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    Das Geheimnis der Feenflügel
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Das Geheimnis der Feenflügel
    Von Andreas Günther
    „Das Geheimnis der Feenflügel" ist das erste Abenteuer der erfindungsreichen Fee Tinkerbell, das in Deutschland nicht direkt auf DVD veröffentlicht wird, sondern ins Kino kommt. Der animierte Kinderfilm in 3D bietet turbulente, zauberhafte und anregende Unterhaltung für die ganze Familie. Das Regieduo Roberts Gannaway und Peggy Holmes behandelt dabei unter dem Mantel einer märchenhaften Geschichte von der plötzlichen Vereisung des Warmfeenreichs nicht nur eine Scheidung, sondern auch den Klimawandel auf sensible und konstruktive Weise. Die Lösung schwieriger globaler Probleme in der Verbesserung des menschlichen Miteinanders zu suchen, mag dabei in erwachsenen Augen vielleicht etwas naiv wirken, aber die positive Botschaft kommt hier spürbar von Herzen und passt bestens in die Weihnachtszeit.

    Den Warmfeen der warmen Jahreszeiten und den Frostfeen aus dem Winterwald ist es untersagt, einander zu besuchen. Doch als Tinkerbell (Stimme: Gabriele Pietermann) einmal ein paar Schritte zur verbotenen Seite unternimmt, fangen ihre Flügel ganz magisch an zu glitzern. Eingehüllt in einen selbstgeschneiderten dicken Mantel will Tinkerbell dem Phänomen auf den Grund gehen und begibt sich in den Winterwald. Dort lernt sie ausgerechnet ihre Schwester Periwinkle (Mandy Capristo) kennen, mit der sie aus demselben Lachen geboren wurde. Periwinkle zeigt Tinkerbell ihr Reich – und mit Hilfe einer kühlenden Schneemaschine kann auch Periwinkle das Warmfeenreich besuchen. Als jedoch nicht mehr genug Eis in der Maschine ist, drohen ihre Flügel ernsthaften Schaden zu nehmen. Das einstige Liebespaar Königin Clarion (Dagmar Dempe), Herrscherin des Sommerreichs, und Lord Milori (Michael Brennicke), Gebieter über den Winterwald, ist entsetzt über die Missachtung des Kontaktverbots. Verärgert wirft der Lord die Schneemaschine in einen reißenden Fluss, wo sie einen gewaltigen Schneesturm produziert, der den Lebensbaum der Feen gefährdet. Feen beider Reiche müssen bei der Rettung zusammenarbeiten, in deren Verlauf sich auch das Geheimnis der Feenflügel enthüllen wird.

    Freunden von Kinderbuchklassikern und ihrer Verfilmungen dürfte die Ausgangslage des „Geheimnis der Feenflügel" bekannt vorkommen. Die aus demselben Lachen geborenen Feenschwestern, die sich so ähnlich sehen, erinnern stark an die Zwillinge in Erich Kästners Roman „Das doppelte Lottchen", während Königin Clarion und Lord Milori offenkundig den getrennt lebenden Eltern in jenem Buch- und Filmklassiker nachempfunden sind. Als Inspirationsquelle wird der Kästner-Stoff, der von Disney bereits Anfang der 1960er Jahre mit „Die Vermählung ihrer Eltern geben bekannt" auf die Leinwand gebracht wurde, allerdings im Abspann nicht genannt. Ganz im Gegensatz zu „Peter Pan", dem die Figur der Tinkerbell – in Spielbergs „Hook" von Julia Roberts verkörpert – entlehnt ist. Doch im Film selbst kommen beide Vorbilder zu ihrem Recht, da wird nicht nur beim visuell aufwendigen Kampf mit entfesselten Maschinen und Feenflugakrobatik brilliert, sondern auch der Schmerz der Geschiedenen wird prägnant dargestellt: Wenn Lord Milori nach gelungener Mission gewohnt diszipliniert und wie immer ein wenig hochmütig den Abmarsch seiner Feentruppe befiehlt, muss sich die Königin wie von plötzlichem Herzweh ergriffen abwenden.

    Mit der Inszenierung des Höhepunkts der durchgehend spannenden und abwechslungsreichen Handlung, dem Schneesturm, hat sich das Produktionsteam besonders große Mühe gegeben. Um den Vorgang so realistisch wie möglich nachzuahmen, wurde sogar ein Fachmann für die Erforschung der Zusammenhänge zwischen Schneeschmelze und dem Wasserkreislauf der Erde als Berater hinzugezogen. Die Symbolik der Schneemaschine liegt dabei auf der Hand: So etwas zu erschaffen, ist nicht an sich verwerflich, denn Tinkerbell will Periwinkle helfen und hat damit zunächst auch Erfolg. Die Probleme entstehen, wenn mit Technik unsachgemäß umgegangen wird – wie von Lord Milori, der fast eine Klimakatastrophe verursacht. Erfreulich ist, dass sich der Unverstand in dieser Hinsicht einmal auf männlicher Seite befindet, während die Konstrukteurin der Maschine ein Mädchen ist.

    Die im Trickfilm heute fast schon obligatorische dritte Dimension hat hier keinen Mehrwert, aber wenn ein Film so packend erzählt und inszeniert ist wie „Das Geheimnis der Feenflügel", dann ist es fast gleichgültig, ob er in 2D oder in 3D gedreht ist. Kritischen älteren Zuschauer könnte eher die überschlanke Erscheinung der Feen aufstoßen, die mit ihrer Barbiepuppen-Figur ein problematisches Rollenmodell abgeben, auch schlägt der gefühlvolle Erzählton gelegentlich ins Kitschige um, insbesondere bei der Wiedervereinigung der Nimmerland-Hälften und ihrer Oberhäupter. In solchen Momenten ist der Film deutlich näher an klassischen Disney-Märchen als an vielen modernen und zeitgeistigen Kinderfilmen. Letztlich hält die Einfachheit der hier gezeigten Problemlösungen der komplexen Realität nicht stand, aber hier wirkt der Zauber des Märchens, der uns bereitwillig an eine bessere Welt glauben lässt.

    Fazit: Das „Geheimnis der Feenflügel" ist ein naives und zuweilen kitschiges, aber herzerwärmendes Wintermärchen gegen die Gefühlsklimakatastrophe.
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