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The Thieves
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
The Thieves
Von Robert Cherkowski
Die Bezeichnung „erfolgreichster koreanischer Film aller Zeiten" macht hellhörig, auch wenn im vitalen asiatischen Filmgeschäft die Rekorde deutlich schneller purzeln als im Rest der Welt. Im cinephilen Schwellenland Südkorea sorgte ein filmbegeistertes Publikum im flotten Rhythmus für Wechsel an der Spitze der Hitliste: vom Agentendrama „Shiri" (1999) zum Gangsterfilm „Friend" (2001) über das Historiendrama „The King and the Clown" (2005) bis zu „The Host" (2006). Bong Joon-hos Monsterhorror konnte sich dann immerhin sechs Jahre mit dem Titel schmücken, ehe er nun von Choi Dong-hoons extrem unterhaltsamen Einbrecher-Thriller „The Thieves" abgelöst wurde - 13 Millionen (!) Koreaner können nicht irren.

Zusammen mit ihrer leicht versoffenen Mutter Chewingum (Kim Hae-sook) bildet die junge Yenicall (Jun Ji-Hyun) ein höchst erfolgreiches Einbrecher- und Diebesgespann, das mit eiskalter Präzision zuschlägt und schnell wieder verschwindet, aus dem Hintergrund sorgt Mastermind Popeye (Lee Jung-jae) für die ausgeklügelten Pläne und das nötige Equipment. Egal ob in Korea, in China oder in Japan – vor dem findigen Trio ist nichts sicher. In letzter Zeit ist ihnen jedoch ein verbissener Polizist (Ju Jin-mo) dicht auf den Fersen, so dass sich die eingeschworene Bande nach möglichen Coups in anderen asiatischen Ländern umschaut. Zusammen mit der lokalen Unterweltgröße Chen (Simon Yam) und dem Meisterdieb Macau Park (Kim Yoon-seok) wird das nächste große Ding geplant. Diesmal geht es nach Hongkong, wo sich die verschiedenen Parteien gegenseitig in die Pfanne hauen wollen. Denn das Objekt der Begierde ist ein sündhaft teurer Diamant – und für den wird auch vor Mord nicht zurückgeschreckt.

Schon die bonbonbunten Credits, die auf locker-flockige Art an die berühmten Vorspänne von Saul Bass („Vertigo", „Casino") erinnern, machen klar, dass man es hier nicht mit einem der typischen düsteren Gangsterfilme Made in Korea zu tun hat. Weder der Koreakrieg noch die Militärdiktatur werden thematisiert, es gibt kein Leid und keine Psychosen, „The Thieves" ist vielmehr nichts anderes als locker-leichte Unterhaltung – und die gelingt ausgezeichnet. Von der Besetzung – eine Mischung aus einheimischen Jungstars und bewährten Charakterdarstellern, die zwecks panasiatischer Vermarktung mit dem chinesischen Superstar Simon Yam („Nightfall", „Ip Man") in einer Nebenrolle ergänzt wird – bis zu den Produktionswerten: Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt und ganz unverhohlen auf den großen (Kassen-)Erfolg abgezielt. Großes Vorbild sind Einbrecher-Sausen à la „Ocean's Eleven", die spannend, aber nie nervenzerfetzend ablaufen und in denen von Beginn an kaum Zweifel am Erfolg der kriminellen Paradiesvögel bestehen.

Erzählerisch ist „The Thieves" eine runde Sache, wie man das vom koreanischen Genre-Kino gewohnt ist, auch wenn 135 Minuten Lauflänge durchaus stattlich sind. Choi nimmt sich viel Zeit, seine Protagonisten und ihre Gegenspieler einzuführen, ihre Motivationen deutlich zu machen, er gibt ihnen Raum und Zeit zum Atmen. So entsteht ein etwas aufgeblähtes Figurenkabinett, das sich durch eine unnötig komplizierte Handlung schlägt. Doch Choi, der auch als Co-Autor fungierte, bewahrt stets die Übersicht und wechselt gekonnt zwischen komischen und spannenden Momenten. Und spätestens zum Ende zahlen sich die vielen Figuren und Handlungsstränge aus: Wie ein Uhrwerk kommt alles zu einem packenden, schicksalhaften und actionreichen Finale zusammen. Auch hier erfindet Choi das Rad nicht neu, aber er bietet für jeden etwas: Gute Unterhaltung ist garantiert.

Fazit: In Korea gibt es ihn noch: den unterhaltsamen Mainstreamfilm, in dem Humor, Spannung, Drama und Action gekonnt unter einen Hut gebracht wird.
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Kommentare

  • Eugen Gense
    wie ist den die action so? Jackie-style?
  • Robert Cherkowski
    @Eugen – Die Action steht hier nicht wirklich an erster Stelle und ist auch nicht so Martial-Arts-lastig wie bei Kollege Chan. Zwar gibt es hier auch ein paar ruppige Handgreiflichen, doch kommen die selten akrobatisch daher. Stattdessen gibt es erstaunlich viele Gun-Fights, die jedoch nie zu Baller-Epen wie bei John Woo verkommen. Die Action wird besonders im Schlussdrittel verdichtet und weiß in Form und Ausführung zu gefallen. Sie spielt jedoch trotzdem eine eher untergeordnete Rolle im Vergleich zu den Heist-Sequenzen, in denen man das Räuberteam bei der Ausführung ihrer Manöver beobachten kann. Action-Fans können und sollten einen Blick riskieren. Das große Ramba-Zamba sollte man dennoch nicht (nur) erwarten.
  • Eugen Gense
    danke^^
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