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    Die Räuber
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Die Räuber
    Von Christian Horn
    In Tyrannos – gegen die Tyrannen! Dieses Motto thront über Friedrich Schillers Sturm-und-Drang-Drama „Die Räuber“, mit dem der Dichter 1781 offene Kritik an der Adelsherrschaft übte. Die Regisseure Frank Hoffmann und Pol Cruchten übernehmen die Handlung des Schiller-Debüts in der Grundkonstellation übernommen und verlegen sie für ihre europäische Koproduktion „Die Räuber“ in die Gegenwart. Nun gilt die Kritik dem Bankenwesen im 21. Jahrhundert. Abgesehen vom griffigen Titel, den Vornamen der Figuren und der Verquickung von Familiendrama und Räuberhandlung hat die überaus freie Adaption jedoch kaum etwas mit der klassischen Vorlage gemein. Wo Schiller ein schwungvolles Plädoyer für die Freiheit verfasste, wirkt die an Film Noir- und Gangsterfilm-Motive angelehnte Variation recht unausgegoren. Zwar arbeitet Kameramann Jerzy Palacz („Midsummer Madness“) geschickt mit Farben und Spiegelungen, doch die theatralisch bis hölzern vorgetragenen Dialoge haben eine Tendenz zur unfreiwilligen Komik und ruinieren die guten Ansätze.


    Als der vom nach Drehschluss verstorbenen Oscar-Preisträger Maximilien Schell („Das Urteil von Nürnberg“), dem die Schwäche bereits deutlich anzusehen ist, verkörperte Bankier Escher wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung ins Fadenkreuz der Justiz gerät, springt sein Sohn Karl (Éric Caravaca) in die Bresche und wandert für drei Jahre in den Bau. Während Karls Abwesenheit reißt sein Bruder Franz (Robinson Stévenin) die Macht über Bank und Familie skrupellos an sich. Nach seiner Haftentlassung sinnt Karl auf Rache und tut sich mit einem Gangsterboss (Tchéky Karyo) zusammen: Schillers Gesellschaftskritik projizieren Hoffmann und Cruchten auf die kriselnden Finanzmärkte der Gegenwart. Diese Grundidee ist durchaus reizvoll, aber geht schnell in inszenatorischen Widersprüchen verloren. Einerseits setzt das Regie-Duo Hoffmann und Cruchten auf Spannungskino, gleichzeitig bleiben die theaterhaften Figuren aber weltentrückt. Diese Mischung aus Realismus und Künstlichkeit geht einfach nicht auf und so ist der zerfahrene Film nur in vergleichender Perspektive betrachtet interessant.

    Fazit: Schwaches, sehr vage an die Schiller-Vorlage angelehntes Familien- und Gangsterdrama.

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