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One Direction: This Is Us
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
One Direction: This Is Us
Von Christoph Petersen

Nachdem wir uns „Miley Cyrus: Best of Both Worlds Concert Tour“, „Justin Bieber 3D: Never Say Never“, „Glee on Tour - Der 3D-Film“, „Katy Perry: Part of Me 3D“ und nun auch noch „One Direction: This Is Us“ (auch in 3D, wenn auch nicht im Titel) angesehen haben, kam uns plötzlich die Erleuchtung: Wir gehen zu „Wetten, dass ..?“ und setzen darauf, dass wir 100 Weltstars allein am Gekreische ihrer Fans erkennen! Unser geweckter Ehrgeiz hielt genau fünf Minuten, dann mussten wir einsehen: Ob New York, Berlin oder Tokio, Gekreische bleibt Gekreische, ganz egal ob da nun Beliebers (Fans von Justin Bieber), Smiler’s (Fans von Miley Cyrus) oder eben Directioners (na, Fans von wem wohl?) zum Seele-aus-dem-Leib-Brüllen ansetzen! Mit dieser Erkenntnis stieg zugleich aber auch unsere Achtung vor den jeweiligen Regisseuren, denn wenn das Gekreische (ein essentieller Teil all dieser Konzert-Dokus) überall gleich klingt, ist es natürlich umso schwerer, sich von der Masse abzuheben. Trotzdem waren wir bei „This Is Us“ guter Hoffnung, schließlich führt hier nicht irgendjemand Regie, sondern Doku-Rebell Morgan Spurlock. Aber während der „Super Size Me“-McDonald’s-Vielfraß aus den Konzertmitschnitten von der One-Direction-Welttournee 2013 inszenatorisch tatsächlich eine Menge herausholt, sind die eingestreuten Backstage-Schnipsel doch nur wieder die gleichen, die wir auch in den anderen eingangs genannten Filmen schon mehrfach vorgesetzt bekommen haben.

In „One Direction: This Is Us“ begleitet Morgan Spurlock (der diesmal nicht selbst auftritt) die britisch-irische Boygroup auf ihrer 2013er „Take Me Home“-Tour, die ursprünglich nur Großbritannien und Irland umspannen sollte, dann aber angesichts der globalen 1D-Mania zu einer Welttournee mit mehr als 120 Auftritten ausgeweitet wurde. Dabei mischt der Regisseur Konzertmitschnitte aus allen Teilen der Welt (der letzte Dreh fand weniger als drei Monate vor Kinostart Anfang Juni in Mexiko statt – sportlich!) mit den Reiseerlebnissen der fünf Jungs (mit Cosplay-Kellnerinnen in Tokio, am Eiffelturm in Paris, ein Auftritt ganz in Orange in Amsterdam). Zudem wird in Interviews und mit Archivaufnahmen der meteoritenhafte Aufstieg von Niall Horan, Zayn Malik, Liam Payne, Harry Styles und Louis Tomlinson nachvollzogen, die 2010 als Einzelsänger zu der britischen TV-Talentshow „The X Factor“ antraten und erst dort von Moderator Simon Cowell (der englische Dieter Bohlen) aus einer spontanen Laune in eine gemeinsame Gruppe gesteckt wurden. Das Ergebnis: Obwohl One Direction bei der Show am Ende nur Dritter wurde, sorgten ihre Social-Media-begeisterten Fans im Anschluss dafür, dass ihr erstes Album nicht nur in Großbritannien, sondern auch in den USA auf Platz 1 der Charts landete. Ein absolutes Novum in der englischen Musikgeschichte: Von einem solch frühen weltweiten Erfolg konnten schließlich selbst die Beatles nur träumen…

Das Markenzeichen der Jungs von One Direction ist ein Mix aus jugendlichem Leichtsinn und rockiger Anarchie, wozu auch gehört, dass sie sich nicht wie die Boybands der 1990er im Partnerlook kleiden und synchrone Choreographien aufführen - ganz im Gegenteil. Immer wieder erzählen sie mit einem gewissen Stolz, dass sie wohl die einzige Boygroup seien, die das Tanzen abgrundtief hasst. Um trotzdem die nötige Energie in seine Konzertmitschnitte zu bekommen, hat sich Regisseur Spurlock neben dem ständigen Einblenden des kreischenden Publikums jedoch eine ganze Reihe inszenatorischer Kniffe einfallen lassen: So verwandelt er die Jungs während des Wheatus-Covers „Teenage Dirtbag“ passend zur Video-Show immer wieder in Comic-Figuren oder lässt die zu „Take Me Home“ auf den Bildschirmen im Bühnenhintergrund aufleuchtenden, an „Space Invaders“ erinnernden 8-Bit-Raumschiffe wiederholt in Richtung des Kinopublikums losschießen. In diesen Momenten zahlt es sich dann auch doppelt aus, dass die Verantwortlichen für die 3D-Konvertierung hier einen richtig guten Job abliefern.

Nicht ganz so gelungen sind hingegen die Dokumentar-Einschübe zwischen den einzelnen Songs, die sich wie auch schon in den Filmen über Justin Bieber, Miley Cyrus & Co. als reiner Fan-Service erweisen (wobei das natürlich auch verständlich ist, es werden sich schließlich sowieso nur Fans der Gruppe den Film anschauen). Trotzdem: Ein wenig hatten wir schon darauf gehofft, dass der oscarnominierte Spurlock vielleicht doch den einen oder anderen neuen Blickwinkel in den Film hineinschmuggelt. Aber Pustekuchen: Außer dass die Directioners in einer Szene, in der sich die Bandmitglieder vor ihren Fans in eine Amsterdamer Nike-Filiale retten, vor den Schaufensterscheiben wie die Zombies aus einem George-A.-Romero-Film anmuten, gibt es doch nur immer wieder verschiedene Ausformungen derselben (Werbe-)Botschaften: Die fünf Jungs sind alle auf dem Boden geblieben, haben Spaß an ihrer Arbeit und ihre Eltern ganz doll lieb. Na, dann ist ja alles gut!

Fazit: „One Direction: This Is Us“ ist zu 50 Prozent ein mit viel inszenatorischer Finesse veredelter 3D-Konzertfilm und zu 50 Prozent eine allzu offensichtlich von Marketing-Überlegungen angetriebene Boygroup-Doku, bei der mögliche tiefere Einsichten in das Leben der fünf in Rekordzeit zu Weltruhm geschossenen Bandmitglieder zunehmend im interkontinentalen Gekreische der Fans untergehen.

PS: Während das One-Direction-Publikum in allen Arenen dieser Welt  ausschließlich aus kreischenden Teenagern zu bestehen scheint, zeigt ausgerechnet der nur wenige Sekunden kurze Schnipsel vom Konzert in Berlin einen Vater, der sich die Ohren zuhält. Was will Morgan Spurlock den deutschen Directioners damit bloß sagen?

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