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12 Years A Slave
Durchschnitts-Wertung
4,2
658 Wertungen - 45 Kritiken
18% (8 Kritiken)
51% (23 Kritiken)
16% (7 Kritiken)
9% (4 Kritiken)
2% (1 Kritik)
4% (2 Kritiken)
Deine Meinung zu 12 Years A Slave ?

45 User-Kritiken

Kinobengel
Kinobengel

User folgen 16 Follower Lies die 363 Kritiken

3,0solide
Veröffentlicht am 24.01.14

Der britische Regisseur Steve McQueen hat auf einer wahren Begebenheit basierend „12 Years a Slave” gedreht und wie bei „Hunger“ und „Shame“ Michael Fassbender verpflichtet. Solomon Northup (Chiewetel Ejiofor) ist ein freier Mann. Das ist Mitte des 19. Jahrhunderts keine Selbstverständlichkeit in den USA. Für Gutsbesitzer im Süden des Landes arbeiten von Afrika verschleppte Männer und Frauen in Sklaverei. Doch Northup ist Geiger im Nordosten und freut sich, als zwei Fremde ihm ein Engagement anbieten. Nach einem Trinkgelage mit den beiden wacht er in Ketten auf und wird wenig später in Louisiana an den Baumwollplantagenbesitzer William Ford (Benedict Cumberbatch) verkauft, der ihn kurz darauf zum Schuldausgleich an den als „Sklavenbrecher“ berüchtigten Edwin Epps (Michael Fassbender) weitergibt. Der gebildete Northup muss sich dumm stellen und auf eine Chance warten, dem Horror zu entkommen. Der Film beginnt mit opulent ausgestalteten Szenen in der damals modernen Stadt Saratoga und zeigt danach den Sklavenalltag in der Landwirtschaft. Das könnte so schön im Kontrast stehen, wenn die ganze Szenerie im Süden nicht so harmlos und künstlich dargestellt wäre. Szenen, die Gewalt explizit zeigen und nicht zeigen, stehen unpassend nebeneinander. Es liegt sicherlich an der Vorgabe FSK 12 (und entsprechend in anderen Ländern), die dem Film nimmt, stets Betroffenheit zu erzeugen. Wichtiger ist es den Produzenten offensichtlich, dass möglichst viele Zuschauer Geld in die Kassen spülen. Daher sprechen auch alle Figuren das gleiche Englisch. McQueen nutzt zudem seine anderen Möglichkeiten nicht: Die Kameras stehen oft im Abseits. In einem Unrhythmus wird in die Nähe umgeschnitten, womit sich der Cutter auch nicht mit Ruhm bekleckert. Bestes Beispiel hierfür ist die Szene, in der Northup am Galgen hängt und nur mit den Fußspitzen den matschigen Boden berühren kann, während im Hintergrund alle tun, als wenn nichts wäre. Und sollte der Regisseur die Absicht gehabt haben, die befohlene Teilnahmslosigkeit der anderen Sklaven demonstrieren zu wollen, so sieht dies genauso gestellt aus wie in anderen Bildern, die viele Personen zeigen. So gelingen nur wenige Einstellungen, und dem Beobachter wird zudem die Möglichkeit genommen, 12 Jahre Sklaverei mitzufühlen. Doch das ist nicht der Dauerzustand von „12 Years a Slave“. Hervorragende Schauspielerleistungen reißen das Unternehmen Film wieder auf die rechte Bahn: Der beeindruckende, ausstrahlungsstarke Benedict Cumberbatch ist leider früh aus dem Plot heraus und muss dem meisterlichen Michael Fassbender die Bühne überlassen. Und der spielt mit ungeheurer Energie den unberechenbaren, gewalttätigen Epps. Dass Fassbender mit Steve McQueen gut kann, ist an allen o.g. gemeinsamen Projekten deutlich zu sehen. Anscheinend kann der Deutsch-Ire alles spielen. Zahlreich sind die verschiedenen Rollen, in die er bereits schlüpfte und mit Brillanz zum Charakter führte, z.B. als Offizier („Inglourious Basterds“), als Psychologe („Eine dunkle Begierde“) oder gar als Roboter („Prometheus – dunkle Zeichen“). Bei Steve McQueen tobt er sich besonders gerne aus. Und dieser lässt ihn toben, wenn auch nur in der Nebenrolle des Epps, die es allerdings in sich hat und einen starken Schauspieler verlangt. Die Hauptrolle wurde Chiewetel Ejiofor zugedacht, der nur schwer gegen die Konkurrenz ankommt. Er ist unter ihnen nicht gerade ein mimisches Wunder und trägt sein beinahe eingefroren trauriges Gesicht durch den Film. Fies gut gelingt Paul Dano seine kurze Rolle als schlitzohriger Schreiner und Sklavenquäler Tibeats. Seine Qualitäten bewies er schon in „Prisoners“ als geistig zurückgebliebener Gefangener. Und schließlich darf Brad Pitt den guten Samariter spielen (aber nicht wie in „Burn After Reading“). Samuel Bass, der Schreiner aus Kanada, steckt plötzlich in der Geschichte und beschäftigt vor allem den Zuschauer zu wenig. Selbstverständlich darf das Tränendrüsenhappyend à la Hollywood nicht fehlen. Muss der Kinokunde darin gebadet werden? Kann die Reise des Solomon Northup für das Publikum nicht vor der Haustüre enden? Weil die Leinwandgeschichte das Gefühl von 12 Jahren Abwesenheit nicht geben kann, stellt sich diese Frage schon, um einen Film zu retten, der sicherlich den einen oder anderen Vergangenheitsbewältigungs-Oscar verliehen bekommt.

Nörgolas
Nörgolas

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3,0solide
Veröffentlicht am 21.01.14

[…]All das ließe sich jetzt ganz einfach damit entkräften, dass man einen Film wie „12 Years A Slave“ nun mal gar nicht anders machen kann. Wir sollten uns zumindest glücklich schätzen, dass McQueen ihn nicht zum epischen Tränendrüsendrücker hochgejazzt hat. Im Umkehrschluss ist „12 Years A Slave“ also eben nicht die Art Film, nach der man euphorisch aus dem Kino kommt und auch nicht unbedingt die Art Film, die man wirklich weiterempfehlen kann. Es ist die Art Film, die sich einer Einordnung in „gut“ oder „schlecht“ durch ihre Sachlichkeit und ihr eklatantes Thema vollkommen entzieht, aber die trotz all der gewissenhaften Ambitionen doch irgendwie immer ein bisschen nach Oscars zu lechzen scheint. […]Sollte man „12 Years A Slave“ also angucken? Schwierige Frage. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass man einen Film wie diesen nicht guckt, sondern durchsteht. Dass man danach weder euphorisiert noch nachdenklich ist, sondern nur mit einer dumpfen Betäubung kämpft, die man schnellstmöglich wieder abschütteln möchte. Wer sich dem gewachsen fühlt, darf den Film im Kino nicht verpassen. Wer nicht, sollte auch nach dem Heimkino-Release eher die Finger davon lassen. Und wer sich (wie ich) unsicher dazwischen einpendelt, muss dem Film nun mal einfach seine Stärken zugestehen und sich damit abfinden, dass die persönliche Definition eines großartigen Films einfach höhere, beziehungsweise andere Ansprüche umfasst.[…]

Rüdiger Wolff
Rüdiger Wolff

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2,5durchschnittlich
Veröffentlicht am 21.01.14

Schicksal - furchtbar, Film - schwach Die angeblich weltweiten Lobeshymnen kann ich nicht so ganz verstehen, denn dieses Thema wird hier nicht zum 1. Mal verfilmt. Das Schicksal des Solomon ist sicher sehr tragisch, aber der Film bringt überwiegend nur Klischees, wie man sie schon oft gesehen hat: Sklavenhandel, auf Baumwollfeldern arbeitende Sklaven, ungerechte und gewalttätige Sklavenhalter etc. - Erniedrigung auf fast allen Gebieten des Lebens. Sicher geht einem dieses Schicksal an die Nieren, aber man ist ja im Kino und will auch einen gut gemachten Film sehen. Und da mangelt es ihm aber häufig. Die Story ist lückenhaft und unglaubwürdig: Wie kam es, daß sich Solomon auf einmal in diesem Kerker befand - über 4.000 km von seinem Wohnort entfernt - vom Staate Washington bis zum Staate Georgia? Und das mit den Verkehrsmitteln des 19. Jh - Postkutsche etc., wo eine solche Reise mehrere Wochen dauerte! Auch am Ende des Films: da holt ihn jemand ab, der ihn von zu Hause aus kennt!? Hat der auch seinetwegen diese wochenlange Reise auf sich genommen? Schauspielerisch gibt es hier ebenso gute wie schwache Darsteller. Solomon ist mit seinem gleichbleibend kummervollen Gesicht ausgesprochen schwach und überfordert. Aber super - wie immer: Paul Dano, Paul Giamatti und Michael Fassbender. Das Drehbuch ist ebenfalls schwach: Es kommt kaum Spannung auf - man weiß ja schon vorher, wo die Reise hingeht. Die paar Rücksblenden am Anfang machen den Kohl auch nicht fett. Dann diese ewigen statischen Kameraeinstellungen in die Landschaft, bei Dialogen, oder allein auf's Gesicht gerichtet! Soll das Zeit zum Nachdenken geben? Zeit zum Nachdenken hätte sich Steve McQueen (! - wer denkt da nicht an den Schauspieler in Bullit, Nevada Smith oder Getaway?), dieser britische Regiesseur, vorher nehmen sollen, wenn er einen wirklich guten Film hätte machen wollen, und nicht nur ein tiefschürfend emotionales Versatzstück zur dunkelsten Epoche der USA.

Max R.
Max R.

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2,5durchschnittlich
Veröffentlicht am 19.01.14

"12 Years A Slave" ein Film, der für 9! Oscars nominiert ist. Da denkt man eigentlich, man ist auf der sicheren Seite. Wirklich überzeugen, konnte der Film am Ende überraschenderweise nicht. Der Film, der ein wirklich grausames und ernstes Thema beinhaltet, zeigte zwar sehr gut, wie mit den Sklaven umgegangen wurde, mehr aber auch nicht. Der ganze Inhalt (abgesehen von den ersten und letzten 10 Minuten) bestand darin, zu sehen, wie die Sklavenhalter die Sklaven wie Bekloppte mit einem Seil geschlagen oder ihnen Wunden mit Messern zugezogen haben. Zwischendurch wurden sie dann immer mal wieder verkauft und zu anderen Sklavenhaltern gebracht, bei denen es ihnen noch schlechter ging. Für einen mehr als zweistündigen Film reicht diese Handlung aber nicht aus und dem Zuschauer wird da ziemlich viel zugemutet. Eine Filmlänge von 90 Minuten hätte für die Kinobesucher auch gereicht, die sich nicht noch 45 Minuten länger mit Blut verschmierte Sklaven anschauen wollen. Es ist ja klar, dass man nach diesem Film nicht freudestrahlend aus dem Kino kommen wird aber bewegt hat mich der Film nicht. Ich gebe diesem Film 2,5 Punkte, da die Geschichte wirklich wahr ist und auch streckenweise wirklich gut dargestellt wurde. Da die Handlung nicht mehr bot, war der Film aber zu lang. Empfehlen würde ich diesen Film Menschen, die sich speziell für dieses schreckliche Thema interessieren. Andere werden wahrscheinlich ehr enttäuscht den Kinosaal verlassen.

Alek K.
Alek K.

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5,0Meisterwerk
Veröffentlicht am 27.03.14

Auch Steve McQueens dritter Film überzeugt und ist mindestens genau so gut wie ''Shame''. ''12 Years A Slave'' erzählt eine unglaublich schockierende, aber wahre Geschichte und am Ende hätte ich in Tränen ausbrechen können wenn ich mich nicht zusammengerissen hätte. Die Darsteller geben alle ihr bestes. Chiwetel Ejiofor überzeugt in jeder Szene und Michael Fassbender hätte den Oscar als bester Nebendarsteller zweifellos verdient! Brad Pitt taucht zwar nur in 2 Szenen auf, darf dafür aber auch die schönsten Sätze sagen. Auch in ''12 Years A Slave'' haben wir (wie in allen Steve McQueen Filmen) sehr lange Kameraeinstellungen welche Minuten lang sind. Einige würden diese als sinnlos bezeichnen was natürlich quatsch ist. Der Film bietet ebenfalls schöne Bilder und einen grandiosen Soundtrack von Hans Zimmer. Für 9 Oscars wurde dieser Film nominiert, eine weitere Nominierung hätte definitiv an Hans Zimmer für seinen grandiosen Soundtrack gehen sollen. Der Soundtrack basiert zwar ebenfalls auf Hans Zimmers Soundtrack für ''Inception'' (Time) was allerdings nichts daran ändert dass er sehr schön klingt. Auch wenn einige ihn als unpassend und zu bombastisch bezeichnen. Fazit: Selten hat ein Film mich so schockiert wie dieser hier. Auch wenn man weiss wie schrecklich die Sklaverei war wird man von diesem Film schwer getroffen.

Fritz H.
Fritz H.

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0,5katastrophal
Veröffentlicht am 06.02.14

Wer sich an Brutalität und Gewalt ergötzen möchte, ist in diesem Film genau richtig; wer auch nur einen Funken mehr erwartet, wird hier enttäuscht. Gewalt und Erniedrigung im minütlichen Wechsel und das über 134 Minuten. Denkt man sich diese Szenen weg, es bliebe nichts mehr übrig. Wir alle wissen, welches Schicksal die Sklaven Anfang des 19. Jahrhunderts erleiden mußten, dafür müssen wir nicht ins Kino. Wer glaubt, nur weil es nachgewiese Geschichte ist, müßte man es der Menschheit auf Zelluloid näherbringen, irrt, muss man nicht. Nachdem B. Pitt nach ca 90 Minuten auf der Leinwand erschien und ein paar menschliche Worte, die in Anbetracht des Themas Mangelware waren, von sich gab, rechnete ich mit einem Richtungswechsel; doch der blieb aus und zwar völlig. Ich habe den Film nach ca 90 Minuten verlassen, ca 1,5 Stunden nach dem Zeitpunkt, zu dem ich erstmals darüber nachdachte; nach 90 Minuten gähnender Langeweile und Inhaltslosigkeit. Ich bin niemand, der den Zeigefinger hebt und sagt, man dürfe Brutalität, Erniedrigung etc. nicht ins Kino bringen, wenn die Filme davon aber in Ausschließlichkeit leben, finde ich es eine Frechheit von Hollywood. Dies war mit großem Abstand der schlechteste Film, den ich mir je im Kino angeschaut habe. Nominiert für 9 Oscars? Ist die Konkurrenz wirklich NOCH schlechter? Wer sitzt in der Jury? Der Oscar war für mich bislang ein Qualitäts- und Gütesiegel für die Filmwelt. Jetzt bin ich nur noch sprachlos.... Am liebsten würde ich 0 Sterne verleihen, aber ganz bestimmt keinen Oscar.

Zach Braff
Zach Braff

User folgen 38 Follower Lies die 359 Kritiken

5,0Meisterwerk
Veröffentlicht am 24.01.14

Wahnsinnig emotionaler Film! Am Ende bleibt man im Kinosessel sitzen, hat einen Kloß im Hals, Tränen in den Augen und jede Menge Gedanken im Kopf. Grandiose Darbietungen der Schauspieler. Von der Haupt- bis in die kleinste Nebenrolle. "12 Years A Slave" schreckt nicht vor irgendwelchen Darstellungen zurück, sondern zeigt unverblümt die auf einer wahren Begebenheit basierende Geschichte des entführten und versklavten Solomon Northup. Man leidet förmlich mit der Hauptperson und spürt die Qual und den Schmerz, den diese Zeit für Solomon bedeutete. Teilweise dermaßen grandios in Szene gesetzt, gerade auch die Szenen mit Lupita Nyong'o (die vollkommen zurecht eine Oscar-Nominierung erhalten hat) sind so dermaßen intensiv, dass einem die Haare zu Berge stehen. Ein bemerkenswerter Film, der absolut verdient den Golden Globe als "Bester Film" bekommen hat! Achja, fast vergessen: Meiner Meinung nach eine absolute Schande, dass dieser Film nur in so wenigen Kinos in Deutschland läuft. Hier in Hamburg hat ihn KEIN einziges Cinemaxx-Kino gezeigt (Holi mal ausgenommen), was ich dann doch recht schade finde. Stattdessen wird die tausendste Wiederholung von "Fack ju Göhte" oder so ein Schmarn wie "Die Pute von Panem" gezeigt. Traurig!

Andreas F.
Andreas F.

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5,0Meisterwerk
Veröffentlicht am 16.01.14

Gestern Abend habe ich mir 12 Years A Slave im englischen Original Ton angeschaut. Nie, hätte ich erwartet das Hollywood im Stande ist, über ein so amerikanisches Thema, einen so feinfühligen, sensiblen, langsamen und schonungslos ehrlichen Film, ins Kino zu bringen. Nicht nur das der Hauptdarsteller, seine Rolle perfekt mimt, auch die Nebendarsteller allen voran Fassbender, lassen diesen Film wie ein Zeitzeugnis wirken. Das was den Film aber zu einem echten Meisterwerk macht, ist die Regie und Kameraführung. In jeder Szenen wird mehr erzählt als gesprochen wird. In jeder Sequenz spiegeln sich alle menschlichen Abgründe, Gefühle, Hoffnungen wieder, mit kleinsten Details wie eine kleine Geste des Plantagenbesitzers wird hier eine bedrückende und schonungslose Geschichte erzählt. Hier fliegen keine Blutspritzer in Zeitlupe vom Körper gefolterter Menschen, nein, hier zeigt die Kamera erst dann den vernarbten Rücken, wenn die seelischen Narben schon viel deutlicher zu erkennen waren. Mit äußerster Sorgfalt und Fingerspitzengefühl, nähert sich Steve McQueen diesem allzu düsteren amerikanischen Kapitel in schonungsloser Ehrlichkeit und mit einem dialoglastigen Film. Was soll ich sagen, grandiose Darsteller, eine gefühlvolle Regiearbeit, berührendende Aufnahmen, eine Geschichte die einen nicht einfach loslässt. Einfach ein Film der einen in Erinnerung bleibt, ein Meisterwerk der Filmkunst und somit volle Punktzahl. All jene die nicht davor scheuen Mal einen dialoglastigen-Film zusehen, die sich auch mal über Drama ohne Action freuen können, all jene sollten hier hinein. Alle die Filme als bloße Unterhaltung, als Zerstreuung ansehen, die sind hier fehl am Platz.

Janos V.
Janos V.

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4,0stark
Veröffentlicht am 07.02.14

Alle Jahre wieder passiert es, dass man von einem Film regelrecht überfahren wird. Bei mir war es letztes Jahr Nikolas Winding Refns brillant inszenierter, absurd brutaler Rachethriller „Only God Forgives“, der mich mit der Wucht einer heranbrausenden Dampflokomotive erwischte. Ganz offensichtlich hatte auch Steve McQueen mit seinem Sklaverei-Drama „12 Years a Slave“ eine ähnliche Wirkung geplant. Dass das Konzept nicht hundertprozentig aufgeht, liegt an einigen vermeidbaren Kleinigkeiten, die in diesem Fall den Unterschied zwischen einem starken Film und einem Meisterwerk ausmachen. [...] Über die gesamte Laufzeit fühlt sich „12 Years a Slave“ angenehm ehrlich und nie abgehoben oder verkopft an, wodurch das Geschehen umso realer wirkt. McQueen kettet seine Erzählung nicht an eine komplexe Storyline, sondern breitet Northups Schicksal in episodenhaften Szenen vor dem Zuschauer aus. Das führt dazu, dass sich manche Nebenhandlungen und -figuren nicht wirklich einfügen wollen oder zu plötzlich ins Leere laufen. Andererseits bringt es aber zugleich auch die Freiheit, sich ganz auf die einzelnen Sequenzen zu konzentrieren, und lohnt sich somit über weite Strecken. [...] Dass man bei einem solchen Film keine Kompromisse zu erwarten hat, dürfte wohl jedem klar sein. Gnadenlos und komplett humorbefreit treibt McQueen den Gewaltgrad weiter und noch weiter nach oben, bis hin zu einer endlosen, nervenzerrenden Auspeitschung, die nur noch schwer mit anzusehen ist. Dadurch entsteht eine hohe emotionale Dichte, aber die andauernde Intensität stumpft den Zuschauer über die mehr als zwei Stunden Laufzeit auch zwangsläufig irgendwann ab. Man schaltet auf Durchzug, weil es sonst kaum zu ertragen ist. Das ist kein Vorwurf an den Film, aber mich hat die Brutalität in Tarantinos „Django Unchained“ unerwarteter, unvermittelter und damit auch schmerzhafter getroffen als hier. [...] Zum Schluss bleibt nur noch eine Frage: Wer um alles in der Welt kam auf die völlig bekloppte Idee, ausgerechnet Krawall-Komponist Hans Zimmer sei der Richtige für diesen Film? Zimmer passt perfekt zum Mega-Kino eines Christopher Nolan und kann auch bei anderen Blockbustern wie „Man of Steel“ nicht allzu viel Unheil anrichten. In Filmen wie diesem schadet er jedoch ganz einfach der Qualität, weil sein Score weder Fingerspitzengefühl noch leisere Zwischentöne zulässt. Und dass Zimmer es tatsächlich fertigbringt, sein „Inception-Braaam“ leicht abgeändert für ein Drama über Sklaverei zu recyceln, ist schon ein starkes Stück. FAZIT: Nach einem Kinobesuch kann man durchaus nachvollziehen, warum dies der eindeutig größte Favorit bei der Oscarverleihung 2014 ist. Doch man muss ja nicht jeden Hype mitmachen. „12 Years a Slave“ ist ein emotionales, intensives Stück Kino, das den Besuch auf jeden Fall lohnt, wenn man mit der Thematik zurechtkommt: ein starker Film, aber bei weitem nicht perfekt.

Max H.
Max H.

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4,5hervorragend
Veröffentlicht am 11.03.14

Bewältigung der eigenen Geschichte. Pah! Da sind wir Deutschen den Amerikanern ja mindestens zwei Längen voraus, ausgebreitet und "zelebriert" in zahlreichen Werken als Dokus, Dramen und Grotesken. Darf man meinen, kann man meinen. Der vorab in überirdische Höhen katapultierte "12 Years a Slave" ist ein in diesem Sinne überaus einschnürendes Kapitel dunkler amerikanischer Geschichte, hervorragend gespielt und ausgewogen erzählt, zudem ermattet Steve McQueen's Werk nicht unter seinen immensen Erwartungen. Zunächst einmal ist McQueen's Werk keine physische zwei Stunden Folter, randvoll mit peinigenden Szenen. Direkt zu Beginn erzählt der "Shame" - Regisseur auf eine ruhige und demonstrative Art seine bewegende Geschichte, bettet eine kurze außernarrative Szene in den Feldern ein und versucht eher Atmosphäre einzufangen als sich auf eine Erzählung a la Baukastenschemata einzulassen. Und der Zuschauer lernt den besonnenen und demütigen Solomon Northup kennen, der seinem relativ passabel bezahlten Erwerb nachgeht, dem Geigenspielen. Doch auch zu Beginn schwebt der drohende Schatten der Sklaverei, dem er sich nicht entziehen kann, über ihm. Er sieht Sklavenhalter, die ihr „Eigentum“ vor sich her führen und wird bereits irritierend beäugt. Nach einer Nacht der Trunkenheit und dem Erwachen in einer Zelle, nimmt die folgenschwere Geschichte ihren Lauf. Regisseur Steve McQueen geht es bei „12 Years a Slave“ nicht um eine allumfassende Betrachtung oder gar Abrechnung. Er bleibt sehr genau an seinem ausgefeilten Charakter Salomon Northup hängen und zeigt dessen Lebensstationen. Dabei erspart er langweilige Geschichtspassagen inklusive Kontext und genauem zeitlichen Rahmen. Das führt den Film viel näher an ein persönliches Drama heran, was sich im Verlauf als durchaus wirkungsvoll erweist. Der Zuschauer windet sich nicht aufgrund des Goregehalts, er wird nicht mit zugebombten Fakten überinformiert, sondern nimmt „12 Years a Slave“ wahr, als das was er ist. Ein Film. Ein Film, der einem erst in der Dauer auf den Magen schlägt, einen Nachgeschmack bereithält, den man so und auf diese Art und Weise nicht erwartet hat. Nämlich authentischer Bestürzung, keine aufgesetzte Dramatik und keine sarkastische Schuldzuweisung, der Film setzt seine Schwerpunkte, wo zuvor noch kein anderes Werk dieses Themas angesetzt hat. Bemerkenswert ist das McQueen, trotz wiederholendem Charakter, der aber auch als Trübseligkeit und Hoffnungslosigkeit des Arbeitsalltags aufgefasst werden kann, dennoch erinnerungswürdige Szenen auffahren kann. So ist die Szene bei Northup's versuchter Erhängung von nervenzerfetzender Spannung, die nach ihrer drastischen Inszenierung etwas nachgibt und trotzdem anhält. Northup's konzentrierter Körper bleibt lange im Bild und das Treiben im Hintergrund nimmt seinen alltäglichen Verlauf. Ein weiteres großes Plus sind die differenzierten Charaktere, die „12 Years a Slave“ erst zu einem wahren Höhepunkt machen. Sowohl der sadistische Sklavenhalter (Michael Fassbender) als auch der zweifelnde Mitläufer (Benedict Cumberbatch) finden hier Raum für ihre tragische Entfaltung, neben kämpferischen, aufgebenden und ambivalenten Darstellungen von Sklaven. Selbst die Frauen der „Master“ werden hier auf eine frische und unverbrauchte Art und Weise in Szene gesetzt. Dabei übertrumpft der Eine schauspielerisch immer wieder mal den Anderen, „12 Years a Slave“ ist fernab von einer Dramatik, die Schauspieler natürlich entgegenkommt wie sonst nichts, überaus souverän und formidabel gespielt. Ein Cast, aus dem mehr herausragen, als dass man sie jetzt alle benennen könnte. Fazit: Steve McQueen hätte es sich mit seinem herausragenden Drama „12 Years a Slave“ erheblich einfacher machen können, doch er wählt einen überraschend unverbrauchten und erstklassig inszenierten Weg voller Ideen, dramatisch sowie aufrüttelnden Auf und Abs und einem gelungenem Cast, bestbesetzt bis in die Spitzen.

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