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    Redemption - Stunde der Vergeltung
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Redemption - Stunde der Vergeltung
    Von Stefan Dabrock

    Etwas Besseres als den Tod findest du überall“, sagt der Esel zu seinen tierischen Mitstreitern bei den Bremer Stadtmusikanten, um in einer desolat erscheinenden Situation eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen. Die Hauptfigur in „Redemption – Stunde der Vergeltung“, dem Regiedebüt des Drehbuchautors Steven Knight („Tödliche Versprechen“), versucht einen ähnlichen Überlebenswillen wie der Esel im berühmten Märchen an den Tag zu legen. Dabei überrascht Action-Haudegen Jason Statham in der Rolle eines psychisch gezeichneten Ex-Soldaten, der mit den Dämonen seiner traumatisierten Persönlichkeit ringt, um zwischen Rache und Selbstfindung wenigstens einen kleinen Schluck aus der Pulle des Lebensglücks zu trinken. Das Ergebnis ist ein Thriller-Drama, das jene enttäuschen wird, die auf neue Statham-Action-Kost hoffen, aber zu gefallen weiß, wenn man sich auf die mit wunderbar-melancholischen Nachtaufnahmen unterlegte, bewegend-tragische Geschichte einlässt.

    Nach einem traumatischen Kriegserlebnis in Afghanistan desertiert der britische Elite-Soldat Joey (Jason Staham) aus der Armee und kehrt nach London zurück. Unfähig ein normales Leben zu führen, vegetiert er mit Isabel (Victoria Bewick) in einem Pappkarton zwischen Drogen und Hunger dahin. Als eines Nachts der Gangster Taxman (Anthony Morris) mit seinem Gehilfen auftaucht, um den Obdachlosen ihre Drogen abzunehmen, bringt er Isabel in seine Gewalt und zwingt sie fortan zur Prostitution. Joey gelingt dagegen knapp die Flucht vor den bösen Buben in die verlassene Wohnung des wohlhabenden Damon (Danny Webb). Da er erfährt, dass sein Unterschlupf noch ein paar Monate leer stehen wird, richtet er sich darin häuslich ein und versucht über die Nonne Cristina (Agata Buzek), die Suppe an Bedürftige verteilt, vergeblich, Informationen über Isabels Verbleib zu bekommen. Während der Ex-Soldat die Suche nie aufgibt, arbeitet er sich in seiner neuen Umgebung vom Küchenpersonal in einem chinesischen Restaurant zum gut bezahlten Problemlöser für die Triaden hoch und kommt dabei Christina näher. Aber dann wird Isabel tot aufgefunden…

    Mehre kurze Prügeleien und der finale Racheschlag können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der im Original „Hummingbird“ (= Kolobri) betitelte „Redemption – Stunde der Vergeltung“ ein lupenreines Charakterdrama mit ein paar gezielt gesetzten Spannungsmomenten ist. Folgerichtig rückt Knight die Psyche seiner Hauptfigur ins Zentrum: Joey leidet immer wieder unter alptraumhaften Erinnerungen an die Gewalt des Krieges, die von Wahnvorstellungen umherfliegender Kolibris begleitet werden. In der betäubenden Wirkung von Alkohol und Crack findet er Ruhe vor seinen Dämonen, richtet sich dadurch aber gleichzeitig zugrunde. Diesem tragischen Bild setzt Knight dann die Wandlung entgegen. Als sich Joey in Damons Wohnung neue Kleider überstreift, erinnert das an eine Wiedergeburt. Aus dem Konflikt zwischen aufkeimender Hoffnung und Joeys zurückgedrängten Dämonen entwickelt Knight dabei spannende Selbstfindungsmomente, die er durch die Beziehung zwischen dem Ex-Soldaten und der Nonne Cristina verstärkt. Denn auch unter ihrer barmherzigen Schale liegt ein Trauma versteckt, das wieder hervorbricht.

    Wie zwei gebrochene Gestalten am Scheideweg wandern beide gemeinsam durch das oftmals nächtliche London des Films. Sie suchen nach der richtigen Zukunftsentscheidung, die ohne eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nicht möglich ist. Dabei erleben sie für kurze Zeit ein Gefühl des Glücks. Mithilfe stimmungsvoller Aufnahmen der dunklen Stadt, dessen Lichter einerseits wie Hoffnungsspender in der Düsternis und andererseits wie melancholische Zeugen des fehlenden Tageslichts wirken, erzeugt Knight eine bewegende ambivalente Stimmung. So nimmt er auch visuell die Gefühle der Unsicherheit auf, mit denen beide Figuren zu kämpfen haben, und setzt sich mit der Zerbrechlichkeit des menschlichen Daseins auseinander. Sowohl Action-Star Jason Statham („Crank“, „The Transporter“) als auch Charakterdarstellerin Agata Buzek („Sommer auf dem Land“, „Valerie“) schaffen es gleichermaßen, die erfreulich differenzierte Ausgestaltung ihrer Figuren zu meistern. Ihr Wechselbad der Gefühle, ihre Freude, ihr Zweifel und ihr Leid lässt sich immer den Gesichtern der Schauspieler ablesen.

    Fazit: Statt Actionszenen regieren dramatische Gefühle. In „Redemption – Stunde der Vergeltung“ überzeugt Jason Statham nicht als Actionstar, sondern als Schauspieler.

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