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    Sex and Zen: Extreme Ecstasy
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Sex and Zen: Extreme Ecstasy
    Von Nicolas Zimmermann
    Der chinesische Pornofilm präsentiert sich zügelloser und fantasievoller als sein europäisches oder amerikanisches Pendant. „3-D Sex and Zen: Extreme Ecstasy" bildet hier keine Ausnahme. Während der erste Teil der Reihe mit komödiantischem Slapstick und fantastischen Settings aufwartete, orientierte sich die Fortsetzung eher am Hentai-Anime und trug eine eher düstere und mystische Handschrift. Mit dem dritten Film gingen die Macher dann einen kreativen Schritt zurück, war der Streifen doch kaum mehr als ein konventioneller Softporno. Der nunmehr vierte Teil basiert auf dem 350 Jahre alten Roman „Andachtsmatten aus Fleisch", ist aber alles andere als altmodisch: „3-D Sex and Zen: Extreme Ecstasy" von Christopher Sun Lap Key wartet mit allerlei Referenzen auf das jüngere Kino auf und auch der heitere Humor aus dem ersten Teil ist wieder mit von der Partie. Die Moral von der Geschichte wird im neuen Jahrtausend jedoch deutlich drastischer herbeigeführt als noch 1991: So muss der Protagonist erst drei Mal sein Geschlechtsteil verlieren, um schließlich einzusehen, dass die Liebe im Geiste doch schwerer wiegt als der körperliche Rausch.

    Der arrogante Jüngling Wei Yangsheng (Hiro Hayama) wird von seinem Buddha-Meister darin unterwiesen, den weltlichen Gelüsten zu entsagen. Doch schon bald darauf heiratet er die schöne Tie Yuxiang (Leni Lan). Trotz gegenseitiger Liebe auf den ersten Blick kann Wei seine Gemahlin sexuell nicht befriedigen. Stattdessen lässt er sich in den Lustgrotten des diebischen Prinzen Ning (Tony Ho) verführen. Ning glaubt indes zu wissen, woran das Liebesleben der beiden Frischvermählten krankt: Weis Männlichkeit füllt kaum mehr als einen Fingerhut. Völlig gekränkt erklärt sich der gefrustete Gatte zu einer Genitaltransplantation bereit. Und es scheint sich zu rentieren: In den Lustgrotten ist der Mann mit dem Eselpenis bald eine wahrhaft große Nummer. Seine große Liebe Tie zeigt sich jedoch vom neuen Gemächt ihres Gemahls völlig überfordert. Im „Ning-Hostel" erhält der Jüngling bald schon seine Lektion...

    Viel nackte Haut und Amputationen in Hochglanzoptik - „3-D Sex and Zen" ist sicher nichts für Zartbesaitete. Dabei beginnt alles relativ beschaulich: Im Wandel der Jahreszeiten schmelzen 3D-Schneeflocken, Bäche plätschern dahin und Herbstblätter tanzen vor dem Fenster. Entsprechend beschaulich geht es dann auch in den Federn zu. Bald werden die romantische Idylle und der gefühlvolle Blümchensex jedoch durch die ersten außerehelichen Orgien abgelöst, die in der Folge immer zügelloser werden. Mit seinen expliziten Darstellungen geht „3-D Sex and Zen: Extreme Ecstasy" über rein voyeuristische Tendenzen jedoch weit hinaus: Die Verkopplung von Sex und Macht ist ein zentrales Sujet des Films, der damit einen deutlich ernsteren Unterton anschlägt als seinerzeit der erste Teil - slapstickartige Sex-Choreografien ohne Mehrwert gibt es hier nicht.

    Trotzdem wurde auf komödiantische Elemente nicht verzichtet - in „3-D Sex and Zen" dienen sie aber dem Comic Relief und erlauben etwa ein Aufatmen während wenig zimperlichen Katana-Operationen am lebenden Subjekt. Dramaturgisch ist das clever: Ob der Betrachter sich emotional auf das Geschehen einlässt, bleibt ihm selbst überlassen – immer erlaubt der Film das Einnehmen verschiedener Standpunkte, sei es durch ironische Distanz oder aber außenstehende Figuren, die das Treiben deutlich kritischer verfolgen als die unmittelbar Beteiligten. Auch die moralische Botschaft drängt sich am Ende nicht alternativlos auf. So kann man die Mär von der reinen Liebe teilen, oder aber mit einem Augenzwinkern abtun – beides ist erlaubt. Und wer sowohl dem überzogenen Humor, wie auch dem schonungslosen Splatter nichts abgewinnen kann, der darf sich immerhin vom orientalisch angehauchten Ambiente der Lustgrotte betören lassen.

    In China wurde „3-D Sex and Zen" als erster 3D-Porno beworben und überholte damit am Starttag angeblich sogar James Camerons „Avatar" an den Kinokassen. Überraschenderweise ist von der dritten Dimension aber gerade während der Sexszenen wenig zu sehen. Stattdessen dient das 3D-Feature vor allem der weiteren Intensivierung der Folter- und Actionsequenzen, auf denen immer wieder das Hauptaugenmerk liegt. Am Ende ist es dann gerade der Foltermeister, der den Liebenden die wahre Liebe lehrt. Diese Wendung ist natürlich extrem - wie der komplette Film auf dem permanenten Gegeneinander von Extremen aufbaut. Aber genau hierin versteckt sich dann auch das „Zen" aus dem Titel: Ausgeglichenheit bedarf der Erfahrung von Extremen - und wo lässt sich mit diesen unverbindlicher spielen als im Kino? In der Liebe etwa?
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