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Getaway
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,0
schlecht
Getaway
Von Carsten Baumgardt

Wenn die Karriere auf der großen Bühne Hollywoods auf die Zielgerade einbiegt, tritt so mancher abgetakelte Actionrecke den Weg in die Niederungen des Videotheken-B-Movies an und kurbelt einen Billig-Klopper nach dem anderen herunter - bevorzugt im produktionsgünstigen Osteuropa. Auch den zweifach oscarnominierten Ethan Hawke hat es nun dorthin verschlagen, genauer gesagt in die bulgarische Hauptstadt Sofia, um für Regisseur Courtney Solomon („Der Fluch der Betsy Bell“) einen anspruchsbefreiten Actionfilm zu vergolden. Da sie für „Getaway“ mit Teeniestar Selena Gomez auch noch einen hübschen zusätzlichen Lockvogel verpflichten konnten, brachten die Produzenten die rastlose Raserei sogar weltweit in die Kinos, aber was wahrscheinlich einmal als eine Art „Bullitt“ für die YouTube-Generation angedacht war, scheitert so grandios auf allen Ebenen, dass der direkte Durchmarsch des bezingetränkten Autoverfolgungs-Actioners in die hinteren Reihen der Videotheken ratsamer gewesen wäre. Was jemand wie Ethan Hawke in einem solchen Film verloren hat, bleibt mysteriös. Immerhin ist er für seine Beteiligung an dem Drehbuch des gefeierten Indie-Hits „Before Midnight“ ein ernsthafter Anwärter auf eine Oscar-Nominierung 2014. Es ist also eigentlich noch viel zu früh für die Endstation in der B-Movie-Massenproduktion…

Der ehemalige Rennfahrer Brent Magna (Ethan Hawke) muss abseits der Piste noch einmal so richtig aufs Gas steigen: Ein Unbekannter (Jon Voight) hat seine Frau Leanne (Rebecca Budig) in Sofia entführt und stellt per Telefon Forderungen an den besorgt-wütenden Ehemann. Er soll ein ganz bestimmtes Auto klauen, einen 850 PS starken Shelby GT 500 Super Snake Mustang, und beim Düsen durch die Stadt eine Reihe von Aufgaben erledigen. Verfolgungsjagden mit der Polizei gehören noch zu den harmloseren Hürden der Schnitzeljagd, Brent muss auch in Passantenmengen rasen oder selbstverstümmelnd in andere Autos krachen. Doch bald bekommt der Ex-Racer nette Gesellschaft, denn eine junge Frau (Selena Gomez), The Kid, versucht den Wagen mit Waffengewalt in ihren Besitz zu bringen – nicht ohne Grund, er gehört nämlich ihr. Sie scheitert jedoch mit ihrem Unterfangen und wird schließlich zu Brents widerwilliger Komplizin im Kampf um seine Frau.  

Den beiden Steve-McQueen-PS-Klassikern „Bullitt“ und „Getaway“ zeitgemäß nachzueifern, ist eine große Herausforderung für jeden Filmemacher und das Risiko, bei dem Vergleich reichlich alt auszusehen, ist beträchtlich. Aber Regisseur Courtney Solomon hat es trotzdem gewagt und mit seinem auf hip getrimmten Inszenierungsstil der superschnellen Schnitte auf die moderne Internet-Generation gezielt. Sein handlungsarmer B-Movie-Actioner enthält tatsächlich mehr als 6.000 Schnitte, fünf- bis sechsmal so viel wie der statistische Durchschnitt für einen 90-Minuten-Film. Dieses Stakkato der Nonstop-Autoverfolgungsjagd führt allerdings nur in die Konfusion und letztendlich zur totalen Ermüdung – dazu trägt auch die eintönig-kühle Blaustich-Videooptik des bis auf Beginn und Ende vollständig im Dunkeln angesiedelten Films bei und den Rest erledigt die dauerplärrende Musik. Auch inhaltlich hat das 18 Millionen Dollar teure Demolition Derby vorwiegend Hanebüchenes in der Auslage, die Handlung ist auf geradezu alberne Weise überkonstruiert und viele Wendungen (The Kid erweist sich zum Beispiel als sehr hilfreiche Superhackerin, gleichzeitig ist ihr Vater zufälligerweise der Chef der Bank, die der unbekannte Kidnapper zu erleichtern gedenkt) sind einfach nur an den Haaren herbeigezogen.

Wer sich von dem Dauergetöse nicht demoralisieren lässt, kann in „Getaway“ immerhin einige ansprechend-rasante Autoverfolgungsjagden bestaunen. Denn Solomon hat für seinen Actionfilm bewusst auf CGI-Aufnahmen verzichtet und fährt im Kontrast etwa zu den mit allen Mitteln aufgemotzten PS-Spektakeln der „Fast And Furious“-Reihe handgemachtes Crashkino auf, das er jedoch durch die Schnittorgie im Nachhinein selbst in seiner Wirkung beschneidet. Die Schauspieler stehen dabei angesichts der ebenso knappen wie nichtssagenden Dialoge auf verlorenem Posten. Ethan Hawke („Training Day“, „Gattaca“), über dessen Figur der Zuschauer rein gar nichts erfährt, hockt mürrisch hinter dem Lenkrad und drückt hart aufs Gaspedal. Selena Gomez („Spring Breakers“) kann als The Kid ebenfalls wenig bis nichts ausrichten, obwohl sie immerhin mit minimalen Grundzügen einer Charakterzeichnung arbeiten darf. Das große darstellerische Können von Oscar-Preisträger Jon Voight („Beim Sterben ist jeder der Erste“, „Heat“) wiederum wird hier verschenkt. Als namenloser Missetäter ist er über weite Strecken nur zu hören oder bestenfalls im Anschnitt zu erahnen – unter diesen Bedingungen kann er keine besonderen Akzente setzen und es reicht es nur zu einem handelsüblichen Standardbösewicht.

Fazit: Für Courtney Solomons unangenehm dauertösenden, dumpfen Auto-Actioner „Getaway“ klemmt sich Ethan Hawke hinters Steuer eines PS-Boliden – den vor die Wand gefahrenen Film kann er nicht retten.

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Kommentare

  • niman7
    Hawke ist ein sehr talentierter Schauspieler. Sehr schade, dass er sich sowas antut.
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