Willkommen in der Bretagne
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Willkommen in der Bretagne

2,5


Von Ulf Lepelmeier

Trotz Zukunftsangst und angespannter Wirtschaftslage wird in Frankreich so viel Nachwuchs geboren wie seit der Babyboomzeit der 70er-Jahre nicht mehr. Diese Geburtenschwemme ist europaweit einmalig, dennoch steht in „Willkommen in der Bretagne" ausgerechnet eine Entbindungsstation im Mittelpunkt, die wegen ihrer geringen Auslastung vor dem Aus steht. Das wollen die engagierten Bewohner der Kleinstadt Carhaix in Marie-Castille Mention-Schaars („Ma Première fois") Frauenkomödie natürlich nicht zulassen und machen sich zwischen Klassenkampf und Bowlingfieber ans Kinderkriegen. Die glänzend aufgelegten Darstellerinnen sorgen dabei für eine Wohlfühlatmosphäre, die über die revueartige Erzählweise sowie manche Längen hinwegtröstet.

Die drei Freundinnen Mathilde (Mathilde Seigner), Firmine (Firmine Richard) und Louise (Laurence Arné) leben in der verschlafenen Kleinstadt Carhaix, im Herzen der Bretagne. Sie sind auf der Suche nach einer vierten Mitstreiterin für ihr Bowlingteam, um bei den anstehenden Meisterschaften antreten zu können. Die Hebammen Mathilde und Firmine laden die vornehme Catherine (Catherine Frot), die aus Paris nach Carhaix versetzt wurde, um die Rentabilität des örtlichen Krankenhauses zu steigern, in Louises Bowlinghalle ein. Schon bald ist die Großstädterin Teil der Bowlingmannschaft und genießt die Herzlichkeit der Menschen der französischen Provinz. Doch dann stellt sich heraus, dass Catherine aufgrund der geringen Zahl an Entbindungen die Schließung der Geburtenstation forcieren muss. Mathilde, Firmine und Louise setzen alles daran, um dies zu verhindern und organisieren Demonstrationen und Streiks, denen sich die Bewohner von Carhaix mit Herzblut anschließen.

Vor der malerischen Kulisse der Bretagne treten die passionierten Bowlerinnen dafür ein, dass auch zukünftigen Generationen die Entbindung in dem verschlafenen Örtchen Carhaix möglich ist. Die Folgen von drohendem Jobverlust, die Härte der wirtschaftlichen Einschnitte oder der Stress von Streik und entschlossenem Widerstand, sind kaum das Thema von Regisseurin Mention-Schaar. Stattdessen stilisiert sie die Streikmentalität zum Teil des französischen Wesens: So wirken Demonstration und Streik nicht als letztes, fast verzweifeltes Mittel der Arbeiter, sondern wie ein Happening für Groß und Klein. Der mit großem Engagement und Spaß geführte Kampf gegen das Krankenhausmanagement wirkt so fast wie eine nette Freizeitbeschäftigung, die sich nicht großartig vom launigen Wettstreit um die Bowlingmeisterschaft unterscheidet. Dass dabei auch der angedeutete Konflikt zwischen den drei alteingesessenen Freundinnen und der Pariserin Catherine schnell vom Tisch ist, muss kaum erwähnt werden.

Es ist bisweilen befremdlich wie leicht die Filmemacher all diese ernsten Themen nehmen. Zudem schafft es die Regisseurin nicht die einzelnen Segmente zu einem homogenen Ganzen zu formen und der Geschichte überzeugenden Drive zu geben. Dazu sind die Figuren insgesamt allzu spürbar klischeebehaftet, aber dem spielfreudigen Ensemble gehören so oder so dennoch alle Sympathien: Allen voran amüsiert Catherine Frot („Die Köchin und der Präsident", „Odette Toulemonde") mit ihrer Darstellung einer zugeknöpfte Pariserin, die sich in der Provinz von ihrem lieblosen Ehemann zu emanzipieren sucht und dabei nach und nach ihre steife Art ablegt. Laurence Arné („Väter und andere Katastrophen") verkörpert ansprechend den attraktiven Sonnenschein Louise, während Firmine Richard („Triff die Elisabeths!") ihrer Figur eine entwaffnende Herzlichkeit mitgibt. Nur Mathilde Seigner („Eine Schwalbe macht den Sommer") schafft es nicht wirklich, den liebenswerten Kern hinter Mathildes leicht grimmig-herrischer Schale aufkeimen zu lassen. Ihrer Rolle wie dem ganzen Film fehlt der letzte Schliff, der aus „Willkommen in der Bretagne" mehr machen würde als durchaus amüsante, aber allzu milde Unterhaltung.

Fazit: „Willkommen in der Bretagne" ist eine warmherzige, aber harmlose Frauenkomödie um Sportsgeist und französische Streikmentalität, die mit hohem Wohlfühlfaktor punktet, aber durch erzählerische Schwächen bisweilen aus der Bahn gerät.

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