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    Runaway Girl
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,0
    schlecht
    Runaway Girl
    Von Robert Cherkowski

    Das Wichtigste beim Film sind nicht die Stars oder ein großes Budget, auch nicht versierte Techniker oder ein perfektionistischer Regisseur. All das schadet zwar nicht, doch ohne eine interessante Geschichte kann kaum ein guter Spielfilm entstehen. Auf eindrückliche Weise bestätigt Derick Martinis „Runaway Girl", dass auch technisches Knowhow, ein namhaftes Ensemble, ausreichend finanzielle Mittel und eine brauchbare Grundidee wenig bringen, wenn die erzählerische Linie fehlt. Nie wird so recht klar, worum es hier eigentlich geht und auch atmosphärisch herrscht Unentschiedenheit. Während andere unorthodoxe Mischungen von Genres und Stimmungen oft einen ganz eigenen Reiz haben, ist diese Tragikomödie einfach nur unausgegoren.

    Wer Eltern hat wie Luli (Chloë Grace Moretz), der braucht keine Feinde. Ihre Erzeuger Tammy und Nick (Juliette Lewis und Anson Mount) sind übelster, ständig besoffener White-Trash und streiten sich ständig. So verbringt Luli die meiste Zeit mit sich selbst und ihren Träumereien: Irgendwo muss doch der Märchenprinz sein, der sie aus ihrem Elend herausholt. Der lässt allerdings auf sich warten und als ihre Mutter eines Tages die Familie verlässt, fällt für Luli der Groschen. Sie packt ihre Sachen und auch die Pistole, die man ihr zum Geburtstag geschenkt hat und macht sich auf, um selbst nach Mr. Right Ausschau zu halten. Bevor der aber gefunden ist, lernt Luli eine bunte Truppe von Lebenskünstlern kennen: Neben dem in Cowboy-Tracht gekleideten Eddie (Eddie Redmayne) wird auch der gefallene Engel Glenda (Blake Lively) zu einem treuen Begleiter auf ihrer Reise.

    Längst sind die Genre-Grenzen fließend: Ein Horrorfilm darf komisch, eine Komödie tragisch, ein Drama witzig und ein Actionfilm anspruchsvoll sein. Wenn ein Filmemacher also über den Tellerrand einer Gattung hinaussehen will, ist das grundsätzlich überhaupt kein Problem - aber es sollte mit Sinn und Verstand geschehen. Aber der ist hier nicht erkennbar: „Runaway Girl" ist ein planlos und steril wirkendes Gemisch von Drama, Komödie und Groteske im Indie-Gewand. Regisseur Martini kann oder will sich nicht entscheiden, in welche Richtung es gehen soll: In einem Moment scheint es bei „Runaway Girl" um eine giftige White-Trash-Satire zu handeln (die wiederum von der warmen „Gilmore Girls"-Optik unterlaufen wird), im nächsten wirkt der Film wie ein Thriller und dann wie eine Komödie oder vielleicht doch wie beides auf einmal. Hier werden vornehmlich Klischees wiedergekäut, Spannung und Spaß bleiben dabei ebenso auf der Strecke wie echte Emotionen.

    Selbst die Darsteller wirken, als würden sie in ganz unterschiedlichen Filmen mitwirken. Juliette Lewis („Kap der Angst") und Anson Mount („Safe") geben die schmierigen Trailer-Park-Eltern so laut, derb und grell, dass man sich in einer Komödie wähnt. Speziell Lewis, die in ihrer Karriere schon so manche White-Trash-Figur verkörpert hat (man denke etwa an „Kalifornia" oder „Natural Born Killers") wirkt dabei wie eine Parodie ihrer selbst. Auch Blake Lively („Savages", „Green Lantern") die als Glenda gleichermaßen große Schwester und Ersatzmutter für Luli ist, vermag ihrer bereits oberflächlich angelegten Rolle keine nennenswerten zusätzlichen Facetten abzugewinnen. Ähnlich ergeht es der jungen Hauptdarstellerin Chloë Grace Moretz („Kick-Ass" „Hugo"). Sie macht zwar das Beste aus ihrer Rolle, doch viel mehr als das Abziehbild eines jugendlichen Wildfangs in einer klischeehaften Odyssee gibt das Drehbuch nicht her. Am besten schlägt sich unter den Darstellern noch der alte Profi Alec Baldwin („30 Rock", „The Departed"), der seinen kleinen Part als Beau mit Verve bestreitet.

    Fazit: „Runaway Girl" ist weder Fisch noch Fleisch und zieht sich trotz prominenter Besetzung weitgehend frei von Spannung, Emotion und Witz dahin.

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