselten Codeseiten, die aber zunächst keiner enträtseln kann. Erst als dies doch noch gelingt, stellt sich heraus, dass die Seiten eine Anleitung zur einer Art Raum-Zeit-Transporter sind. Ein weltweites Konsortium stellt ein Team zusammen, das einen Menschen zur Vega schicken will. Ellies Vorgesetzter David Drumlin (Tom Skerritt) sticht sie aus und erhält den Zuschlag für die Mission...

Mit „Zurück in die Zukunft" hat Robert Zemeckis das Publikum auf's Beste unterhalten, mit „Forrest Gump" überzeugte er zusätzlich noch Kritiker und Oscar-Juroren, den nächsten Schritt macht er nun mit seinem philosophischen Sci-Fi-Drama „Contact". Zemeckis widmet sich Carl Sagans hochinteressanter Verknüpfung zwischen Roman und wissenschaftlicher Fiktion, die er 1985 in dem Bestseller „Contact" auf brillante Art und Weise vollführte. Für die Verfilmung steuerte das 1996 verstorbene Mulitalent Sagan auch das Drehbuch bei. Dabei setzt Meister-Regisseur Zemeckis nicht auf vordergründige Alien-Paranoia wie Roland Emmerich in seinem Blockbuster „Independence Day", sondern ist mehr an dem geistigen Ansatz und den ideologischen Folgen interessiert. Wie verhält sich die Weltbevölkerung angesichts der Kenntnis außerirdischen Lebens? An dieser Kernthematik hangelt sich die Handlung entlang. Über zweieinhalb Stunden kann Zemeckis seine Zuschauer mit Ideen unterhalten. Das Zusammentreffen von Zweiflern, religiösen Fanatikern, Spinnern, Weltraum-Fans, taktierenden Politikern, skeptischen Militärs und idealistischen Wissenschaftlern bilden den atmosphärischen Hintergrund, die Stimmung, die sich nach der Entdeckung der Botschaft breit macht.

Die exzellent besetzte Schauspielriege setzt Zemeckis großartig in Szene. Jodie Foster liefert als zutiefst eigensinnige, aber brillante Wissenschaftlerin eine Glanzleistung ab, verleiht ihrem Charakter viel Tiefe. Jederzeit kann sie den Film dominieren. Die Nebenrollen sind ebenso exquisit besetzt. Matthew McConaughey macht als spiritueller Berater des Präsidenten und Fosters Love Interest eine glaubwürdige Figur, Tom Skerritt hat als skrupelloser Top-Wissenschaftler einen starken Auftritt, doch der heimliche Star des Films ist John Hurt, der den mit Abstand spannendsten Charakter verkörpert. Als todkranker Milliardär S. R. Hadden („Warum eine Anlage bauen, wenn man zum doppelten Preis zwei haben kann?") verleiht er seiner Figur eine faszinierende Ambivalenz. Im Buch fällt seine Rolle noch etwas größer aus, dennoch ist er die Schlüsselfigur von „Contact". Immer dann wenn, sein Protegé Arroway/Foster in Bedrängnis und in Gefahr gerät, aus dem großen Spiel um das Ticket zur Vega auszuscheiden, spielt ihr Hadden/Hurt den Trumpf zu, der sie in die beste Position bringt. Die moralisch gradlinige Wissenschaftlerin hat keine Skrupel, die Hilfe des manipulierenden exzentrischen Milliardärs anzunehmen, weil sie sich von Politik und Wirtschaft verraten und verkauft fühlt. Genau diese überraschenden Momente transportieren die Handlung voran, geben ihr den Kick.

Produktionstechnik konnte Zemeckis aus dem Vollen schöpfen. Mit einem Budget von 90 Millionen Dollar im Rücken bietet er phantastische Sets und edle Designs: „Contact" ist optisch auf höchstem Niveau und von Don Burgess stilvoll photographiert. Perfekt schafft Zemeckis den Eindruck von Authentizität. Jay Leno, mehrere CNN-Reporter und (wenn auch unfreiwillig) der damalige US-Präsident Bill Clinton werden in den Film eingebunden. Ein Werk wie aus einem Guss. Die schöne Schlusspointe, wenn sich rationale Wissenschaft und emotionale Religiosität vermischen, stellt die Ideologien der Protagonisten auf den Kopf und sorgt für einen cleveren Ausklang des Films. So ist „Contact" ein zum Denken anregendes Meisterwerk.
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