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Der 7bte Zwerg
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Der 7bte Zwerg
Von Björn Becher
Nach den Kinoerfolgen „7 Zwerge – Männer allein im Wald“ von 2004 (6,8 Mio. Besucher) und „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“ von 2006 (3,6 Mio.) ist „Der 7bte Zwerg“ der neueste Teil dieser lose zusammenhängenden, einst von Otto Waalkes entworfenen Zipfelmützen-Reihe. Es gibt dieses Mal aber eine große Veränderung: Waren die Vorgänger noch Realfilme, folgt nun ein 3D-Animationsabenteuer. Warum? Wegen der Auslandsvermarktung lautet die einigermaßen überraschende Antwort. Kaum jemand außerhalb des deutschsprachigen Raums kennt hiesige Comedians wie Ralf Schmitz, Martin Schneider oder selbst Otto Waalkes und daher will sie dort auch niemand sehen. Mit dem neuen Film sollen die Abenteuer von Zwerg Bubi und Co. nun aber auch einem „internationalen Publikum schmackhaft“ gemacht werden, wie es im Presseheft heißt. So wurde parallel zur deutschen auch eine englischsprachige Version produziert, wobei angestrebt wurde, dass die Witze über globale Grenzen hinweg ankommen, dazu wurde auch das Design der Figuren dem vermeintlichen Weltgeschmack angepasst. Ob das Ergebnis nun tatsächlich für zusätzliches Aufsehen sorgen wird, bleibt abzuwarten, deutsche Zwerge-Fans dürften nach sieben Jahren Wartezeit aber enttäuscht sein. Denn der routiniert animierte Film von Produzent und „Gesamtleiter“ Douglas Welbat, Regiedebütant Boris Aljinovic und der bis zu seinem Tod 2013 als Co-Regisseur mitwirkenden Animationslegende Harald Siepermann ist zwar kindgerechter als die ersten beiden Filme, bietet dabei allerdings (noch) weniger witzige Momente.

Auf Schloss Fantabularasa steigt eine große Party. Endlich feiert Prinzessin Rose (Stimme: Mia Diekow) ihren 18. Geburtstag, der auch das Ende eines Martyriums für sie bedeutet. Denn von der bösen Hexe Dellamorta (Nina Hagen) wurde sie bei ihrer Taufe verwünscht: Sticht sie sich an einem spitzen Gegenstand ehe sie das 18. Lebensjahr vollendet hat, verfällt das ganze Königreich in einen Schlaf. Erlösen kann sie dann nur noch ein Kuss wahrer Liebe. Doch Rose war vorsichtig, trug ihr Leben lang eine Ritterrüstung. Und damit es eine Rettung gibt, falls Dellamorta es in letzter Sekunde doch noch schafft, sie zu verletzen, sollte sich Roses große Liebe, der Küchenjunge Jack (Henning Nöhren), eigentlich bei den sagenumwobenen sieben Zwergen verstecken. Doch Jack wurde vom Drachen Burner (Christian Brückner) entführt und so nimmt das Unglück seinen Lauf. Ausgerechnet Zwerg Bubi (Otto Waalkes), der wie seine sechs Gefährten auch bei der Feier zu Gast ist, sorgt mit seiner Tollpatschigkeit dafür, dass sich Rose am Zauberring von Dellamorta sticht und die gesamte Hofgesellschaft vereist wird. Nur die Zwerge können in letzter Sekunde aus dem Eisschloss fliehen und wollen nun Bubis Fehler wiedergutmachen. Dazu müssen Bubi, Speedy (Martin Schneider), Tschakko (Mirco Nontschew), Sunny (Ralf Schmitz), Ralfie (Nobert Heisterkamp), Cloudy (Boris Aljinovic) und Cooky (Gustav Peter Wöhler) aber erst einmal Jack aus den Klauen von Dellamorta befreien…


Im Presseheft wird mit seltener Offenheit die Entstehungsgeschichte von „Der 7bte Zwerg“ erzählt und diese Schilderung lässt erahnen, warum hier am Ende ein enttäuschender Film herausgekommen ist. Als man 2011 nach fünf Jahren Vorarbeit in die heiße Phase eintreten wollte, wurden Bedenken laut: Character- und Set-Designer, Storyboard-Artists und wichtige andere künstlerische Mitarbeiter erklärten gemeinsam, dass sich aus dem damals vorliegenden Drehbuch kein Animationsfilm machen ließe. Zu jenen kritischen Stimmen gehörte auch Harald Siepermann, Miterfinder der Cartoon-Figur Alfred J. Kwak und lange Jahre bei Disney beschäftigt, wo er an Filmen wie „Mulan“, „Ein Königreich für ein Lama“ und „Verwünscht“ arbeitete. Ihm fiel nun die Aufgabe zu, auf die Schnelle eine neue Geschichte zu basteln. Bis zu seinem Tod im Jahr 2013 war Siepermann intensiv an deren Umsetzung beteiligt und wird nun als Co-Regisseur und Co-Autor gelistet. Diese schwierigen Begleitumstände sind dem fertigen Film deutlich anzumerken, denn „Der 7bte Zwerg“ wirkt gerade erzählerisch tatsächlich wie eilig zusammengeschustert. Man hangelt sich mehr schlecht am Plot und an einzelnen Motiven von Disneys Zeichentrickklassiker „Dornröschen und der Prinz“ entlang und garniert dies mit Elementen aus dem Märchen „Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen (zuletzt adaptiert als „Die Eiskönigin“), doch am Ende ist die mühselig konstruierte Story sowieso nur ein Vorwand, um die sieben Zwergen-Protagonisten in infantile Witzsituationen stolpern zu lassen.

Die ersten beiden „7 Zwerge“-Filme waren in Deutschland auch deshalb so erfolgreich, weil die Fans der einzelnen Komiker, vor allem die Anhänger von Otto Waalkes, ihre Lieblinge auf der Kinoleinwand sehen wollten. Von denen bleiben bei ihren animierten Reinkarnationen nun allerdings nur noch die Stimmen und einige grobe Charakteristika erhalten, zumal angeblich versucht wurde, die Figuren zu „internationalisieren“, indem man ihnen Züge von weltbekannten Komikern wie Stan Laurel, Groucho Marx und Kevin James beigemischt hat. Das ist bestenfalls zu erahnen, erreicht wurde nur, dass die Zwerge jetzt x-beliebige (Witz-)Figuren sind, die zudem häufig an hibbelige Schulkinder erinnern; ein Effekt, der durch die verstellten Stimmen noch verstärkt wird. Da ist es nur konsequent, wenn die sieben Wichte im Film einmal sogar explizit für kleine Jungs gehalten werden. Das ständige Chaos, das diese simpel gestrickten, ständig nach Aufmerksamkeit gierenden Zwerge anrichten, gerät allerdings meist eher kindisch als kindlich und ist auch für die jungen Zuschauer nur selten wirklich lustig. Der Humor ist diesmal fast ausschließlich auf Kinder zugeschnitten, selbst wenn es darum geht, die noch eher antiquarisch lebenden Zwerge mit der Moderne zu konfrontieren. So trifft das zipfelbemützte Septett gleich zu Beginn auf ein Rap-Duo, das ihnen seinen neuesten Hit auf der mehr als deutlich an YouTube erinnernden Videoplattform im Märchenland präsentiert - und dieser Song von Walross Herman und Fischotter Sherman erinnert nicht zufällig mehr an ein Kinderlied als an einen Gangsta-Rap.

Zwischen den meist lahmen Musik-Einlagen, bei denen ausschließlich Nina Hagen mit ihrer sehr präsenten Rockröhre heraussticht, und der behäbig fortschreitenden Handlung sind die lustigen Momente rar. Sehr amüsant ist jedoch eine Art Schnellzitaterunde durch die Klassiker der Märchenwelt beim Einlass zur Geburtstagsparty der Prinzessin: Das Eintreffen der berühmten Gäste wird von dem unwahrscheinlichen Moderatoren-Duo Rotkäppchen und Der Böse Wolf fürs Märchenfernsehen mit der einen oder anderen Doppeldeutigkeit kommentiert. Die beste Figur des Films ist unterdessen der unter Burn-out leidende Drache Burner, den alle seine Freunde Burny nennen – nur leider hat er keinen einzigen Freund. Synchronsprecherlegende Christian Brückner (vor allem als deutsche Stimme von Robert De Niro bekannt) gibt dem depressiven Drachen eine leidend-komische, aber trotzdem ernste Note, die dafür sorgt, dass man mit dieser Figur auch mal mitfiebern kann. Solche Gelegenheiten gibt es hier allerdings viel zu selten und auch bei der technischen Umsetzung sowie der visuellen Gestaltung bieten die Macher kaum etwas, das dieses Defizit ausgleichen könnte. Nach der charmant als Handzeichnung mit Bleistift und Radiergummi erzählten Vorgeschichte präsentieren sie uns computeranimierte Bilder auf ordentlichem, aber nicht bemerkenswertem Niveau. Hier und da gibt es einen rasant-effektvollen 3D-Moment (gerade bei den Actioneinlagen), aber Top-Hollywood-Klasse wird hier nicht erreicht.

Fazit: Der weitgehend misslungene Versuch aus einer deutschen Erfolgsreihe für Comedy-Fans einen auf einen internationalen Markt zugeschnittenen Kinderfilm zu machen mündet in eine Parade öder Musikeinlagen und infantiler Witze.
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