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    StreetDance Kids - Gemeinsam sind wir Stars
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    StreetDance Kids - Gemeinsam sind wir Stars
    Von Andreas Staben

    Ob „Honey 2“, „Dirty Dancing 2“, „Save the Last Dance 2“ oder die diversen Teile der „Step Up“-Reihe: Im Tanzfilm sind Fortsetzungen so häufig wie sonst wohl nur noch im Horrorgenre und hier wie dort haben die vermeintlichen Sequels häufig nur wenig mit den Vorgängern zu tun. Das Personal vor der Kamera wird oft vollständig ausgetauscht, das höchste der Gefühle ist es dann, wenn einer der Original-Darsteller mal kurz bei seinen Nachfolgern vorbeischaut (wie es etwa Patrick Swayze und Channing Tatum getan haben). Auch sonst besitzen die lockeren inhaltlichen Verbindungen in aller Regel nur eine Alibi-Funktion – man zählt vielmehr ganz ungeniert auf die offensichtlichen kommerziellen Vorteile einer etablierten „Marke“. Etwas anders liegt der Fall nun bei Ben Gregors „StreetDance Kids – Gemeinsam sind wir stark“. Das neue Werk der  Produzenten von „StreetDance 3D“ und „StreetDance 2“ trägt im Original den schlichten Titel „All Stars“, womit die klare Zuordnung zu dem Mini-Franchise wegfällt, die aber hierzulande ohne zwingenden inhaltlichen Grund wiederhergestellt wird. Dadurch wird direkt auf die Verjüngung der natürlich neuen Protagonisten hingewiesen und mit dieser geht auch die Verjüngung des Zielpublikums einher: „StreetDance Kids“ ist als Tanzfilm, der in erster Linie an die Zehn- bis 15-Jährigen gerichtet ist, vielleicht eine Rarität, aber ansonsten ist er mit seiner formelhaften Handlung, den holzschnittartigen Figuren und den (zu) wenigen flotten Choreographien ein recht typischer Genrevertreter.

    Im Londoner Jugendzentrum „Alte Garage“ treffen sich die Kids des Viertels gern nach der Schule, darunter auch der talentierte B-boy Jaden (Akai Osei-Mansfield), der nichts anderes im Sinn hat als das Tanzen, und der vorlaute Ethan (Theo Stevenson). Als der geldgierige Gemeinderat Simon Tarrington (Mark Heap) das Zentrum abreißen lassen will, um Parkplätze bauen zu lassen, steht die engagierte Leiterin Gina (Ashley Jensen) mit dem Rücken zur Wand. Sie braucht dringend Geld, um die „Garage“ zu retten. Jaden schlägt ihr einen Benefiz-Talentwettbewerb vor, aber die Zeit ist knapp. Unterdessen fordert Ethan die Streetdance-Crew von Kurt (Kieran Lai) zum Wettkampf heraus, um ein Mädchen zu beeindrucken – und das, obwohl er gar nicht tanzen kann. Er überredet Jaden zu einem Deal: Im Gegenzug für seine Unterstützung bei der „Garagen“-Talentshow soll der ihm helfen, eine konkurrenzfähige Tanztruppe auf die Beine zu stellen. Die beiden Jungs tun sich mit der Kampfsportlerin Amy (Fleur Houdijk), die ein Auge auf Ethan geworfen hat, dem übergewichtigen Brian (Gamal Toseafa) sowie den beiden Privatschul-Kids Tim (Dominic Herman-Day) und Rebecca (Amelia Clarkson) zusammen und bilden die „All Stars“. Als Jaden kurz vor dem großen Wettbewerb von seinen Eltern Hausarrest bekommt, weil er sich über ihr Tanzverbot hinweggesetzt hat, droht das ganze Training umsonst gewesen zu sein…  

    Regisseur Ben Gregor in seinem ersten langen Spielfilm und Drehbuchautor Paul Gerstenberger setzen auf die zigfach bewährte Mischung aus Teenager-Drama und Tanzeinlagen, wobei ersteres wenig überzeugend ausfällt, während letztere zu kurz kommen. So leidet Ethan unter der Trennung seiner Eltern, womit sein ungewöhnlich unausstehliches Verhalten zu Beginn erklärt werden soll. Wenn er seinen Schulkameraden nordkoreanische (!) Schokolade vertickt und damit eine regelrechte Durchfall-Epidemie auslöst, dann kommt er sich wie der Größte vor. Gregor trimmt diese Szene auf lustig und trifft damit nicht den richtigen Ton. Auch die sich in einer Prügelei entladende Rivalität zwischen Ethan und Kurt wirkt in ihrer Brutalität aufgesetzt, zumal wenn an anderer Stelle etwa die Gewichtsprobleme Brians nur in billigen Scherzen (wenn er frustriert ist, mampft er Hamburger, geht es ihm gut, speist er Salat) zum Thema werden. Es bleiben einige nette Details bei der Zeichnung sozialer Unterschiede (wenn etwa die reichen Kinder sehen, wie es auf der öffentlichen Schule zugeht), aber der Hauptkonflikt zwischen Geldgier und Gemeinsinn wiederum könnte nicht gröber und schematischer ausfallen.

    Dass „StreetDance Kids“ von der erzählerischen Anlage her alles andere als ausgefeilt ist, merkt man vor allem den erwachsenen Nebendarstellern an, die die Eindimensionalität ihrer Figuren durch hemmungslose Übertreibung noch unterstreichen (hierbei schießt Mark Heap als skrupellos-lächerlicher Schlimmfinger-Kapitalist den Vogel ab). Mit Ausnahme des mit seiner unglücklich angelegten Rolle zunächst überforderten Theo Stevenson („Brügge sehen… und sterben?“) überzeugen die Jugendlichen dagegen mit Frische und Natürlichkeit. Insbesondere Debütantin Fleur Houdijk als selbstbewusst-schüchternes Karate-Ass sorgt für einige wahrhaftige Momente, während Akai Osei-Mansfield (der übrigens in den ersten beiden „StreetDance“-Filmen namenlose Winzig-Auftritte hatte) für die tänzerischen Höhepunkte sorgt. Seine Moves sind elegant, athletisch und beherzt, entsprechend bekommt er auch zwei große Tanz-Traumsequenzen (einmal in „Space Invaders“-Optik und dann inmitten einer Armee von Origami-Samurais), die nebenbei immerhin den 3D-Einsatz rechtfertigen. Der klare Höhepunkt des Films ist dann wie so oft der abschließende Tanz-Wettbewerb, bei dem die All Stars in einer treffenden Choreographie alles das zum Ausdruck bringen, was vorher nur behauptet wurde: Solidarität, Zusammenhalt und Freundschaft. Und so endet „StreetDance Kids“ für die Protagonisten und für das Publikum gleichermaßen versöhnlich.

    Fazit: „StreetDance Kids“ hat mit den Vorgängern der Reihe zwar inhaltlich nichts zu tun, bietet aber auch mit jüngeren Protagonisten die genretypische Mischung aus oberflächlicher Handlung und hübschen Tanzszenen.

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