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The Dinosaur Project
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
The Dinosaur Project
Von Lars-Christian Daniels
Was kommt wohl dabei heraus, wenn man Steven Spielbergs dreifach oscarprämiertes Action-Abenteuer „Jurassic Park" mit dem Found-Footage-Schocker „Blair Witch Project" kreuzt? Eine Antwort auf diese Frage gibt Filmemacher Sid Bennett mit „The Dinosaur Project". Bennett, der bis dato vor allem aufwendige Abenteuer-Dokumentationen für das US-Fernsehen wie „Predator X" inszenierte, lässt in seinem Leinwanddebüt vermeintlich ausgestorbene Urzeitwesen auf eine TV-Crew los, die den eigenen Überlebenskampf im afrikanischen Dschungel mit wackeligen Handkamera-Aufnahmen dokumentiert. Das Ergebnis fällt wenig zufriedenstellend aus: „The Dinosaur Project" schwimmt lediglich im Fahrwasser populärer Found-Footage-Erfolge und kann als Low-Budget-Produktion naturgemäß nicht ansatzweise mit den wegweisenden CGI-Bildern mithalten, mit denen Spielberg 1993 die Kinosäle zum Erbeben brachte.

Als in den Gewässern des afrikanischen Dschungels eine riesige Kreatur, die dem sagenumwitterten Monster von Loch Ness verdächtig ähnlich sieht, gesichtet wird, macht sich ein Expeditionsteam unter Leitung des erfahrenen Marchant (Richard Dillane) in den kongolesischen Urwald auf, um nach dem Monstrum zu suchen. Begleitet wird Marchant unter anderem von seinem Sohn Luke (Matt Kane), der sich heimlich an Bord des Teamhelikopters geschlichen hat und den Ausflug mit seiner Digitalkamera filmt, sowie einer TV-Crew, die eine professionelle Dokumentation über das Dschungelabenteuer drehen will. Auf dem Flug zum Absetzpunkt wird der Hubschrauber jedoch plötzlich von riesigen Flugechsen angegriffen und stürzt mitten im Urwald ab. Ein gefährlicher Überlebenstrip beginnt, denn Marchant und seine Begleiter stoßen auf eine hungrige Spezies, die eigentlich seit 65 Millionen Jahren ausgestorben sein sollten...

Erfolgreiche Found-Footage-Produktionen wie „Blair Witch", „[REC]" oder „Cloverfield" leben von ihren spontan aufgenommen wirkenden Wackelbildern, die das Horror-Erlebnis noch authentischer machen sollen. Was Regisseur Sid Bennett, der mit Jay Basu auch das Drehbuch zu „The Dinosaur Project" schrieb, seinem Publikum hier allerdings zumutet, ist schon eine arge Schleuderfahrt: Die Kameraführung des filmenden Teenagers Luke ist dermaßen nervtötend, dass man sich vorkommt, als sei ein hibbeliger Neunjähriger am Werk, der zum Geburtstag seinen ersten Camcorder geschenkt bekommen hat. Selbst wenn von den urzeitlichen Angreifern weit und breit nichts zu sehen ist und die Crew auf einer beschaulichen Lichtung eine Verschnaufpause einlegt, schwenkt die Kamera wild hin und her, setzt plötzlich das Bild aus, knackt und knarzt der Ton. Auch der für weiteres Material zuständige TV-Kameramann, der eine Profi-Kamera schultert und eigentlich wissen müsste, was er da tut, macht es kaum besser.

Die stabilsten Aufnahmen liefert tatsächlich ein kleiner Saurier, dem Luke zu Forschungszwecken vorübergehend seine Kamera um den Hals hängt. Die teuren computeranimierten Dinos treten angesichts des knapp bemessenen Budgets aber nur selten in voller Pracht auf: Bei den temporeichen Verfolgungsjagden im Dickicht, den nächtlichen Auseinandersetzungen mit den ausgehungerten Fleischfressern und der ersten Begegnung mit der Echsen-Variante von „Nessie" ist meist schon nach wenigen Sekunden mehr zu hören als zu sehen. Ständig filmt die Handkamera die Füße der Flüchtenden, den Himmel, den Boden, die Dschungelvegetation – nur nicht das eigentliche Geschehen oder gar einen Saurier. Das hat zur Folge, dass der Kampf zwischen Mensch und Urzeitechsevon regelmäßig in Tagebuchform rekapituliert werden muss: Gebetsmühlenartig wiederholen Luke und Co. nach jeder überstandenen Attacke das, was man gerade schon überstanden glaubte – nicht zuletzt deshalb ist der Film über weite Strecken komischer als es der doch dramatischen Found-Footage-Prämisse gut tun kann.

Auch mit seiner Figurenkonstellation ist Bennett weit davon entfernt, dem Abenteuergenre etwas Spannendes abzugewinnen. Neben ein paar profillosen Wegbegleitern, die wie immer als erste mit ihrem Leben bezahlen, gibt es mit Marchant den erfahrenen Gruppenführer, der nur am Forschungsergebnis und nicht am profitablen Geschäft mit den Aufnahmen interessiert ist, und mit Luke seinen dickköpfigen Sohn, der sich dem schimpfenden Vater als vollwertiges Crewmitglied beweisen will. Die dunkelhäutige Einheimische hebt nach dem ersten Todesfall den obligatorischen mahnenden Zeigefinger. Und mit dem skrupellosen Charlie (Peter Brooke) ist freilich auch ein egozentrischer Einzelkämpfer dabei, der allen Ruhm für sich allein einheimsen will. Einzig die hübsche Dr. Liz Draper (Natasha Loring) beißt früher ins Gras, als es angesichts ihres wohlproportionierten Körpers und des Frauenmangels im Team zu erwarten wäre.

Fazit: „Jurassic Park" trifft „Blair Witch" – Sid Bennetts „The Dinosaur Project" hätte durchaus ein unterhaltsamer Genremix werden können. Viel zu verwackelte Bilder und ein eklatanter Mangel an furchteinflößenden Dinosauriern verderben hier allerdings schnell die Laune.
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