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    Das magische Haus
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Das magische Haus
    Von Christoph Petersen
    Was 3D-Animationfilme angeht, gibt Hollywood mit Pixar, Disney, DreamWorks & Co. noch immer den Ton an. Aber wenn es einen Filmemacher gibt, der ganz ohne US-Studio im Rücken in diese Phalanx einbrechen kann, dann den Belgier Ben Stassen. Nach seinen europaweiten Hits „Sammys Abenteuer“ (mehr als eine Million Zuschauer in Deutschland) und „Sammys Abenteuer 2“ stand dem Regisseur für sein neues 3D-Abenteuer „Das magische Haus“ ein mehr als dreimal so hohes Budget wie für seinen vorherigen Film zur Verfügung - und das sieht man auch: Zwar ist „Das magische Haus“ mit Kosten von geschätzten 34 Millionen Dollar noch immer weit günstiger als die US-Konkurrenz, aber ein technischer Qualitätsunterschied ist endgültig so gut wie nicht mehr auszumachen. Aber obwohl sich die Animationen nun auf einem ähnlichen Niveau bewegen, gibt es dennoch einen Unterschied, der sofort ins Auge sticht: Während Hollywoods Animationskünstler meist eher zurückhaltend sind, was den Einsatz von auffälligen 3D-Effekten angeht, kennt Stassen absolut keine Hemmungen und nimmt das Publikum mit auf eine kurzweilig-wilde Achterbahnfahrt mit nur wenigen Verschnaufpausen.

    Als Kater Thunder (Stimme: Matthias Schweighöfer) von seinen bisherigen Besitzern ausgesetzt wird, findet er Unterschlupf im Haus des Zauberers Lawrence (Dieter Hallervorden), der nicht nur mit seinen Haustieren, sondern auch noch mit einem Haufen verzauberter Spielzeuge und Haushaltsgeräte zusammenlebt. Aber nicht alle freuen sich über den Familienzuwachs: Maus Maggie (Karoline Herfurth) und Hase Jack sind eifersüchtig und wollen Thunder am liebsten so schnell wie möglich wieder loswerden! Doch dann landet Lawrence nach einem Unfall im Krankenhaus und sein verschlagener Neffe Daniel will die Gunst der Stunde nutzen, um das magische Haus endlich gewinnbringend zu verscherbeln. Nun ist es an Thunder und seinen neuen Freunden, mögliche Kaufinteressenten mit allerlei Schabernack so schnell wie möglich wieder in die Flucht zu schlagen...


    „Das magische Haus“ basiert auf dem 4D-Vergnügungspark-Kurzfilm „Das Spukschloss“ – und da in einem herkömmlichen Kinosaal die zusätzlichen physischen Effekte einer 4D-Vorstellung wie wackelnde Sitze, spritzendes Wasser oder zischender Rauch natürlich wegfallen, hat Ben Stassen zum Ausgleich beim 3D gleich ein paar Gänge hochgeschaltet: Dem Zuschauer fliegen hier Kaugummibälle, Spinnen und Froot Loops  im Minutentakt entgegen, während sich Thunder von einer Verfolgungsjagd in die nächste stürzt. Die sind wiederum so abwechslungsreich choreographiert, dass sich kaum Abnutzungserscheinungen einstellen. Besonders gelungen sind dabei die Szenen in der Egoperspektive, bei denen der Zuschauer aus der Sicht von Thunder miterlebt, wie der Kater auf einen Baum hinaufklettert, oder mit den Augen von Maus Maggie sieht, wie sie das Treppengeländer hinabsaust. Da wird das Kino zur virtuellen Achterbahn und nicht nur das junge Publikum hat eine Menge Spaß.  

    Wenn ein Film so actionreich-kurzweilig gerät wie dieser, dann ist es eigentlich auch kein Problem, wenn die Macher 85 Minuten lang kaum einmal vom Gas gehen. Schade ist es in diesem Fall aber trotzdem, denn die vielen zauberhaften Figuren - vom Kaugummiautomaten Stomp über den Pfannkuchen-Roboter Chef bis zum Seifenblasen-Brotkasten Bubble Tom - sind derart liebevoll entworfen, dass man sich doch auch mal einen ruhigeren Moment gewünscht hätte, um diese wunderbaren Hausgeräte wirklich ins Herz schließen zu können. Die über reine Unterhaltung hinausgehende Magie der „Toy Story“-Filme verpasst „Das magische Haus“ so leider knapp. Nichtsdestotrotz haben die Autoren Ben Stassen, Domonic Paris und James Flynn den rudimentären Plot des zugrundeliegenden 12-Minüters stimmig zum „Kevin - Allein zu Haus“-mit-sprechenden-Tieren-und-lebendigen-Küchengeräten-Abenteuer erweitert. Zudem wurde bei der deutschen Synchronisation weitgehend auf die sonst so gern zu Marketing-Zwecken missbrauchte B-Prominenz verzichtet und man hat stattdessen auf die immer charmant-natürlichen Matthias Schweighöfer („Frau Ella“) und Karoline Herfurth („Fack ju Göhte“) gesetzt - und Dieter Hallervorden („Sein letztes Rennen“) als liebevoll-spleeniger Zauberer stiehlt sowieso allen die Show.

    Fazit: Rasend-rasanter Animationsspaß mit brillantem und mutig eingesetztem 3D, der durch ein paar Momente des Innehaltens aber noch stärker geworden wäre.

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