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    Der kleine Nick macht Ferien
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Der kleine Nick macht Ferien
    Von Carsten Baumgardt
    „Der kleine Nick“ gehört in Frankreich zum kinderliterarischen Kulturgut wie hierzulande „Das doppelte Lottchen“ oder „Der Räuber Hotzenplotz“. „Asterix“-Erfinder René Goscinny verfasste zwischen 1955 und 1965 Dutzende Kurzgeschichten mit den Erlebnissen des aufgeweckten Schuljungen, zu denen Jean-Jacques Sempé liebevolle Illustrationen beisteuerte. Gesammelt in Buchform wurden die Episoden zu in 30 Sprachen übersetzten Bestsellern und 2009 folgte mit „Der kleine Nick“ der erste Kinoauftritt des sympathischen Dreikäsehochs. Der Film von Laurent Tirard („Asterix & Obelix – Im Auftrag Ihrer Majestät“) avancierte in unserem Nachbarland mit 5,5 Millionen Zuschauern zum erfolgreichsten Start des Jahres und nun legt der Regisseur mit „Der kleine Nick macht Ferien“ die erste Fortsetzung nach. Die familienfreundliche Handlung ist erneut in einer bonbonbunten Nostalgieversion der 60er Jahre angesiedelt, wurde dieses Mal aber stärker auf die erwachsenen Figuren um Frankreichs Comedy-Superstar Kad Merad („Willkommen bei den Sch’tis“) zugeschnitten. Die Komödie lebt stark von dem charmanten Retro-Look und ist dabei insgesamt recht amüsant, auch wenn nicht jeder Scherz gelingt.

    Nichts wie weg aus Paris! Das denken sich der kleine Nick (Mathéo Boisselier) und seine Eltern (Valérie Lemercier, Kad Merad) zu Beginn der großen Ferien. Dieses Jahr geht es ans Meer, obwohl Nicks Mutter die Berge so sehr liebt, aber der Vater setzt sich durch – zu einem hohen Preis, denn Nicks schrullige Großmutter (Dominique Lavanant) mütterlicherseits kommt auch mit… Am Ferienort  angekommen findet Nick schnell Freunde, die er gleich für seine Zwecke einspannt. Er will die kleine Isabelle (Erja Malatier) loswerden, die ihm auf Schritt und Tritt folgt. Um die Abreise des Mädchens und seiner Eltern zu forcieren, hecken die Jungs einige Streiche aus. Richtig in die Zwickmühle gerät Nick aber erst, als er sein Ziel fast erreicht hat und dann feststellt, dass Isabelle wirklich nett ist. Und eigentlich gehört sein Herz doch seiner neuen Freundin Marie-Hedwig (Chann Aglat) daheim...


    Ans Meer oder in die Berge? Wohin die Franzosen in den heiligen Sommerferien fahren, wenn das heiße Paris ohnehin hoffnungslos an die Touristen verloren ist, kommt einer Glaubensentscheidung gleich. Das zeigt Laurent Tirard zu Beginn seines Films, als sich Nicks Eltern nicht über das Urlaubsziel einigen können. Schließlich fahren sie an die Atlantikküste und dabei entführt uns der Regisseur wie schon im ersten Film in eine andere Epoche – oder besser gesagt in eine filmische Fantasie über diese Zeit. Das Frankreich der 60er Jahre sieht hier in seinen von Gelb und Blau dominierten Bonbontönen wie eine Märchenwelt aus, die von allerlei skurrilen und auch nicht eben realitätsnahen Figuren bevölkert wird. Dort steht kindlicher Schabernack neben dem ein oder anderen Problemchen der Erwachsenen und über allem schimmert der Schein des Unwirklichen und weit Entrückten. Die Rollen von Mann und Frau sind klar verteilt, man schreibt dem Firmenchef eine Postkarte aus dem Urlaub, weil sich das so gehört, und versucht sich im Trubel zu erholen, denn dafür sind die Ferien ja da.  

    Die episodische Struktur der Vorlage ist auch dem Film anzumerken (das Drehbuch hat Regisseur Tirard wieder gemeinsam mit seinem Stammpartner Grégoire Vigneron geschrieben), die Handlung wird über das Feriensetting nur lose zusammengehalten. Die Qualität der einzelnen Erzählstränge ist dabei genau wie die der einzelnen Gags recht unterschiedlich. Abgedroschene Scherze mit der brutal schnarchenden Oma oder aufdringlichen Schweizer Nudistinnen wechseln sich mit charmanten Lausbubenstreichen der Kinder ab. Der Schwerpunkt liegt aber insgesamt stärker auf den Erwachsenen: Valérie Lemercier („Die Besucher“) als Nicks Mutter hat ihre besten Szenen, wenn ein gockelhafter italienischer Produzent (Luca Zingaretti), der direkt aus einem Fellini-Film stammen könnte, sie für sein neues Opus als Diva gewinnen will – hier nimmt Tirard herrlich ironisch das Gebaren von eingebildeten Filmschaffenden aufs Korn. Starkomiker Kad Merad läuft der Musik dagegen demonstrativ hinterher. Er ist als passiver Vater immer in der Defensive, muss sich rechtfertigen und um die Gunst seiner Frau kämpfen, dabei will er doch einfach nur seine Ruhe haben.

    Mag die Titelfigur auch nicht im Zentrum stehen, so ist der kleine Nick doch erneut der große Sympathieträger des Films. Der neunjährige Mathéo Boisselier löst im zweiten Teil aus Altersgründen Maxime Godart als Nick ab, schließlich sind seit dem Original bereits fünf Jahre ins Land gezogen. Der Neue gefällt durch seinen Lausbubencharme, der ihn trotz seiner manchmal recht bösen Streiche stets sympathisch wirken lässt. Aber auch die zarte Liebes(dreiecks)geschichte zwischen Nick, Isabelle und Marie-Hedwig ist ganz zauberhaft (man beachte den köstlichen Schlussgag!). So kann sich jede Altersgruppe leidlich vergnügen und nebenbei bietet Tirard auch noch einige Schlenker in die Filmgeschichte für die Kinoliebhaber im Publikum. Die Hommage an den großen Jacques Tati und sein „Die Ferien des Monsieur Hulot“ ist der deutlichste Verweis, aber auch Zitate des Louis-de-Funès-Klassikers „Die große Sause“ und sogar von Stanley Kubricks „Shining“ lassen sich entdecken.

    Fazit: Der kleine Nick kehrt zurück auf die große Leinwand und macht Ferien. Laurent Tirard entführt uns in eine kunterbunte 60er-Jahre-Parallelwelt und bietet nette Familienunterhaltung im Geiste der „Nick“-Erfinder René Goscinny und Jean-Jacques Sempé.
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