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    Parker
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Parker
    Von Christoph Petersen
    Die paar Kratzer, die Bruce Willis in bisher vier Teilen „Stirb langsam" abbekommt, sind ein Scheißdreck gegen das, was Jason Statham als Titelheld in „Parker" alles einstecken muss. Der Körper des professionellen Gangsters ist bereits zu Beginn des Films mit Narben übersät – und das Publikum darf sich sicher sein, dass bis zum Abspann noch etliche hinzukommen werden. Taylor Hackfords grandios-gradlinige 70er-Jahre-Reminiszenz, die auf Donald E. Westlakes legendärer „Parker"-Romanreihe basiert, ist spannend, knüppelhart und angenehm humorlos. Endlich gibt es mal wieder einen Gangster-Thriller ohne Selbstironie à la Tarantino, einen kompromisslosen Reißer, der ohne jedes Augenzwinkern auskommt und bei dem die Gewalt tatsächlich wehtut. Dazu gibt es mit Jason Statham einen störrisch-charmanten Hauptdarsteller, der sich vor keinem der bislang schon acht (!) Parker-Darsteller aus früheren Westlake-Verfilmungen zu verstecken braucht.

    Parker (Jason Statham) ist ein professioneller Verbrecher, der nach strengen Prinzipien handelt und auch kein Problem damit hat, jeden über den Jordan zu schicken, der sich nicht an seine Regeln hält. Seinen neuesten Job inklusive neuen Partnern hat ihm der Vater (Nick Nolte) seiner Freundin (kick-ass: Emma Booth) vermittelt. Und zunächst läuft bei dem Überfall auf ein Volksfest in Ohio auch alles nach Plan. Doch auf der Flucht schlägt Neu-Komplize Melander (Michael Chiklis) plötzlich vor, die millionenschwere Beute direkt in einen noch größeren Coup zu reinvestieren. Parker mag keine Überraschungen und lehnt ab, woraufhin ihn seine Genossen vermeintlich tot am Straßenrand entsorgen. Doch mit ein paar Kugeln ist Parker nicht unterzukriegen. Mit gehöriger Wut im Bauch macht er sich auf nach Florida, um sich an seinen Ex-Partnern zu rächen. Dabei kommt ihm die Unterstützung der desillusionierten Immobilienmaklerin Leslie (Jennifer Lopez) sehr gelegen...



    Zwischen 1962 und 2008 schrieb der Autor Donald E. Westlake unter dem Pseudonym Richard Stark stolze 24 „Parker"-Romane. Die Handlung der Thriller ist meist sehr ähnlich: Parker wird verarscht und rächt sich. Acht der Bücher wurden bereits verfilmt – und zwar von solch grundverschiedenen Filmemachern wie John Boorman („Point Blank"), Brian Helgeland („Payback - Zahltag") und sogar Jean-Luc Godard („Made in USA"). Während die meisten Regisseure versucht haben, mehr aus dem Stoff zu machen als er ist, nämlich eine geradlinige Rachephantasie, orientiert sich Taylor Hackford („Im Auftrag des Teufels", „Ray") nun deutlich näher am illusionslosen Tonfall des zugrundeliegenden Romans „Irgendwann gibt jeder auf" aus dem Jahr 2000.

    Das fängt schon mit dem Namen des Protagonisten an: Weil Donald E. Westlake sich vertraglich zusichern ließ, dass kein Schauspieler den Namen Parker tragen darf, der nicht schon vor dem ersten Teil für eine ganze Serie von „Parker"-Filmen unterschreibt, musste die Figur in allen bisherigen Verfilmungen umbenannt werden. Jason Statham („The Transporter", „The Expendables") hat hingegen zugesagt, sich auch noch öfter als Parker auf Rachefeldzug zu begeben – und bei ihm ist dieser eben nicht ironisch unterfüttert wie bei Mel Gibson in „Payback", sondern seine Handlungen haben eine schlichte Unvermeidbarkeit, die direkt aus seiner Natur und seinem unstillbaren Verlangen nach Gerechtigkeit (oder dem, was er darunter versteht) entspringt. Da sind gewisse Parallelen zu Albert Brooks‘ Bernie Rose und zum „Skorpion"-Gleichnis aus Nicolas Winding Revns fatalistischem Meisterwerk „Drive" sicher nicht zu weit hergeholt.

    In seiner Paraderolle als harter Hund steht Jason Statham seinen sieben Vorgängern und seiner einen Vorgängerin (in „Made in USA" wurde Parker von Godards Muse Anna Karina verkörpert) wie gesagt in nichts nach. Aber auch seine Leinwandpartnerin Jennifer Lopez liefert nach dem schauspielerischen Totalausfall „Was passiert, wenn's passiert ist" endlich wieder einen starken Auftritt. Zwar erreicht sie nicht ganz das Niveau ihrer grandiosen Rolle an der Seite von George Clooney in „Out of Sight", aber Leslie ist eben auch kein simpler Blickfang (selbst wenn eine Filz-Szene, die offensichtlich nur dazu da ist, um Lopez‘ immer noch ansehnlichen Waschbrettbauch zu präsentieren, dies vermuten lässt). Stattdessen entscheidet Leslie, nachdem sie Parkers Fassade durchschaut hat, aus komplett freien Stücken, dass sie Teil seines Rachefeldzugs werden möchte. Auch die übliche Rolle des Love Interest wird in „Parker" wunderbar auf den Kopf gestellt. Denn obwohl Leslie ihm unmissverständliche Angebote macht (wie es sich für eine weibliche Hauptfigur in einem Action-Thriller gehört), schlägt Parker diese immer wieder aus. Denn selbst wenn er brutal mordend durch Florida zieht, befindet er sich schließlich noch immer in einer glücklichen Beziehung.

    Fazit: Für Freunde schnörkellos-stilsicherer Charles-Bronson-Reißer wie „Kalter Hauch" oder „Ein Mann sieht rot" ist „Parker" ein absolutes Muss: In Zeiten allzu überkandidelter Action-Blockbuster kommt Jason Stathams Gradlinigkeit gerade richtig!
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