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Der Unbestechliche
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Der Unbestechliche
Von Gregor Torinus
1972 gewann William Friedkins in Deutschland auch als „Brennpunkt Brooklyn“ bekannter düsterer Cop-Thriller „The French Connection“ mit Gene Hackman und Fernando Rey fünf Oscars. Die Handlung des Klassikers ist von den wahren Vorkommnissen um den gleichnamigen Drogenschmuggelring inspiriert, der lange für den Transport des größten Teils des in den USA konsumierten Heroins von Marseille nach New York verantwortlich war. Nun kehrt der selbst in Marseille aufgewachsene Regisseur Cédric Jimenez mit seinem spannenden Crime-Drama „Der Unbestechliche“ (Originaltitel: „La French“) in jene Zeit zurück und präsentiert gewissermaßen die französische Seite der Ereignisse aus „The French Connection“. Jimenez' beim Fantasy Filmfest 2015 unter dem die Verbindung betonenden Titel „The Connection“ vorgestellter atmosphärischer Reißer steht aber noch stärker in der Tradition des realistischen europäischen Politthrillers der 1970er Jahre.


Der Film beginnt damit, dass der engagierte Richter Pierre Michel (Jean Dujardin) 1975 von Metz nach Marseille versetzt wird. Dort soll er dem bereits die gesamte Stadt kontrollierenden Spielkasino- und Drogenring um den gebürtigen Neapolitaner Gaëtan „Tany“ Zampa (Gilles Lellouche) das Handwerk legen. Dies scheint ein fast unmögliches Unterfangen zu sein, denn Zampas Organisation ist weit verzweigt und kaum durchschaubar. Aber der so kluge wie sympathische Michel beginnt mit großer Entschlossenheit seine Jagd, die sich immer mehr zu einem persönlichen Duell mit dem gleichfalls charismatischen Zampa entwickelt. Dieses kulminiert in einem Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten auf dem Gipfel eines Berges. In dieser Szene vereint Jimenez gleichsam das berühmte Zusammentreffen von Cop Al Pacino und Gangster Robert De Niro aus Michael Manns „Heat“ mit dem Gespräch zwischen dem idealistischen Staatsanwalt und dem desillusionierten Polizisten oben auf einem Berg in Damiano Damianis „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“ von 1971.

Die Szene steht exemplarisch für das Vorgehen von Regisseur Jimenez („Aux yeux de tous“). Einerseits strebt der Filmemacher eine epische Verbrechenssaga im Hollywood-Format an, was aufgrund der ausgezeichneten Darsteller - allen voran Oscar-Preisträger Jean Dujardin („The Artist“) und Gilles Lellouche („Mea Culpa – Im Auge des Verbrechens“) - auch tatsächlich weitgehend gelingt. Aber andererseits fühlt sich Jimenez sichtlich dem europäischen Politkrimi der 70er verpflichtet und so setzt er statt auf wilde Action auf Atmosphäre und statt auf ein hohes Tempo auf einen größtmöglichen Realismus. Eine Szene wie Friedkins berühmte Auto- und U-Bahn-Verfolgungsjagd fehlt hier also, dafür überzeugt „Der Unbestechliche“ mit akribischen Details, die neben den kriminellen Verflechtungen auch die politischen und bürokratischen Hindernisse bei der Polizeiarbeit veranschaulichen – die Zusammenhänge erweisen sich als so verwickelt, dass der Zuschauer nur mit voller Konzentration den kompletten Überblick behält.

Fazit: „Der Unbestechliche“ ist ein spannender Crime-Thriller in der Tradition europäischer Genrevorbilder aus den 1970er Jahren.
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