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Der Spion und sein Bruder
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Der Spion und sein Bruder
Von Frank Schnelle
In „Borat“, Sacha Baron Cohens bislang politischstem Film, liefert sich der kasachische Titelheld irgendwann einen Ringkampf mit seinem schwergewichtigen Produzenten. Die beiden sind dabei splitternackt und nehmen eine groteske Position nach der anderen ein. Dass hier Geschmacksgrenzen ausgelotet werden und verklemmte Homoerotik thematisiert  wird, versteht der Zuschauer schnell. Trotzdem zieht Cohen die Szene immer weiter in die Länge, und als das unappetitliche Treiben endlich vorbei zu sein scheint, geht es auf einer öffentlichen Bühne unverdrossen weiter. In „Borat“ war die Szene ein eigentümlicher Fremdkörper, in „Der Spion und sein Bruder“, Cohens parodistischer Attacke auf das Agentenfilmgenre, treibt der britische Anarcho-Clown dieses Prinzip nun vollends auf die Spitze. In der von „Transporter“-Regisseur Louis Letterier schwungvoll inszenierten Komödie werden abwechselnd die Genre-Vorbilder von James Bond bis „Mission: Impossible“ veralbert und die Gepflogenheiten der englischen Unterschicht auf die Schippe genommen, vor allem dient das Ganze aber als Anlass für ein derb-zotiges Gagfeuerwerk, bei dem die ungezählten Pimmel- und Fäkalwitze noch zu den harmloseren Späßen gehören. Und immer wenn man denkt, der Höhe- beziehungsweise Tiefpunkt sei erreicht, setzen Cohen und Co. noch einen drauf.

Der einfältige Hooligan Nobby Butcher (Sacha Baron Cohen) lebt mit Freundin Dawn (Rebel Wilson) und den elf (vermutlich) gemeinsamen Kindern im nordenglischen Grimsby. Seinen Bruder Sebastian (Mark Strong) hat Nobby nicht mehr gesehen, seit die beiden vor 28 Jahren nach dem Tod ihrer Eltern getrennt wurden. So hat der leidenschaftliche Fan des englischen Fußballnationalteams keinen Schimmer, dass Sebastian ein Top-Agent des britischen MI6 ist. Als der den Auftrag erhält, während einer Wohltätigkeitsveranstaltung ein Attentat auf Rhonda George (Penelope Cruz) zu verhindern, kommt es zum Wiedersehen der ungleichen Brüder, wobei der trottelige Nobby prompt dafür sorgt, dass der Chef der Weltgesundheitsorganisation eine Kugel abbekommt. Fortan sind Nobby und Sebastian auf der Flucht – und müssen alles daransetzen, die wahren Hintermänner ausfindig zu machen …


Mit Nobby und Sebastian treffen in jeder Hinsicht zwei Welten aufeinander: Hier der Fußball-Flegel mit Three-Lions-Trikot, Badelatschen und Bauchansatz, der sich im Pub brennende Feuerwerkskörper in den Hintern steckt, dort der virile, drahtige Modellathlet, der zum Lachen in den Keller geht. Diese Zweiteilung spiegelt sich auch in den beiden sehr unterschiedlichen Erzählebenen: Einerseits ist „Der Spion und sein Bruder“ ein handfester Agenten-Spoof, in dem Regisseur Leterrier („Die Unfassbaren“, „Kampf der Titanen“) die Rasanz seiner bisherigen Genrearbeiten kunstvoll zuspitzt, andererseits erinnern die Grimsby-Szenen mit ihrer Karikatur des vermeintlichen gesellschaftlichen Bodensatzes eher an Cohens früheren Film „Ali G in da House“, in dem die englische Provinz ähnlich liebevoll verballhornt wurde. Manchmal wirkt das fast, als würden da zwei nicht-kompatible Konzepte aufeinander losgelassen, aber macht nix, Cohen und Leterrier pfeifen ohnehin auf jedwede Logik. Sie mixen die Stile und Tonlagen so forsch und frivol, dass ohnehin kein „richtiger Film“ dabei herauskommen kann, sondern eher ein radikales Unikum - grell, laut und provokant.

Während Cohen als ziemlich beschränkter Proll und Mark Strong („Kingsman“) als sein unwahrscheinlicher Bruder ein erstaunlich perfektes Paar abgeben, bleibt für die unterbeschäftigten Penélope Cruz („Zoolander 2“), Isla Fisher („Visions“) und Rebel Wilson („Pitch Perfect 2“) nur wenig Raum. Schließlich müssen unzählige absurde Einfälle untergebracht werden und natürlich spart Cohen auch nicht mit aktuellen Bezügen. Möchtegernpräsident Donald Trump, „Harry Potter“ Daniel Radcliffe, die FIFA, HIV und AIDS, die Gallagher-Brüder: Alles und jeder kriegt irgendwie sein Fett weg, mal kritisch, mal albern, mal absurd. Sonderlich relevant ist nichts davon, der Film hat anders als Cohens frühere Arbeiten kein anderes erkennbares Ziel als temporeich und zügellos zu unterhalten. Richtigen Spaß hat dabei allerdings nur, wer auch Großaufnahmen von Hodensäcken und elefantöse Bukkake-Partys als Entertainment verstehen mag …

Fazit: Geschmacklos, unverschämt, hemmungslos idiotisch: Wer an den tief unterhalb der Gürtellinie angesiedelten Zoten von Sacha Baron Cohen seinen Spaß hat, ist hier genau richtig. In der rasanten Agentenfilm-Parodie verbinden sich Geniales und Hirnrissiges zu einem ebenso amüsanten wie unvorhersehbaren Gagfeuerwerk.

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Kommentare

  • greek freak
    "Fazit: Geschmacklos, unverschämt, hemmungslos idiotisch"Na denn,immer her damit!Übrigens hat Sasha Baron Cohen,bei Conan O´Brien ausgeplaudert,das seine Figur von Liam Gallagher inspiriert wurde,nachdem er ihn bei einer GQ-Gala mit Bono traf.Das ganze ist so skurill,könnte glatt aus Borat oder Brüno sein,unbedingt auf youtube ansehen!
  • greek freak
    Hier:https://www.youtube.com/watch?... Die Story,wo er Liam Gallagher und Bono bei dieser Award Schow traf.
  • Fain5
    Geil. Ali G ist immer noch mein Lieblingsfilm von Cohen, wobei ich ihn als Komiker generell abfeiere. Und Mark Strong ist auch immer sympathsich.
  • Peter H.
    Noch nie wurde ein Film in unserer Tageszeitung so zerrissen und verdammt wie dieser hier. "Einer der ekelerregendsten Filme der letzten Jahrzehnte!". Ein Grund mehr, dass ich ihn mir unbedingt anschaue. Wenn auch nicht im Kino.
  • Fain5
    Gibt es die Kritik zufällig online? Würde die gern mal lesen :D
  • Da HouseCat
    hahaha, your voice!oh look dem nypd...yeah what!eastside iz da best!:D
  • Bruno D.
    Wo hast du denn deinen Presseausweis her? Und wo veröffentlichst du dann deine Kritiken?
  • Fain5
    Und dann spießig werden und zum Lachen in den Keller gehen?
  • Bruno D.
    Alles klar. Wollt ich nur wissen. Dankeschön :)
  • Fain5
    Ich kann den "Ich brauch die Hühner, ich will die Hühner" Rap heute noch auswendig :D
  • Da HouseCat
    hast du den auf deutsch geschaut? hab ich nie durchgezogen, super richie als synchro totalausfall.
  • Fain5
    Das war Mola von Viva ;) Und ja da ich damals noch jünger war gab es 1. keine Möglichkeit für mich den auf englisch zu gucken und 2. hätte ich den wegen dem gefakten Slangenglisch eh nicht verstanden :D
  • Da HouseCat
    was? das war doch nicht mola. hahahaha.
  • Fain5
    Doch doch. Ich musste auch erstmal zweimal hinhören :D
  • Issy J.
    Dieser Film ist die größte sch****, die je gesehen habe. Asozial,behindert im allgemeinen der reinste Dreck. Die die über diesen Film lachen sind der reinste Abschaum.
  • Issy J.
    ganz meiner Meinung
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