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Der kleine Drache Kokosnuss
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Der kleine Drache Kokosnuss
Von Jörg Brandes
Irgendwann begann Ingo Siegner, kleine Geschichten für die Kinder von Freunden und Verwandten zu zeichnen. Auf diese Weise entstand Ende der 90er Jahre auch der Drache Kokosnuss. Als 2002 das erste „richtige“ Buch mit dem Feuerdrachenkind erschien, wurde es schnell zum Erfolg, mittlerweile ist das literarische Œuvre um Kokosnuss und seine Freunde auf 22 Werke angewachsen, die Geschichten wurden bislang in 17 Sprachen übersetzt. Nun erlebt der Nachwuchs-Feuerspeier sein erstes Kinoabenteuer. Produziert wurde es von der Caligari Film, die bereits anderen populären Kinderbuchfiguren wie dem Hasen Felix, dem Mondbären, Prinzessin Lillifee und Ritter Rost zu computeranimiertem Leinwandleben verholfen hat. Das Ergebnis „Der kleine Drache Kokosnuss“, das in erster Linie an die ganz jungen Zuschauer gerichtet ist, kann sich sehen lassen – auch wenn der unter der Regie von Nina Wels und Hubert Weiland entstandene 3D-Film (der wahlweise auch in 2D zu sehen ist) nicht rundum gelungen ist.

Der kleine Feuerdrache Kokosnuss (Stimme: Max von der Groeben) hadert damit, dass ihm seine Eltern nichts zutrauen. Gerade ist mal wieder durch die Flugprüfung gerasselt, was die Sache für ihn nur noch schlimmer macht. Immerhin hält sein Opa etwas größere Stücke auf den Dreikäsehoch. Und so betraut er ihn mit der verantwortungsvollen Aufgabe, das für Feuerdrachen essenzielle Feuergras zu bewachen. Doch es kommt, wie es kommen muss: Das ebenso kostbare wie köstliche Kraut geht verlustig, gerät in falsche Hände – und Kokosnuss muss zu seiner Wiederbeschaffung einen wahren Abenteuer-Parcours bewältigen. Gut, dass er dabei von seinem Fressdrachenkumpel Oskar (Dustin Semmelrogge) und dem Stachelschweinmädel Matilda (Carolin Kebekus) unterstützt wird.


Die Geschichte wird in kinderfreundlichen Häppchen erzählt. An den Stationen ihrer Odyssee machen Kokosnuss und seine Freunde etwa die Bekanntschaft mit gefährlichen Schlucklöchern, mit dem kleinsten und dem größten Drachen ihrer Heimatinsel, mit einem Bergdrachenpaar, das ein Kind erwartet, und mit einem gutmütigen Höhlenungeheuer. Dabei dient das mehrfach den Besitzer wechselnde Feuergras, dessen Kraft einen Vulkan zum Brodeln bringt und den Fressdrachen-Koch zu einer verwerflichen Aktion verleitet, als loser roter Faden. Am Ende steht dann ein Plädoyer für ein freundschaftlich-friedliches Miteinander. So weit, so gut, so nachvollziehbar. Das gilt jedoch längst nicht für jede Idee der Drehbuchautoren Mark Slater und Gabriele M. Walther. Warum etwa der impertinente Drachen-Koch unbedingt mit kölschem Zungenschlag sprechen muss, erschließt sich nicht (und ist auch nicht gerade lustig). Und auch die unvermittelte Gesangseinlage von Kokosnuss und Co. auf der Flucht gehört in die Kategorie „verzichtbar“. Außerdem dürfte das ständige Hin und Her zwischen zwei Schauplätzen im dramatischen Finale zumindest die jüngsten Zuschauer überfordern.

Dessen ungeachtet ist das Identifikationspotenzial der Hauptfiguren recht groß. Alle drei sind Außenseiter: der Titelheld, weil er sich mit dem Fliegen so schwer tut; Fressdrache Otto, weil er sich im Gegensatz zu seinen Artgenossen rein vegetarisch ernährt; und Matilda allein schon deshalb, weil sie das einzige Stachelschwein auf dem Dracheneiland ist. Umso schöner, dass gerade sie nun den Erwachsenen zeigen können, dass viel mehr in ihnen steckt, als diese vermuten. Außerdem sind die drei „feuerfesten Freunde“ auch vom Design her ganz putzig. Ansonsten ist der Film des „Ritter Rost“-erfahrenen Duos Nina Wels und Hubert Weiland grafisch eher schlicht. Zwar wirkt die Welt des kleinen Drachen Kokosnuss mit ihrer Spielzeugland-Anmutung visuell wie aus einem Guss, doch an der Animation hätte man im Detail noch etwas feilen können. Aber dass es „Der kleine Drache Kokosnuss“ in dieser Hinsicht mit US-Produktionen wie etwa den „Drachenzähmen leicht gemacht“-Spektakeln aufnehmen kann, wird wohl auch niemand erwarten.

Fazit: Dem kritischen Erwachsenenblick kann das Leinwanddebüt des Drachen Kokosnuss nicht in allen Punkten standhalten, aber für das kindliche Zielpublikum gibt es reichlich Spaß, Spannung und Abenteuer.
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