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Du hast es versprochen
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Du hast es versprochen
Von Tim Slagman
Alexandra Schmidt, die sich im Abspann nur Alex nennt, wollte ihren Mystery-Thriller „Du hast es versprochen" erst „Dunkel" nennen – was zugegebenermaßen ein wenig seltsam geklungen hätte nach Tim Fehlbaums halluzinatorischer Endzeit-Phantasie „Hell". Zu ihren erklärten Vorbildern zählt die Regisseurin, die hier ihr Langfilmdebüt vorlegt, Tim Burton und Michael Haneke, an filmgeschichtlichen Referenzen besteht bei ihr ohnehin kein Mangel. Da sind an allen Ecken und Enden Anspielungen, Anleihen und Zitate untergebracht. Doch so gekonnt Schmidt bisweilen bekannte Motive einsetzt, um eine unheimliche Atmosphäre zu kreieren, so uninspiriert ist die Geschichte, die die vielen Versatzstücke nur notdürftig zusammenhält. Insbesondere die Auflösung des Mysteriums fällt hier arg enttäuschend aus.

Die Krankenhausärztin Hanna (Mina Tander) steckt in einer Ehekrise, als plötzlich ihre alte Freundin Clarissa (Laura de Boer) mit einer Überdosis eingeliefert wird. Die beiden hatten sich längst aus den Augen verloren, doch nun beschließen sie, ihren jeweiligen Schmerz mit einem gemeinsamen Urlaub zu bekämpfen – auf der abgelegenen Insel, wo sie unschuldige Kindheitstage verbracht haben. Hannas Tocher Lea (Lina Köhlert) wird kurzerhand miteingepackt. Am Ziel angekommen, beginnt ein seltsames Mädchen die drei zu verfolgen: Wahn oder Wirklichkeit? Und mit der Erinnerung an Hannas und Clarissas Freundin Maria (Mia Kasalo) und an eine seltsame Höhle mitten im Wald kommt allmählich die Erkenntnis auf, dass die Vergangenheit so wunderbar vielleicht nicht war – und die Kindheitstage nicht so unschuldig...

In „Du hast es versprochen" kommen vor: ein Dorf mit dunklem Geheimnis; seltsam schroffe Einheimische, die düstere Andeutungen machen - allen voran der hünenhafte Hausmeister Tim (Thomas Sarbacher); der junge Dorfbewohner Marcus (Max Riemelt), der, sei's aus Altruismus oder aus vagem erotischen Interesse, vielleicht der Einzige ist, der sich zugänglich zeigen wird, wenn's hart auf hart kommt; die raue See. Und natürlich Rückblenden, Träume, fetzenhafte Erinnerungen, die einander gerne auch mal widersprechen. Ja, all das sind Genre-Klischees – deutsche Variationen dieser geläufigen Motive kennen wir bislang allerdings im Kino kaum. Ganz in diesem Sinne macht Schmidt deutlich, dass es nicht nur in Rumänien und in den abgelegen Wäldern und Bergen der USA weiße Flecken auf der Landkarte gibt, die sich als mythologische Orte des Horror- und Mystery-Kinos eignen. Auch der Einstieg in dieses unheimliche Szenario ist gut gelungen: Bereits in den ersten Szenen rückt die Regisseurin ins finstere Herz des Waldes vor, schickt zwei Mädchen im trügerisch weißen Kleid der Unschuld in die Dunkelheit eines Schachtes und in die der Seele, während der Streicherteppich von Marian Lux das Geschehen mal in dräuendes Unheil, mal in Wehmut taucht.

„Du hast es versprochen" beginnt vielversprechend und stringent, im Verlauf des Films verliert sich die Regisseurin allerdings etwas in der Mechanik des Genre-Filmemachens. Über weite Strecken ist sie dann mehr mit der dramaturgischen Konstruktion als mit dem Innenleben ihrer Figuren beschäftigt. „Zwei drei Stunden später, und wir hätten nichts mehr tun können", sagt Hanna ihrer Freundin Clarissa am Krankenbett – zwei, drei Sekunden später liegen die beiden einander in den Armen, als würde das Wiedersehen alle Qual und Todessehnsucht mit einer Welle davonspülen. Geradezu ärgerlich ist dann, wie das zentrale Geheimnis aufgedeckt wird und sich im letzten Akt sämtlicher Spuk in Luft auflöst. So weit ist das deutsche Kino anscheinend dann doch noch nicht, dass es einen Rest des Unerklärlichen in der scheinbar restlos vermessenen Landschaft der Republik dulden würde.

Fazit: Der Mystery-Thriller „Du hast es versprochen" ist atmosphärisch bebildert, aber die Erzählung dieses seltenen deutschen Genre-Beitrags bleibt nach vielversprechendem Beginn bis zum enttäuschenden Ende unspektakulär und wenig fesselnd.
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