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    Planet der Affen: Revolution
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    5,0
    Meisterwerk
    Planet der Affen: Revolution
    Von Christoph Petersen
    Nachdem selbst Meisterregisseur Tim Burton bereits ein Remake des Science-Fiction-Klassikers „Planet der Affen“ in den Sand gesetzt hatte, deuteten alle Vorzeichen für Rupert Wyatts („The Escapist“) neuerlichen Reboot auf einen weiteren Fehlschlag hin. Doch dann entpuppte sich „Planet der Affen: Prevolution“ als der beste Blockbuster des Kinojahres 2011! Statt einer reinen Technikschau gab es eine starke Geschichte mit noch stärkeren Figuren, die grandiose Animation der Primaten war dann nur noch das Salz in der Suppe. Kein Wunder also, dass sich 20th Century Fox direkt an eine Fortsetzung machen wollte. Doch dann stieg Regisseur Wyatt überraschend aus dem Sequel aus, weil ihm eine Fertigstellung bis zum vom Studio angepeilten Starttermin im Sommer 2014 als nicht realistisch erschien und die Erwartungen der Fans sanken wie schon vor dem ersten Teil erneut in den Keller. Aber alle Befürchtungen waren völlig unnötig, denn Wyatt-Ersatz Matt Reeves („Cloverfield“) gelingt das nicht für möglich gehaltene Kino-Kunststück: Er übertrifft mit seinem brillant-düsteren „Planet der Affen: Revolution“ den bereits herausragenden Vorgänger sogar noch.

    Nur einer von 500 Menschen ist nicht an dem vor zehn Jahren versehentlich von Alzheimer-Forschern freigesetzten Virus krepiert – und die meisten Überlebenden haben sich nach dem Zusammenbruch der staatlichen Ordnungen gegenseitig die Schädel eingeschlagen. Trotzdem ist es den zwei Männern Malcolm (Jason Clarke) und Dreyfus (Gary Oldman) gelungen, in San Francisco eine Kolonie zu errichten, deren Bewohner friedlich zusammenleben. Allerdings gehen die Dieselvorräte langsam zu Ende und eine nachhaltige Energieversorgung scheint nur mittels eines in den dichtbewaldeten nördlichen Hügeln gelegenen Staudamms möglich. Bei einer ersten Expedition in die Wälder stoßen Malcolm, sein Sohn Alexander (Kodi Smit-McPhee) und seine Freundin Ellie (Keri Russell) jedoch auf ein intelligentes Affenvolk, das von dem Schimpansen Caesar (Andy Serkis) angeführt wird. Dieser hielt die Menschen eigentlich schon für ausgestorben und ist genau wie die anderen Affen des Volks gar nicht erfreut über den überraschenden Besuch…


    Nach dem Vorspann (praktisch eine exakte Wiederholung des Abspanns des Vorgängers) gehören die ersten 20 Minuten des Films ganz den Affen. Der Zuschauer bekommt hier ganz ohne gesprochene Worte ein Gefühl für die Gemeinschaft, die Caesar in der vergangenen Dekade etwa bis zum Entwicklungsstand eines Wikingerdorfes gebracht hat. Und dann beginnt die Jagd: Die Schimpansen schwingen sich von Ast zu Ast und das Publikum kommt die folgenden zwei Stunden praktisch gar nicht mehr aus dem Staunen heraus! „Planet der Affen: Prevolution“ hat die Motion-Capture-Tricktechnik und insbesondere das Performance-Capture-Verfahren bereits auf ein beeindruckendes Niveau gehoben, aber mit „Revolution“ werden alle bisherigen Standards geradezu pulverisiert. Wer in ein paar Jahren bei der TV-Ausstrahlung des Films zufällig reinschaltet, der wird sich zunächst in einer Naturdokumentation wähnen, zumindest bis ihm auffällt, dass reale Affen nicht mit selbstgebastelten Speeren auf Hirschjagd gehen. Der Oscar für die Besten Spezialeffekte ist damit bereits jetzt vergeben und wenn es irgendwie gerecht zugeht, dann wird endlich auch Gollum-Darsteller Andy Serkis ausgezeichnet, denn wie er und vor allem auch Toby Kebbell („Prince Of Persia“) als geschundener Koba den computeranimierten Primaten Leben einhauchen, ist schlicht ganz, ganz große Schauspielkunst.

    Hier ist längst nicht mehr die Frage, ob die Affen lebensecht wirken oder nicht. Die zu verblüffender Perfektion gebrachte Technik rückt in den Hintergrund und die Darsteller brillieren in einem mitreißenden Königsdrama, das sich selbst vor dem Shakespeare-Klassiker „Julius Caesar“ (die Figur des Affen-Anführers heißt nicht zufällig so) nicht zu verstecken braucht. Und damit ist dann auch klar: Die neue „Planet der Affen“-Reihe ist eben keine Technik-Bombast-Veranstaltung wie die „Transformers“-Filme von Michael Bay, in der höchstens noch halbherzig versucht wird, den Übergang von einer Roboter-Zerstörungsorgie zur nächsten nachvollziehbar zu begründen. Stattdessen dienen die CGI-Effekte hier dazu, die für einen Blockbuster unüblich ernsthafte und nuancierte Story zu unterstützen, die ihren Festplatten-Protagonisten eben bedeutend mehr abverlangt, als lediglich einen Oneliner nach dem anderen rauszuhauen. Zwar kam auch „Prevolution“ schon ohne Happy End aus, aber zumindest gab es zwischendurch immer mal wieder aufheiternde Momente. In „Revolution“ schlägt die Stimmung der einzigen längeren niedlichen Szene (mit einem süßen Affenbaby) hingegen an ihrem Ende auch noch ins Gegenteil um - der Film ist kompromisslos düster und das mit gutem Grund: Letztendlich ist „Planet der Affen: Revolution“ nämlich einer der ganz wenigen Anti-Kriegsfilme, bei denen das „Anti“ tatsächlich zu Recht dasteht.

    Eigentlich gibt es gar keinen Grund, warum Caesars Stamm im Wald und die Kolonie in der Stadt nicht friedlich koexistieren sollten: Die Sache mit dem Staudamm dauert ein paar Tage und anschließend könnte wieder jeder für sich bleiben. Aber die Angst und die Vorurteile (Menschen sind schießwütige Folterknechte, Affen wilde Tiere) sitzen auf beiden Seiten so tief und ein Verständnis füreinander zu entwickeln fällt so schwer, dass die Dinge trotz des guten Willens von Caesar und Malcolm (Jason Clarke steht James Franco als neuer Hauptdarsteller in nichts nach) scheinbar ausweglos in Richtung Katastrophe schlittern. Eine solche fatalistische Erzählung kann leicht forciert oder moralisierend wirken, aber davon ist hier nichts zu spüren. Als Zuschauer fiebert man so sehr mit den Figuren (auf beiden Seiten!) mit und der Unsinn des Krieges wird auf so schmerzhafte Weise deutlich, dass man sofort auf die ebenfalls grandiosen Action-Sequenzen (unvergesslich eine aus der Egoperspektive gefilmte explosive Panzerfahrt und eine luftige Primaten-Prügelei auf einem halb eingestürzten Wolkenkratzer) verzichten würde, wenn doch nur alle miteinander auskämen und den Irrsinn beenden würden. Ein größeres Lob kann man einem Anti-Kriegsfilm, zumal wenn er im trügerischen Gewand eines CGI-Sommer-Blockbusters daherkommt, kaum machen!

    Fazit: Thematisch noch reifer, erzählerisch noch mutiger und visuell noch brillanter – „Planet der Affen: Revolution“ ist ein nicht nur tricktechnisch bahnbrechendes Blockbuster-Sequel, das die Vorfreude auf das bereits für 2016 angekündigte Trilogie-Finale ins Unermessliche steigen lässt!




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