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    Dead Man Down
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Dead Man Down
    Von Björn Becher
    Nachdem Regisseur Niels Arden Oplev 2009 mit der schwedischen Bestseller-Adaption „Verblendung" weltweit Erfolge feierte, stand nach eigener Aussage sein Telefon nicht mehr still. Hollywood wollte den talentierten dänischen Filmemacher unbedingt über den großen Teich locken. Rund 250 Drehbücher habe er gelesen, der Großteil sei Mist gewesen. So hat es nach einem zwischenzeitlichem Engagement bei der TV-Serie „Unforgettable" bis 2013 gedauert, bis nun mit „Dead Man Down" der erste Hollywood-Film von Oplev in die Kinos kommt. Warum ihm das Drehbuch von J.H. Wyman („The Mexican") deutlich besser gefallen hat als der Rest, der auf seinem Schreibtisch landete, ist offensichtlich: die doppelte Rache-Geschichte bietet viele interessante Ansätze, der düstere Look, den der Regisseur für „Verblendung" wählte, passt auch hier. Doch trotz dieser guten Voraussetzungen, zu denen noch eine hochkarätige Besetzung kommt, ist das Ergebnis nicht ganz stimmig geraten: Zu stark schwankt „Dead Man Down" zwischen inhaltsschwerem Thriller-Drama und lockerer Genre-Spielerei.

    Mächtig Trubel für Gangsterboss Alphonse (Terrence Howard): Seit Monaten terrorisiert ihn ein Unbekannter mit mysteriösen Drohbotschaften und nun liegt auch noch einer seiner Getreuen tot im Gefrierschrank in der eigentlich perfekt gesicherten Verbrechervilla. Während Gangster Darcy (Dominic Cooper) sich eifrig in Ermittlungen stürzt, um Alphonse zu beweisen, was er drauf hat, zeigt sein bester Kumpel Victor (Colin Farrell) deutlich weniger Interesse. Der ist ohnehin abgelenkt, denn seine Nachbarin Beatrice (Noomi Rapace) macht ihm schöne Augen. Doch beim ersten romantischen Abend legt die seit einem Unfall auf einer Gesichtshälfte entstellte Beatrice die Karten auf den Tisch und erpresst Victor: Sie hat beobachtet, wie er in seiner Wohnung einen Mord begangen hat und will nun, dass er das Gleiche für sie tut. Er soll für sie Rache an dem Mann nehmen, der für ihren Unfall verantwortlich ist. Victor wiederum ist selbst von Vergeltungsgelüsten besessen und verfolgt dazu einen genau ausgeklügelten Plan...

    Der erste gemeinsame Abend von Victor und Beatrice ist ein früher Höhepunkt von „Dead Man Down". Wenn die vermeintlichen Turteltauben zuerst von Fenster zu Fenster Blicke austauschen, sie ihm später einen Zettel zukommen lässt und dann beide telefonieren, ehe es schließlich zum Date kommt, bauen Regisseur Niels Arden Oplev und Autor J.H. Wyman eine romantische Stimmung auf, die sie mit einer absolut unerwarteten Wendung wieder zerstören: Beatrice will keinen Freund, sondern einen Killer. Oplev und Wyman sorgen mit diesem geschickt gesetzten Paukenschlag dafür, dass der Zuschauer fortan mit allem rechnet. Es folgt aber nur noch ein weiterer Twist, als wenig später Victors wahre Absichten enthüllt werden und von da an steuert die Räuberpistole auf recht ausgetretenen Genrepfaden inklusive einer (durchaus gelungenen) Variation des unverwüstlichen Rachemotivs dem unausweichlichem Showdown entgegen. Der wiederum ist packend inszeniert: Wenn Colin Farrell („7 Psychos") mit einem Auto voller Plastiksprengstoff in die zweite Etage (!) eines Hauses springt und dann erst mal durch den Boden gen Keller kracht, ist dies der fulminante Auftakt eines furiosen Actionfinales.

    Das Prunkstück von „Dead Man Down" ist eindeutig die Inszenierung. Kameramann Paul Cameron („Collateral", „Deja Vu") findet immer wieder ausdrucksstarke Bilder, er holt dabei das Meiste aus einigen für New York ungewöhnlichen Settings wie einem Schiffswrack heraus. Und wenn Victor und Beatrice sich gegenseitig in die Wohnungen schauen, reichen diese Blicke aus, um zu verdeutlichen, dass eine gemeinsame Zukunft ihnen einen Ausweg aus der Sackgasse ihrer Rachephantasien bieten könnte. Doch der langjährige „Fringe"-Autor J.H. Wyman ist nicht daran interessiert, eine romantische Liebesgeschichte unter Nachbarn zu erzählen und auch die psychologisch-philosophische Dimension von Themen wie Rache, Vergebung und Erlösung wird nur angedeutet. „Dead Man Down" ist ein Action-Thriller, bei dem im Zweifelfall ein Spannungsmoment den Vorzug vor Charakterentwicklung und inhaltlicher Tiefe bekommt.

    Colin Farrell und Noomi Rapace („Verblendung", „Prometheus") tun ihr Bestes, um ihre nicht konsequent ausgearbeiteten Figuren lebendig werden zu lassen. Sie machen immer wieder eine verborgene Sehnsucht und die Hoffnung darauf spürbar, dass die Liebe Victor und Beatrice mit ihren traumatischen Erfahrungen versöhnen und sie vom Pfad der hasserfüllten Vergeltung abbringen könnte - so entsteht zumindest der Eindruck dramatischer Fallhöhe. Der erweist sich am Ende allerdings als täuschend, denn Oplev und Wyman drücken sich mit einem regelrechten Taschenspielertrick vor der Beantwortung der Frage nach der (Un-)Moral der Rache. Entsprechend wird auch die mögliche Bedeutung einiger Nebenfiguren als gutes Gewissen der Protagonisten nicht im Ansatz ausgespielt. Dass diese Rollen mit so prominenten Darstellern wie der Grande Dame des französischen Kinos Isabelle Huppert („8 Frauen", „Die Klavierspielerin") als Beatrices Mutter oder Oscarpreisträger F. Murray Abraham („Amadeus") als Verwandter von Victor besetzt sind, erscheint als bloßer Casting-Stunt, denn hier werden sowohl schauspielerische als auch erzählerische Möglichkeiten verschenkt. Es knirscht kräftig im Drehbuch-Gebälk, zumal sich zu der generellen Oberflächlichkeit auch noch größere Ungereimtheiten in Sachen innere Logik und Plausibilität gesellen.

    Fazit: „Dead Man Down" ist ein gut fotografierter Thriller mit einigen Action-Highlights und starken Schauspielern, der aber inhaltlich immerzu an der Oberfläche bleibt.
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