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    Winnie Puuh
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Winnie Puuh
    Von Jonas Reinartz
    Winnie Puuh (oder Pu der Bär, wie er zunächst in Deutschland hieß) hat eine beachtliche Karriere vorzuweisen. 1926 erblickte er im gleichnamigen Kinderbuch von Alan Alexander Milne das Licht der Welt und hat seitdem einen Platz in den Kinderherzen dieser Welt sicher. Das durch die Spielzeugsammlung von Milnes Sohn Christopher Robin inspirierte naiv-putzige Stofftier wurde vor allem durch Walt Disneys Zeichentrickschmiede bekannt. 1966 erschien ein erster Kurzfilm namens „Winnie Puuh und der Honigbaum", dem diverse Fortsetzungen folgten, aber auch der Kinofilm „Die vielen Abenteuer von Winnie Puuh" (1977), Serien, Direct-to-Video-Filme sowie diverse Spin-Offs, zuletzt „Heffalump". Nun erscheint „Winnie Puuh", das offizielle Kinosequel. Im Gegensatz zu den vorherigen Heimkino-Produktionen ist die visuelle Qualität erwartungsgemäß höher, ansonsten gilt: „Business as usual". Das darf hier im Übrigen als Kompliment gelten. Kinder werden sich an den niedlichen Figuren erfreuen und auch deren Eltern können sich durchaus amüsieren, dank überraschender Regie-Spielereien.

    Es ist wahrlich kein guter Tag für Winnie Puuh. Nachdem er sich äußerst mühsam aus dem Bett gequält hat, muss er zunächst feststellen, dass sein Honigvorrat komplett aufgebraucht ist. Von seinem knurrenden Magen angetrieben, macht sich der kleine Vielfraß auf die Suche nach etwas Essbarem. Auf seinem Weg reißen die Hiobsbotschaften nicht ab. Auf mysteriöse Weise hat der Esel I-Aah seinen Schwanz verloren und gibt sich dunklen Stimmungen hin. Als plötzlich Christopher Robin verschwindet und einen seltsamen Zettel hinterlässt, scheint plötzlich alles einen Sinn zu ergeben. Ein Monstrum muss wohl Winnie und seine Freunde heimsuchen, dessen Meisterstück die Entführung des Jungen darstellt. Auf die Idee, dass die vermeintlich ungeheuer gelehrte Eule, welche diese Verschwörungstheorie ersonnen hat, eventuell lediglich die handschriftliche Notiz missverstanden haben könnte, kommt niemand. So machen sich also alle an die Arbeit, um das Ungeheuer dingfest zu machen. Chaos ist vorprogrammiert...

    Im Grunde plagen den kleinen Bären und seine Freunde stets Scheinprobleme. Das mag naiv scheinen, doch haben diese Geschichten einen nicht zu leugnenden Vorteil – sie sind uneingeschränkt kinderfreundlich. Da fällt mal eine Figur auf die andere, oder wird von Bienen gejagt. Stets aber bleibt das wilde Waldtreiben harmlos und für jedes Alter geeignet. Angenehm: Auf übertriebene Moralpredigten wird in „Winnie Puuh" verzichtet. Zwar werden Werte wie Freunschaft oder Hilfsbereitschaft vermittelt, allerdings verhältnismäßig subtil. Auch bezüglich des Zeichenstils ist alles beim Alten geblieben. In vertrauter Machart präsentieren sich der Hundertmorgenwald und seine Bewohner. Gelegentliche CGI-Elemente, beispielsweise eine Honigwelle, fügen sich fast nahtlos in den seit Jahrzehnten bewährten klassichen Stil ein. Dazu gehören freilich auch die üblichen Disney-Songs, die hier phasenweise zu dominant eingesetzt werden.

    Für Abwechslung sorgen immerhin einige phantasievoll-farbenprächtige Sequenzen, etwa ein überschwänglicher Traum Winnies. Obgleich ein Winnie-Puuh-Film ein Selbstfläufer ist, haben sich die Macher Mühe gegeben und Details integriert, die kein Kind interessieren und dennoch so manchen gezwungenermaßen mitschauenden Elternteil zum Schmunzeln bringen dürften. So finden sich etliche Sequenzen, in denen der Erzähler auf dem Off mit seinen Figuren spricht oder das Geschehen als bewegte Illustration auf einer Buchseite präsentiert wird. Dies kann so weit gehen, dass die Figuren aus ihrer Welt ausbrechen und fröhlich über Buchstaben laufen - die widerum auch beweglich sind, ganz zu Winnies Vorteil.

    Dazu passt auch, dass der Film mit einer Realszene beginnt, nämlich dem Blick in Robin Christophers Kinderzimmer. Dort werden die Stofftier-Figuren präsentiert, bevor die Kamera das Buch in den Fokus nimmt die eigentliche Handlung beginnt. Diese Verspieltheit lenkt die kleinen Zuschauer nie vom Geschehen ab, während der clever-reflexive Erzählstil älteren Zuschauern das ein oder andere Lächeln aufs Gesicht zaubern dürfte. Die Handlung derweil entfaltet sich so gemächlich wie Winnies Morgenroutine, mit gerade einmal gut einer Stunde Spieldauer wird allerdings auch niemand auf eine Geduldsprobe gestellt. Nichts Neues im Hundertmorgenwald also! „Winnie Puuh" bietet genau das, was man von der Firma mit den Mausohren seit Ewigkeiten gewohnt ist: professionell produziertes, kindgerechtes Entertainment, bei dem kein Erwachsener den Kopf schütteln muss.
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