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Die Logan Verschwörung
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Die Logan Verschwörung
Von Robert Cherkowski
Immer wieder zieht es deutsche Regisseure über den großen Teich, wo Hollywood mit großen Budgets und Glamour lockt. Nur den wenigsten ist dabei solcher Erfolg vergönnt wie Roland Emmerich („Independence Day") oder Wolfgang Petersen („Troja"): Weder Oliver Hirschbiegel („Invasion") noch Florian Henckel von Donnersmarck („The Tourist") – um nur zwei prominente Beispiele zu nennen - gelang es bisher, mit ihren meist halbgaren Starvehikeln in ähnliche Hit-Dimensionen vorzustoßen. Nun gibt auch Philipp Stölzl sein englischsprachiges Kino-Debüt, das zwar als in Kanada und Belgien gedrehte internationale Co-Produktion kein Hollywood-Film im engeren Sinne ist, aber sich durchaus wie ein Produkt der Traumfabrik anfühlt. Mit seiner kurzweiligen und prominent besetzten Actionsause „Die Logan Verschwörung" ist dem gebürtigen Münchner Stölzl, der mit „Nordwand" und „Goethe!" vor allem visuell ansprechende Kino-Visitenkarten abgegeben und sein Talent auch schon in Musikvideos (Rammstein, Madonna), Werbespots (Deutsche Bank) und einigen Operninszenierungen („Der fliegende Holländer") gezeigt hat, der erste kleine Schritt gen Amerika durchaus gelungen.

Auf den ersten Blick ist Ben Logan (Aaron Eckhart) ein ganz normaler und bei jedermann beliebter Angestellter. Unter der Fassade des netten Kerls verbirgt sich jedoch eine Vergangenheit im Geheimdienst, von der Ben heute lieber nicht mehr spricht, schon gar nicht mit seiner ihm entfremdeten Tochter Amy (Lana Liberato) aus geschiedener Ehe. Mit dem ruhigen Leben des Spezialisten für Datenerkennung und Überwachungstechnik ist es jedoch bald vorbei, als er eines Tages ins Büro kommt und die gesamte Firmenetage leergeräumt ist. Wenig später werden Ben und seine Tochter von einem scheinbaren Kollegen entführt. Nachdem ihnen mit Mühe und Not die Flucht gelingt und sie von gedungenen Mördern gejagt werden, realisiert Ben, dass es etwas mit seiner Vergangenheit als Agent zu tun haben muss. Während ihn sowohl die besagten Killer als auch die Agentin Anna (Olga Kurylenko) quer durchs Land hetzen, hat Ben seiner Tochter einiges zu erklären.

„Die Logan Verschwörung" ist ein geradliniges kleines Action-Agenten-Drama ohne viel Schnickschnack, Regisseur Philipp Stölzl holt das Beste aus dem eher bescheidenen Budget von geschätzten 12 Millionen Dollar heraus und taucht seine Bilder in eine betongraue, hoffnungslose Kälte, mit der alle Anflüge von Humor schon im Keim erstickt werden: Es ist eine feindliche, auffällig gleichgültige und von allseitigem Misstrauen geprägte Welt, durch die sich Aaron Eckhart („Thank You For Smoking", „The Dark Knight") und seine Filmtochter Lana Liberato („Trust", „Trespass") schlagen. Das Verhältnis von Vater und Tochter durchläuft dabei eine überzeugende Entwicklung und es ergibt sich eine menschliche Fallhöhe, die sich erzählerisch auszahlt. Hier sind gute Figurenzeichnung und glaubwürdige Helden allemal wichtiger als ein fadenscheiniges Action-Inferno.

Trotz einer insgesamt etwas zu sehr auf komplex getrimmten, leicht überfrachteten Handlung – speziell ein Nebenstrang um die Geheimdienst-Agentin Anna (verschenkt: Olga Kurylenko) bremst den Film immer wieder aus – ist schnell erkennbar, dass auch die Macher von „Die Logan Verschwörung" im Kern der Erfolgsformel von „96 Hours" folgen, indem sie einen eher durch Charakterrollen renommierten Darsteller als brummbärigen Profi gegen eine illustre Schar von Düstermännern antreten lassen. Nachdem Mel Gibson in „Auftrag Rache", Sean Bean in „Cleanskin - Bis zum Anschlag" und Nicolas Cage in „Stolen" ihre Sache mal mehr, mal weniger gut machten, tritt nun Aaron Eckhart in die Fußstapfen des nordirischen Berserkers Liam Neeson und macht im Action-Sektor eine gute Figur. Mal verletzlich, mal hadernd, mal überfordert und fast immer mit einer in Falten gelegten Stirn gibt er einen fehlbaren, doch dafür umso menschlicheren Helden ab, mit dem man sich leicht identifizieren kann. Er ist dabei aber nie eine souverän-grimmige Ein-Mann-Armee, sondern stets verletzlich und nicht immer Herr der Lage, was sowohl den realistisch gehaltenen Actionszenen als auch der Spannung zugute kommt. Eine frühe Konfrontation zwischen Ben und dem Schergen Floyd (das internationale Wasser testend: „Goethe"-Darsteller Alexander Fehling) in einem fahrenden Auto gerät dann auch eher zu einem wüsten Gerangel als zu einem harten Schlagabtausch und eine andere Standardsituation aus dem Action-Repertoire wird hier mit überraschender Härte ausgeführt und gerät darüber zu einem unerwartet spannenden Höhepunkt. Solche Klasse blitzt zwar immer wieder auf, aber für höhere Genre-Weihen fehlt „Die Logan Verschwörung" als Ganzes noch das ein oder andere originelle Detail und ein wenig dramaturgischer Feinschliff.

Fazit: Philipp Stölzls englischsprachiger Erstling ist ein solides Action-Drama mit einem gut aufgelegten Hauptdarsteller.
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Kommentare

  • pwain
    Die Kritik hoert sich an, als ob man den Film nicht brauchen wuerde, da er ja mehr oder weniger die 96 Hours Geschichte mit anderen Darstellern erzaehlt. Schade eigentlich.
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