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Tal der Wölfe - Palästina
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
0,5
katastrophal
Tal der Wölfe - Palästina
Von Christoph Petersen
Nachdem die FSK dem türkischen Actionfilm „Tal der Wölfe – Palästina" von Zübeyr Şaşmaz eine Freigabe ab 16 Jahren verweigerte, hatte der deutsche Verleih Pera Film zunächst angekündigt, Beschwerde einlegen zu wollen und den Kinostart deshalb zu verschieben. Aber nun ist der Film doch wie geplant in die Kinos gekommen, was auch wir nur durch Zufall mitbekommen haben. Deshalb konnten wir uns den Film auch nicht direkt am Starttag, sondern erst in einer Vorstellung am Freitagmittag (die für diese Zeit mit etwa 25 Zuschauern ausgesprochen gut besucht war) für euch anschauen. Dabei stellt sich natürlich zunächst die Frage, ob all die Aufregung um die bisher teuerste türkische Produktion (Budget: 10 Millionen Dollar) nun berechtigt ist oder nicht. Die Antwort ist eindeutig: „Tal der Wölfe – Palästina" ist ein astreiner Propagandastreifen, der all die erprobten Stilmittel des Genres einsetzt, um gegen den Staat Israel und seine Bewohner zu hetzen. Goebbels wäre zufrieden gewesen.

Der türkische Agent Polat Alemdar (Necati Şasmaz) und seine Mannen reisen nach Palästina, um den israelischen Befehlshaber Moshe Ben Eliezer (Erdal Beşikçioğlu) zu eliminieren, den sie für den Angriff israelischer Streitkräfte auf eine Hilfsflotte für Palästina im Mai 2010 verantwortlich machen. Doch statt sich unauffällig an ihr Ziel heranzupirschen, beginnt Polat schon an der ersten Straßensperre eine wilde Schießerei, nach der er die jüdisch-amerikanische Reiseführerin Simone (Nur Aysan) unter seine Fittiche nimmt, um sie vor Moshes Schergen zu beschützen. Was Polat allerdings nicht weiß: Moshe und der einflussrieche Israeli Avi (Mustafa Yaşar) verhandeln gerade über eine Lieferung verbotener chemischer Munition, mit der sie die israelischen Siedler beliefern wollen, damit diese wirkungsvoller die einheimischen Palästinenser vertreiben können...

Als „Tal der Wölfe - Irak" 2006 in die Kinos kam, war der Aufschrei unter Feuilletonisten und CSU-Politikern groß. Trotzdem habe ich dem Film damals in meiner Kritik 2,5 von 5 Sternen gegeben. Natürlich hatte der Film antiamerikanische und antijüdische Tendenzen, aber am Ende predigte er doch eine Politik der Geduld. Doch mit dieser sind die Macher nun ganz offensichtlich am Ende. „Tal der Wölfe – Palästina" ist hetzerische Propaganda, wie sie im Buche steht. Nun ist diese sicherlich nicht so wirkungsvoll wie im Fall des berühmtesten Propagandafilms aller Zeiten, Veit HarlansJud Süß", weil sie dessen perfide Subtilität nicht annähernd erreicht, aber man sollte sich von der platten und vordergründigen Herangehensweise trotzdem nicht täuschen lassen: Am Ende der von mir besuchten Vorstellung (in Berliner Stadtteil Wedding) wurde ausdauernd applaudiert.

Es geht schon in der Auftaktsequenz mit der billigen Hetze los: Moshe befiehl einer Hubschrauberbesatzung, eines der Konvoischiffe zu stürmen. Dabei schießen die mit Maschinengewehren bewaffneten Soldaten wahllos in die wehrlose Menge und Fliehenden sogar in den Rücken - Moshes trockener Kommentar: „Ist ja trotzdem ganz gut gelaufen." Danach lässt er jedem seiner Soldaten eine Belohnungszigarre zukommen. Später gehen die Filmemacher sogar noch weiter, wenn Moshe bei der Räumung des Hauses einer palästinensischen Familie einen etwa achtjährigen, nach einer Schussverletzung gelähmten Jungen liegen lässt. Schließlich könne er es doch bestimmt allein aus dem Haus schaffen, wo er doch einer dieser Widerstandhelden sei. Direkt im Anschluss wird das Haus abgerissen, die Oma erschossen und der Junge unter den Trümmern begraben. Moshe wäre einfach nur die schlechte Karikatur eines Kinobösewichts, wenn es hier nicht vornehmlich darum ginge, das Publikum gegen den Staat Israel aufzuhetzen.

Immer wieder verlässt Regisseur Zübeyr Sasmaz seinen Direct-to-DVD-Autopiloten (eines der Mitglieder der türkischen Einsatztruppe ballert irgendwohin – Schnitt – ein israelischer Soldat bricht tot zusammen), um zu in pseudo-ernsthaftem Ton gehaltenen politischen Diskussionen umzuschwenken. Diese hören sich dann in etwa so an (Thilo Sarrazin lässt grüßen):

Böser Israeli 1: „Bald werden Israelis in ihrem eigenen Land in der Unterzahl sein."
Böser Israeli 2: „Ja, aber Moslems zu töten bringt auch nichts, dafür pflanzen sie sich viel zu schnell fort."

Dazu kommen dann noch Davidsterne, die immer wieder als Symbol des Terrors und der Tyrannei in Szene gesetzt werden, und servierfertig ist der Antiisrael-Cocktail. Dass an zwei, drei Stellen dann auch mal Sätze wie „Unsere Feinde sind nicht die Juden, sondern die Tyrannen" eingestreut werden, ist da kaum mehr als schlecht kaschierte Heuchelei. Diese auf die niedersten Instinkte abzielende Propagandaabsicht ist in diesem Fall auch deshalb so schlimm, weil es über die aktuelle Politik Israels in Bezug auf Palästina tatsächlich genug Kritisches zu sagen gäbe. Aber auf seine hetzerische Art erstickt der Film natürlich jede ernstzunehmende Diskussion im Keim.

Fazit: „Tal der Wölfe – Palästina" ist ein vordergründiges Machwerk, das sich derselben Stilmittel bedient, die auch die Nationalsozialisten schon zur antisemitischen Stimmungsmache verwendet haben.
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